Zwischen Auftraggeber und Blogger/innen gibt es ein Thema, das in sämtlichen Facebook-Gruppen kontrovers diskutiert wird: Den Wert eines Blogbeitrags respektive seine Vergütung. Bewerten kann ich dies allein schon deswegen nicht, da Kommerz an sich nicht per se nicht schlecht ist: Marketing-Experten entdecken für sich interessante Marketingkanäle und der ein oder andere Bloggende, verdient damit ein bisschen was dazu oder macht sich gleich mit Bloggen selbständig. Doch Geld macht (oft leider auch) gierig: Was einst aus Leidenschaft und Idealismus anfing, wird mehr und mehr als Geldquelle verstanden – doch ist das verkehrt?
Nicht selten starten Blogger ihre Blogs heutzutage aus reinem kommerziellen Interesse – und ich meine das ganz und gar nicht wertend, da diese oft mit genauso großer Leidenschaft geführt werden, wie andere Blogs. Auch ich gehe hier und da Kooperationen ein, wenn mir das Produkt, die Vergütung und/oder die Reise zusagt, es zum Blog passt und die Zusammenarbeit auf einer soliden Basis fußt. Doch da das Verständnis einer „soliden Basis“ oft auseinander geht, will ich mit diesem Beitrag zeigen, was darunter verstanden werden kann.
1. Wie und wie hoch sollen Blogbeiträge vergütet werden?
Beitragsinhalt
Tipps für Auftraggeber
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten Blogger zu vergüten und es ist wichtig, sich dessen vor der Kampagne klar zu sein aber eben auch andere Kriterien festzulegen:
- Lege für dich oder deinen Kunden das Gesamtbudget für die komplette Kampagne fest, das natürlich nicht veröffentlicht werden muss aber euch intern für die Kalkulation und Entscheidungen hilft.
- Lege alle Ziele und Leistungserwartungen möglichst genau fest und suche danach entsprechende Blogger aus.
- Je nach Blog und Person muss ein Gesamtgeldwert fest stehen, der sich in Sach- und/oder Geldwert beziffert.
Tipps für Blogger/innen
Du kannst dir deine Arbeit auf unterschiedliche Weise vergüten lassen, doch empfehle ich dir, vorab über deinen realistischen Wert Gedanken zu machen. Ein realistischer Wert ist natürlich sehr individuell und richtet sich nach vielen unterschiedlichen Kriterien, die deinen Auftraggebern wichtig sind: Branding, Lesezielgruppe, Reichweite, Qualität, KPI und vielem mehr. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, deinen Wert und der deines Blogs, herauszufinden:
- Arbeitszeitvergügung: Vergleiche die Stundenpreise von Fotografen, Texter und Videoproduzenten und setze sie in Relation zu deiner lieferbaren Qualität und Zeit.
- Reichweitenvergügung: Als Blogger/in bist du alles in einer Person und lieferst zusätzlich Reichweite. Versuche herauszubekommen, wie viel Blogger/innen mit einer vergleichbaren Reichweite verdienen. Einige Blogger/innen haben über ihre Preise bzw. über ihren Verdienst für Artikel, Affiliates und mehr bereits gebloggt, wie z. B. hier oder hier.
Neben deinem persönlichen Werteempfinden empfehle ich dir, eigene Prinzipien aufzusetzen und danach zu handeln.
Prinzipien sind wichtig, denn sie geben dir das Gefühl, dich nicht unterm Wert zu verschachern.
Übrigens: 80 % der Anfragen, die mich erreichen, gibt es (zumeist erst bei Nachfrage) ein Budget für gesponserte Artikel. Es lohnt sich also, einfach mal höflich zurückzufragen.

2. Warum ist guter Service besonders wichtig?
Auch wenn es sich bei der Blogger-Relations um Geld dreht: Wer sich sympathisch ist, arbeitet besser zusammen. So war es schon immer. Und wie jeder weiß, zählt oft der erste Moment – und dieser kann gerade in den sozialen Medien schnell nach hinten losgehen.
Tipps für Auftraggeber
Gerade wer Blogger/innen in diversen Facebook-Gruppen sucht, kann trotz passablen Angebots unbeabsichtigt Diskussionen auslösen – zumeist nicht zu eigenen Gunsten. Dies passiert leider immer wieder und auch oft dann, wenn Anbieter „nur“ Sachleistung wie Essstäbchen ausloben und dabei wichtige Informationen, wie den Warenwert, im Post verschweigen. Daher empfehle ich:
- Informiere umfassend! Dazu gehören die Erwartungen an die Blogger und die zur Verfügung stehenden Mittel. Wer nicht gleich alles auf den Tisch legen kann oder darf, schreibt auch das besser hin, begründet dies und bietet idealerweise noch ein persönliches Gespräch an.
- Versuche erst gar nicht etwas zu verschweigen, denn Blogger/innen fragen kritisch nach – auch so, dass jeder mitlesen kann. Das kann schnell nach hinten losgehen und ellenlange, oft unnötige Diskussionen hervorrufen. Richtigstellungen verlieren sich in den Kommentaren häufig, weswegen diese kaum beizusteuern ist (außer man korrigiert den Post nachträglich noch)
- Ist der Auftrag abgeschlossen, bezahle pünktlich! Mein krassestes Erlebnis war es, über drei Monate meinem Geld hinterher zu rennen und 4 Mal nachzufragen, bis es endlich überwiesen wurde. Zwar wollte man weiterhin zusammenarbeiten, doch für mich war das Thema dann durch.
- Verschicke keine Massenmails an Influencer indem du ihnen einen Standarddeal anbietest. Dies ist erst vor wenigen Wochen geschehen, wo ein Bergsteigermagazin 100 EUR für zwei Links anbot und dies pauschal an Outdoor-Blogger und somit auch an mich verschickte. Da Blogger/innen zumeist gut vernetzt sind, landete die Mail kurzer Hand in einer geschlossenen Gruppe und wurde regelrecht in der Luft zerrissen. Gar. Nicht. Schön.
- Und an die PR-Leute unter euch: Blogger/innen gehören nicht in den Presseverteiler! Dieser beinhaltet nur vorgefertigte Werbetexte, ohne jeglichenWert für den Blog, der von seiner Exklusivität und Individualität lebt. Zudem lässt sich der Eintrag im Presseverteiler – auch zu meinem persönlichen Ärger – nicht wie einen Newsletter einfach abbestellen.
Tipps für Blogger/innen
Erschreckend oft lese ich Kommentare von Blogger/innen, die extrem arrogant rüberkommen. Ob nun erfolgreich oder nicht: Mit Arroganz kann man sich die Akquise und die Zusammenarbeit unnötig schwer machen. Hier meine Empfehlungen:
- Bleibe sachlich – immer sachlich! Bedenke, dass Marketing-Menschen auch nur Menschen sind und man von vornherein nicht gleich davon ausgehen muss, über´s Ohr gehauen zu werden. Für eine objektive Entscheidung, ob nun der Auftrag für dich interessant ist, hole auf einer respektvollen Art alle notwendigen Informationen ein und bewerte sie für dich. Passt der Auftrag oder die Vergütung nicht, dann muss man nicht motzen: Dann ist es eben einfach nicht deine Zielgruppe und kann abgehakt werden. Bedenke beim öffentlichen Kommentieren auch immer, dass potentielle Auftraggeber mitlesen und durchaus in der Lage sind, sich ein Bild zu machen.
- Nimm auch mal die Sicht des Auftraggebers an: Gerade kleinere Unternehmen haben nicht immer eine eigene Marketingabteilung und somit jemanden, der sich mit Blogger-Relations auskennt. Manchmal wird eine Agentur beauftragt, die die Anforderungen einfach nur weiter geben oder es posten Mitarbeiter/innen ein Gesuch, die sich vorher wenig über die Belange erkundigt haben – und es teilweise auch nicht konnten.
- Greife nicht einfach Produkte ab und schreibe nicht mehr darüber! Das schadet nicht nur deinem Image, sondern auch das anderer Blogger. Wer eine Vereinbarung eingeht, sollte sich daran halten.

Welchen Wert hat dein Blog?
3. Welchen Wert nehmen Produkte bei Blogger-Relations ein?
Es ist nicht selten ein schmaler Grad wenn Unternehmen über die Produkte Blogger/innen für eine Kooperation gewinnen wollen. Doch auch hier gilt für Blogger/innen: Sei dir deines und den Wert deines Blogs bewusst! Hier ein paar Tipps, worauf man als Auftraggeber und als Blogger/in achten kann:
Tipps für Auftraggeber
Für Produkttest-Kampagnen ist das Gesamtbudget von enormer Wichtigkeit, denn danach richtet sich die Zielgruppe der Blogger/innen und natürlich auch das Budget für die jeweiligen Artikel. Man kann Fallstricke vermeiden, wenn man ein paar Punkte beachtet:
- Solltest du in einer öffentlichen Gruppe um einen Produkttest bitten, schreibe den Warenwert hinzu. Denn wenn es nicht gleich die Luxusreise auf die Malediven ist, werden die Fragen kommen. Ein weiteres Argument für die Veröffentlichung des Warenwertes ist, dass Blogger/innen für sich selbst schnell prüfen können, ob der Auftrag interessant ist oder nicht. Das spart für alle Beteiligten viel Zeit und Nerven.
- Weniger attraktive Produkte mit niedrigerem Wert und ohne Zuzahlung eines Finanzwertes werden nur Blogger/innen mit wenig bis gar keine Reichweite anlocken. Halte dich außerdem für negatives Feedback bereit, wenn zusätzlich noch viel von den Blogger/innen erwartet wird. Ansonsten gilt auch hier: Ggf. den Warenwert mit entsprechender Zuzahlung aufzustocken, damit die Qualität der Blogs steigt.
- Oft wird seitens der Blogger/innen eine Produktüberlassung erwartet. Das mag bei vielen Produkten aufgrund des überschaubaren Wertes in Ordnung sein, doch was tun, wenn man als kleines Unternehmen hochwertige Möbel herstellt, die erst bei 1.100 EUR anfangen? Hier empfehle ich, kreativ zu sein und darüber nachzudenken, ob das Zusenden eines Produktes wirklich das einzige ist, was als Marketingmaßnahme zählt. Immerhin gibt es auch viele andere Möglichkeiten zur Blogger-Relations, wie das Ausloben von Gewinnspielen, Eventeinladungen, Messeaktionen usw..
- Schaue genau darauf, ob das Produkt auch zum angefragten Blog passt! Mir schrieb kürzlich eine Firma für Collaborations-Software eine Kooperationsanfrage – ich brauche wohl nicht näher begründen, warum das nichts mit uns wurde, oder? 😉
Tipps für Blogger/innen
Mir ist klar, dass ich schon mehrmals andeutete, wie wichtig es ist, seinen eigenen Wert zu kennen. Und auch hier gilt: Darunter muss nicht sein!
- Vor allem schreibe nur dann über bestimmte Produkte, wenn sie zu dir und deinem Blog passen. Denke dir Geschichten aus und gebe diesem Beitrag deine ganz persönliche Note. Deine Leser/innen werden es dir danken und dir treu bleiben – und oft kommen sogar neue hinzu.
- Schreibe nicht zu viele Werbebeiträge, außer, du schreibst den Blog nur dafür und der Auftraggeber weiß um seinen Nutzen. Übrigens auch Testblogs können erstaunliche Erfolge nachweisen.
Was passiert, wenn du dich unter Wert verkaufst?
Drum prüfe, was sich ewig bindet – das gilt übrigens für beide Seiten. Es gibt überall schwarze Schafe, die man aber mit ein bisschen Gespür, auf die Schliche kommen kann. Wer sich als Anbieter unter´m Wert verkauft, schadet seinem Impage und riskiert, seine Ziele oder die des Kunden nicht zu erreichen und zu viel Geld auszugeben. Wer sich als Blogger/in unterm Wert verkauft, schadet gleich der ganzen Gemeinschaft: Denn Anbieter vergleichen und werden dann jene, die sich höherpreisig positionieren, dann nicht mehr berücksichtigen.
Danke, Bianca, für deinen sehr informativen und gut recherchierten Blogbeitrag, der alle Sichtweisen berücksichtigt und beinhaltet.
Auch danke, für den verlinkten Blogtipp zu flocutus, ein guter Blog, der gerade zum rechten Zeitpunkt mein Auge traf 🙂 Da ich verstärkt mich mit dem Thema Fotografie beschäftige und darin sind wieder weitere Infos und Anregungen „verpackt“.
Lese hier gerne bei dir im Blog oder auf deiner Facebook Seite mit, sind doch immer wieder schöne, lustige oder auch nachdenkliche Posts zu finden.
Weitere „lebedraussen-Ideen“ mit schönen Outdoor-Aktionen wünsche ich dir 🙂
Lieben Dank für das Kompliment und Deinen Kommentar, Kerstin! Ich freue mich, wenn ich mit dem flocblog einen guten Tipp geben konnte. Fotografie ist äußerst spannend und ich werde sonnenfernweh verstärkt nach neuen Bildern beobachten 🙂
Du sprichst mir so aus dem Herzen Bianca. Ich beobachte diese unsäglichen Diskussionen so oft und da werden oft richtige Fronten aufgemacht. Daher tut dein sachlicher Artikel, der Anhaltspunkte für beide Seiten bietet, so gut.
Ich kenne als private und Corporate Bloggerin und als Unternehmerin nun wirklich beide Seiten. Und wir z.B. haben auch kein Budget. Daher frage ich erst gar keine Blogger an. Klar, ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Arbeit ein Blogpost macht und wie viel Zeit gute Fotos brauchen. Aber oft übersteigen die Forderungen von Bloggern die Vergütung von Journalisten um ein Vielfaches (aber das hast du ja auch erwähnt, denken aber viele nicht drüber nach, vor allem die mit geblitzten 08/15 Fotos und mittelmäßigen Texten). Also beleidige ich niemanden, in dem ich erst gar nicht frage.
Im Gegensatz dazu stelle ich als Bloggerin gerne Produkte vor, wenn ich weiß sie sind neu, von einem Start up, gefallen mir total gut, haben einen besonderen ethischen – nachhaltigen – regionalen oder was auch immer mir gerade wichtig ist – Touch. Aber klar, wenn mein Blog zum Gelderwerb dient, dann kann man sich diesen Luxus nicht mehr leisten. Aber gleich soooo beleidigt zu sein, wenn kein Budget da ist…. da wird der Bogen doch oft überspannt.
Ich glaube aus psychologischer Sicht findet da eine Übertragung statt 🙂
Auf alle Fälle hast du einen Blogpost geschrieben, der in meinen Augen wirklich richtig klasse ist, und wenn beide Seiten deine Tipps beherzigen für eine gute Zusammenarbeit sorgen können.
Hallo Andrea, hab vielen Dank für Dein Feedback – ich freu mich sehr, Dir aus dem Herzen geschrieben zu haben. Ich wusste gar nicht, dass es sogar schon so weit kommt, dass sich UnternehmerInnen kaum noch trauen, überhaupt Anfragen zu stellen. Gerade in Deinem Fall denke ich noch zu gerne an unser Treffen in Eurer Backküche und den tollen herzhaften und süßen Teilchen. Ich bin davon überzeugt, dass Du mit Deiner Kreativität viel mehr erreichst als „nur“ Blogbeiträge: es sind echte Fans und nicht nur Likes. Mach nur weiter so, das ist genau richtig, wie ich finde 🙂
Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag, liebe Bianca. Offen gesagt kann ich Phrasen wie »Verkaufe Dich nicht unter Wert« oder »Kenne Deinen Wert!« nicht mehr hören. Ich selbst finde es völlig unerheblich, welchen Wert eine Kooperation hat. Einzig und allein wichtig ist
a) dass die Kooperation zu mir und meinem Blog passt
b) das ich Lust auf diese Kooperation habe
Wenn beides passt, dann starte ich die Kooperation. Und es ist mir völlig egal, ob der Wert 50,- Euro oder 500,- Euro 7wert« beträgt. Ich bekomme interessanten Content für meinen Blog, habe Spaß beim Schreiben UND bekomme noch irgendwas dafür.
Bevor mich nun alle für diese Aussage steinigen: ich blogge zum Vergnügen und will mit meinem Blog kein Geld verdienen. Kooperationen finde ich prima, aber ich muss nicht auf irgend einen Wert achten. Ganz anders ist die Situation bei denjenigen, die mit dem Bloggen Geld verdienen wollen. Da hört dann der Spaß auf und die Arbeit fängt an.. Und ja, für geleistete Arbeit sollte man natürlich seinen Wert kennen.
Meiner Meinung nach gibt es nur zwei relevante Zahlen, die auch relativ objektiv sind. Da ist zunächst einmal der Aufwand, den ein Blogger betreiben muss, um einen Blogbeitrag zu schreiben. Also Stundenlohn, Material- und Anreisekosten usw. Dabei kommt ein Betrag heraus, der in der Regel bei einigen hundert Euro liegt. Auf der anderen Seite steht der Werbewert eines Blogartikels auf Grund seiner Reichweite. Pro angebrochene 10k Visitors sind etwa 100 Euro ein Preis, den man als Blogger gut durchsetzen kann.
Daraus ergibt sich eine ebenfalls sehr einfache Gleichung: Ist mein Aufwand höher als meine durch Reiseweite bestimmten Einnahmen lohnt sich eine Kooperation nicht. Dann muss ich mich entscheiden, ob ich absage oder drauflegen will. Sind hingegen meine Einnahmen grösser als meine Ausgaben, lohnt es sich und ich muss mir nur noch überlegen, ob ich mit der Marke wirklich zusammenarbeiten will.