[Werbung] Einen Fuß vor den anderen setzen, atmen, Wetter spüren und die schöne Landschaft genießen. An mehr möchte ich eigentlich nicht denken, wenn ich auf Wanderschaft bin. Ich mache mich auf den Weg, um abzuschalten; von Sorgen und Nöten, vom Trubel des Alltags; um den Kopf frei zu bekommen von Stress und Ängsten. Ich möchte schöne, spannende, vielleicht außergewöhnliche oder auch völlig alltägliche Erfahrungen sammeln. Und später mit Freude daran zurückdenken.
Den möglichen Notfall einkalkulieren
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Es fällt mir also schwer, den Gedanken an unvorhergesehene Schwierigkeiten, zuzulassen. Und doch habe ich die Erfahrung gemacht, dass es manchmal die anfangs unangenehmen Herausforderungen sind, die Wanderungen zu etwas Besonderem machen können.
Meine allererste Wanderung ist ein perfektes Beispiel dafür. Meine Freude am Wandern ist erwacht, als ich eigentlich nur einen kurzen Spaziergang machen wollte. Zum Glück habe ich mich aber in der Nähe des sagenumwobenen Loch Ness in schottischen Wäldern verfranst und kraxelte sechseinhalb Stunden über Stock und Stein. Meine Gedanken sortierten sich wie selten zuvor, die Bewegung und die frische Luft taten ihr Übriges – et voilà: Eine Wanderin aus Leidenschaft war geboren.
Dass ich mir in meinen Freizeittretern allerdings mehrere schmerzhafte Blasen zuzog, muss ich wohl nicht extra erwähnen. Meine neu entflammte Liebe zum Wandern wäre wohl schon am nächsten Tag wieder erloschen, hätte ich nicht ein gut ausgestattetes Notfallset für Wanderer dabei gehabt. Abends im Hostel konnte ich meine geschundenen Füße mit Desinfektionsmittel, Salbe und Pflaster versorgen. Am nächsten Tag ging es mit ungebrochenem Elan und dem festen Entschluss, bald in vernünftige Wanderstiefel zu investieren, weiter.

(Quelle: Hans / Pixabay.com)
Was damals eher dem Zufall als effektiver Planung zuzurechnen war, gehört heute für mich zu jeder Tour: Ein Verbandset, das speziell auf die Bedürfnisse von Wanderern zugeschnitten ist, darf nicht fehlen. Schließlich gibt es außer unangenehmen, aber nicht wirklich bedrohlichen Blasen auch Unfälle, die schnellstmöglich behandelt werden sollten. Schürf- oder Kratzwunden sollten sofort desinfiziert und verbunden werden.
Das ist natürlich nur mit der richtigen Ausstattung möglich. Dieser Artikel ist also nicht nur ein Plädoyer für die Outdoor-Verbandstasche, sondern soll dir auch als kleiner Ratgeber für die Auswahl des passenden Erste-Hilfe-Sets dienen und erläutern, warum bestimmte Gegenstände nicht fehlen sollten.
Die Ausstattung wächst mit ihren Aufgaben
Meine ungeplante Tour von Drumnadrochit in die schottische Wildnis dauerte nur gut einen halben Tag. Zum Glück, schließlich war die Wanderung ja überhaupt nicht vorgesehen. Ich fuhr im Anschluss nach Inverness, zurück in den sicheren Schoß der Zivilisation. Nach geschehener Blasenbehandlung konnte ich meine Bestände an Pflastern und Desinfektionsmittel also problemlos im örtlichen Drug Store auffüllen.
Mit der richtigen Ausstattung und stetig wachsender Erfahrung bin ich bei der Planung meiner Routen mutiger und ehrgeiziger geworden. Mehrtagestouren haben ihren ganz besonderen Reiz. Ich finde, man kommt noch besser zur Ruhe und gewinnt selbst in der Nacht noch Abstand zum Alltag.
Während der Körper sich neuen Herausforderungen stellt, wird der Geist ruhiger, als dass es bei Tagestouren möglich wäre. Schließlich hört das Naturerlebnis selbst nachts nicht auf und der Schlaf wird erholsamer. Nach wie vor genieße ich aber auch kürzere Strecken und finde es mitunter sehr angenehm, mir nach anstrengenden Kilometern eine Pause zu gönnen.
Welchen Umfang die Tour hat, wirkt sich natürlich auch auf die Anforderungen an das Notfallset aus. Allerdings gilt das nur auf die Menge der mitgeführten Verbandsmaterialien, nicht grundsätzlich auf ihre Art und Funktion. Ein bisschen Mitdenken gehört bei der Planung dazu: Wer auf seiner Wanderschaft sehr lange unterwegs ist, aber häufig durch belebte Ortschaften oder Städte kommt, braucht natürlich weniger Verbandsmaterial als jemand, der sich komplett durch die Wildnis schlägt.

Die Pflicht: Das sollte ins Erste-Hilfe-Set
In jedes Wander-Notfallset gehören Heftpflaster in verschiedenen Größen. Ob man sich für zugeschnittene Streifen entscheidet oder das Pflastermaterial nach Bedarf trimmt, ist Geschmackssache. Wichtig ist allerdings, genügend Pflaster dabei zu haben und wirklich jede Größe abdecken zu können.
Ebenso dürfen mindestens zwei, auf längeren Touren drei bis vier sterile Kompressen, sowie eine Rolle Tapeverband, elastische Binden, Desinfektionsmittel, mindestens eine sterile Wundauflage, ein Dreieckstuch, eine Rettungsdecke sowie Einweg-Handschuhe nicht fehlen. Auch Schmerztabletten sind sehr zu empfehlen.
Zudem sollten eine kleine Schere, eine Pinzette, Sicherheitsnadeln und auch eine Zeckenzange eingepackt werden.
Auf Mehrtagestouren müssen die Mengen des Verbandmaterials entsprechend erhöht werden. Außerdem ergänzen Kühlgels, Wundsalben und durchblutungsfördernde Cremes sinnvoll das Equipment, wenn es auf lange Wanderschaft geht. So lassen sich nicht nur Verletzungen durch Unfälle, sondern auch Scheuerstellen und Muskelkater behandeln.
Die Kür: Gewicht vs. Vorsorge
Wie bei jeder Trekking-Ausrüstung ist natürlich auch beim Erste-Hilfe-Set die Balance zwischen Nutzen und Stauraum bzw. Gewicht des Gepäcks wichtig. Und wir alle wollen beim Wandern unseren Ballast so gering wie möglich halten, nicht wahr? Wenn es um Sicherheit geht, sollten natürlich keine Abstriche gemacht werden.
Allerdings gibt es durchaus Ausrüstungsmaterial, das nicht auf jeder Wanderung dabei sein muss. Hier gilt es also, mit etwas gesundem Menschenverstand zu entscheiden: Soll das mit oder kann es auch zu Hause bleiben. Blasenpflaster sind eine wunderbare Erfindung. Sie betäuben sofort den Schmerz, kühlen und lindern so die Schwellung und legen sich wie eine Schutzschicht über die verletzte Haut.
Spätestens seit meiner Fußbehandlung in Schottland weiß ich jedoch, dass sie nicht zwingend notwendig sind, denn mit Desinfektionsmittel und einem normalen Pflaster geht es auch. Nun bin ich recht schmerzunempfindlich und bekomme generell selten Blasen – die Investition in perfekt passende Wanderstiefel habe ich nie bereut. Wenn es dir da allerdings anders geht und du noch Platz im Rucksack hast, sind Blasenpflaster bestimmt eine Bereicherung für deine Ausflüge.
Auch Schmerzmittel sollten mit Bedacht gewählt werden. Kopfschmerzen können die schönste Wanderung verderben und das mit einer Tablette zu vermeiden, ist bestimmt in vielen Fällen die richtige Entscheidung. Allerdings gibt es Schmerzquellen, die wohl besser nicht durch Medikamente betäubt werden.
Ich musste knapp ein Jahr lang auf Touren mit großen Höhenunterschieden verzichten, weil ich Knieprobleme hatte. Den stechenden Schmerz unter der Kniescheibe beim Bergabgehen hätte ich vermutlich mit den entsprechenden Mitteln überdecken können. Doch vermutlich hätte ich dann viel länger mit den Folgen zu tun gehabt. Stattdessen habe ich Flachlandwandern für mich entdeckt, brav meine Knieübungen gemacht und mich nach entsprechender Schonung des Gelenks mit Wanderstöcken an kleinere Auf- und Abstiege herangetastet.
Notwendig sind Medikamente natürlich dann, wenn sie individuell notwendig sind. Gerade bei körperlicher Anstrengung solltest du natürlich nicht auf dein Asthmaspray verzichten, wenn das medizinisch indiziert ist. Und auch Allergiemittel tragen zu einem schönen Outdoor-Erlebnis bei.
Neben dem Desinfektionsmittel für Wunden gibt es auch die Möglichkeit, desinfizierende Gels oder Flüssigkeiten mitzunehmen. Wenn man den ganzen Tag draußen unterwegs ist, Steine, Moos, Holz, Erde und viele weiteren Dinge anfasst und – auch das sollten wir an dieser Stelle nicht vergessen – nach dem Toilettengang häufig nicht die Möglichkeit hat, sich die Hände zu waschen, ist eine kleine Tube mit Gel bestimmt sinnvoll.
Alternativ kann man aber auch bei der Berechnung der Wassermenge, die man eingepackt, großzügig sein und sich so die Hände waschen. Oder man nutzt Bäche und Seen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Auch hier geht es also eher um persönliche Präferenzen als um absolute Notwendigkeiten. Ich persönlich bin in dieser Hinsicht ja weitestgehend ekelfrei und verzichte auf Reinigungstücher oder ähnliches, wo ich kann. Schließlich verursachen sie Müll und dass der wieder eingepackt werden muss, ist selbstverständlich.
Fazit
Wanderungen sind dann am schönsten, wenn man sie ohne Sorgen genießen kann. Dazu gehört auch, im Notfall gut reagieren zu können. Aus meiner eigenen Erfahrung ist es oft ein gut ausgestattetes Erste-Hilfe-Set, das darüber entscheiden kann, ob eine Tour zum tollen Erlebnis wird oder durch kleinere oder größere Verletzungen verdorben wird. Mit den richtigen Pflastern, Verbänden und Desinfektionsmitteln sowie entsprechendem Know-How zum Thema Erstversorgung sind Schürfwunden, Blasen & Co. meist nicht mehr, als eine unbedeutende Nebensache. Da es inzwischen eine große Auswahl an vorsortierten Notfallsets gibt, nimmt das Verbandsmaterial oft auch kaum Platz im Gepäck mit.
Falls ich mich doch einmal bei dem Gedanken ertappe, dass das Notfallset vielleicht doch nicht nötig ist, erinnere ich mich selbst an mein allererstes Wandererlebnis am Loch Ness. Und daran, dass ich ohne Pflaster und Desinfektionsmittel dieses und viele weitere großartige Ausflüge in die Natur nicht hätte genießen können. Damit fällt die Entscheidung jedes Mal auf’s Neue leicht.

Hallo und guten Abend,
Für mich gehört zur Notfall Ausrüstung zum Wandern mehr als das Erste Hilfe Kit. Dazu gehört die Ausrüstung um eine Nacht ungeplant im Freien zu verbringen zu können. Also amerikanische Rettungsdecke mit etwas Paracord um einen Notunterschlupf bauen zu können. Eine Hose und Jacke die zu warm für die Jahreszeit sind (braucht man Nachts) sowie ein Set um Feuer zu machen (bei mir Zünder und Feuerstahl).
Ich habe das schon gebraucht.
Beste Grüße
Tobias
Hallo Tobias,
das ist aber sehr viel Gepäck. Wann und wo hattest Du denn einen solchen Notfall? Ich kann mir das gerade bei einer einfachen Tagestour nicht vorstellen. Ausgenommen vielleicht, abgeschieden in der Wildnis ohne ausgeschilderte Wanderwege und funktionierendem Netz.
LG Bianca
Danke für die Erinnerung, dass man auch bei einem Wanderurlaub am Altmühlsee ein Erste-Hilfe-Set mit Heftpflastern in verschiedenen Größen dabei haben sollte. Ich werde auch an Wundsalben und durchblutungsfördernde Cremes denken. Ich werde mal schauen ob ich so kleine Fläschchen mit desinfizierende Gels oder Flüssigkeiten bekomme.