[Werbung ohne Auftrag] Zwingend müssen wir uns nicht Gedanken darüber machen, wie wir in unserem Breitengrad und Lebenssituation überleben müssen: Wir können auch schlichtweg dankbar darüber sein, im Komfort und Luxus zu leben. Als ich mich im April dafür entschied, an einem Survival-Camp in Deutschland in Rheinland-Pfalz anzumelden, geschah das aus einem einfachen Grund: ich wollte Survival Tipps für meine mehrtägige Wanderung in Dänemark im Juni (Beitrag folgt noch). Dieses Ziel wurde erreicht doch was noch wichtiger ist: das neue Wissen macht „etwas“ mit einem – zumindest mit mir. Was genau das ist, zeige ich Dir in diesem Beitrag.

Bushcraft für Anfänger: 7 unschlagbare Gründe für ein Survival-Wochenende
Das verwöhnte Kind in uns
Beitragsinhalt
- Das verwöhnte Kind in uns
- Der 5-Punkte Plan: Auf was Du beim Überlebenstraining achten solltest
- Was lernt man in einem Survival-Camp?
- Für wen ist so ein Survival-Camp geeignet?
-
Sieben unschlagbare Gründe, an einem Survival-Training teilzunehmen
- Du überwindest Deine Ängste und wirst selbstsicherer
- Du lernst Deine Grenzen kennen und entwickelst eigene Alternativen
- Du lernst neue Hard-Skills, die Dir Sicherheit geben
- Du erweiterst Deinen Horizont und stärkst Deinen Charakter
- Du lernst auf Dich und Deine Umwelt besser zu achten: Achtsamkeit ist überlebenswichtig
- Im Training ist es leichter über seinen Schatten zu springen und auszuprobieren
- Du entdeckst das Kind in Dir
- Und jetzt Du!
Wir sind so verwöhnt. Wir leben in Wohnungen und Häusern, die sich mit einem kurzen Handgriff wärmen lassen. Wir haben Kühlschränke und die meisten davon sind immer mit Essbarem gefüllt. Wir können auf dem Herd und im Ofen durch Ein- und Ausschalten Essen zubereiten und dank der Supermärkte in der Nähe vorher wählen, ob es eine Suppe, Pfannkuchen oder eine Pizza sein soll. Wir können unsere Tür abschließen und müssen keine Angst haben, dass so schnell jemand oder etwas rein kommt. Dann ist da noch das warme, kuschelige Bett, unsere Fernsehgeräte, Smartphone und Tablets und der Strom aus der Steckdose. Orientierung ist dank zahlreicher Apps so einfach wie nie. Eine Flasche Wasser ist immer zur Hand, und auch der Schutz vor Kälte und Nässe ist unproblematisch. Wir sind sowas von verwöhnt – und nehmen uns vielleicht eins der schönsten Dinge auf Erden: den intensiven Kontakt zur Natur.

Der frische Wald am Morgen nach meiner Nacht im selbstgebauten Tarp aus Ästen, Zweigen und Moos
Der 5-Punkte Plan: Auf was Du beim Überlebenstraining achten solltest
Die Reaktionen unter meinen Bekannten und Freunden war gemischt, als ich vom Survival-Training erzählte: die, die das schon beim Bund oder als Pfadfinder erlebten, fanden es gewöhnlich und gar nicht schlimm, ein anderer Teil huldigte mir größten Respekt für diesen „wagemutigen“ Schritt. Vor dieser Nacht im Wald empfand auch ich mich für ein bisschen verrückt und ja, ich hatte großen Respekt davor. Doch war alles halb so wild: Fachkundige Guides sorgten für gesicherten Rahmen, haben alle Materialien dabei und vermittelten das Wichtigste für die ersten Schritte in der Wildnis. Und schwer ist das nicht! Grundsätzlich sind für das Überleben gerade mal 5 Punkte wichtig:
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Achtsamkeit
Achtsamkeit steht an erster Stelle, da uns diese an die richtigen Stellen führt: weg von Jagdrevieren und möglichen Wildtieren, hin zu Quellen und geschützten Schlafplätzen.
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Schutz
Haben wir einen geeigneten Platz gefunden, kümmern wir uns um den eigenen Schutz: jetzt wird das Zelt oder Biwak aufgebaut und sich für alles Nötige für eine sichere Nacht gekümmert.
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Wasser
Wasser ist wichtig zum Trinken und Kochen. Mit entsprechenden Karten und einem Kompass lassen sich Quellen ausfindig machen und mit Behältern an den Platz bringen.
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Feuer
Wohl dem, der kein Feuerzeug hat und trotzdem weiß, Feuer zu machen. Schließlich liefert es Wärme an kalten Nächten und ist für die Essenszubereitung nützlich. Wilde Tiere vertreibt es (hoffentlich) außerdem, wenn es welche gibt.
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Nahrung
Jagd und Nahrungsaufnahme ist das letzte Glied in der Survival-Kette, da der Mensch über mehrere Wochen ohne Nahrung auskommt. Denn bevor der Mensch verhungert, könnte er längst verdurstet oder erfroren sein.

Die wichtigsten Survival-Regeln in der Reihenfolge
Was lernt man in einem Survival-Camp?
Vorneweg: Es muss nicht gleich ein Hunger-Camp sein! Bei mir wurde das Essen größtenteils von den Guides organisiert, kleinere Snacks brachte ich mit. Wer natürlich hungern wollte, durfte das tun – doch meine Gruppe war so nicht drauf und ich auch nicht 🙂 Was wir aber in einzelnen Sessions gelernt haben war:
- Kriterien für einen geeigneten Schlafplatz.
- Knotenkunde: z. B. Palstek, Mastwurf, Rollstek (Pfadfinderknoten)
- Aufbau eines Tarps (ein Tarp ist lediglich eine rechteckige Plane aus Plastik – guggst Du) mit Holzheringen und Paracord-Seilen
- Aufbau eines Tarps mit Materialien aus dem Wald
- Quelle finden mit Karte und Kompass
- Filtern von Wasser mit 3 unterschiedlichen Möglichkeiten
- Abseilen an Steilhängen
- Bogenschießen
- Fallenbau (Schlagfalle) mit Säge und Beil und einem Stück Holz
- Brot backen und kochen am Feuer
- Kräuterkunde: Sammeln und zubereiten heimischer Kräuter aus der näheren Umgebung
Alles in allem ist das natürlich kein vollständiges Wissen, doch es ist genug für das erste Mal. Übrigens: Ein separater Blogpost folgt noch für Details.

Birkenrinde ist guter Zunder – sie brennt sogar feucht!

Mit Kompass und Karte zur Quelle navigieren

Diese leckere Knoblauchsrauke ist nicht nur in der Pfalz zu finden

Backen und Kochen am offenen Feuer
Für wen ist so ein Survival-Camp geeignet?
Ich bin geneigt zu behaupten: für jeden. Ein bisschen differenzieren möchte ich dennoch, denn vermutlich wäre meine Behauptung schnell revidiert, sobald sich jemand dafür nicht in der Lage sieht oder es schlichtweg körperlich nicht kann. Dennoch ist es wirklich, wirklich sehr einfach und so gut wie für jeden geeignet! Und damit auch der Spaß nicht zu kurz kommt, solltest Du natürlich wenig zimperlich sein, wenn gerade kein Bidet zur Stelle ist 😉 Apropos: In unserem Übungswald war eine kleines Holzhäuschen mit einem rudimentären Klo aufgebaut. Gewöhnungsbedürftig aber machbar! Also:
Du kannst einem Survival-Camp anmelden wenn…
- … Du zwischen 3 und 100 Jahre alt bist
- … Du eine normale, körperliche Fitness hast
- … Du neugierig und offen für außergewöhnliche Erfahrungen bist
- … Du es mal eine Nacht ohne zu Duschen aushältst
- … es Dir nichts ausmacht, wenn Deine Klamotten am nächsten Tag nach Rauch riechen 😉
- … Du auch mal ohne Strom leben kannst – und ohne Internet
- … Du es psychisch aushalten kannst, Nachts ohne Panik im dunklen Wald zu schlafen
- … Du Deine Angst überwinden möchtest
- … Du einfach mal wieder vom Alltag abschalten möchtest
Zimperlich darf man übrigens nicht sein: weder verfroren noch Desinfektionsfetischist. Überhaupt wirst Du unter dem Tarp jede Menge Erde, Tannennadeln und auch mal ein Tierchen entdecken. Das sollte man „abkönnen“! Und dennoch gibt es sie:
Sieben unschlagbare Gründe, an einem Survival-Training teilzunehmen
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Du überwindest Deine Ängste und wirst selbstsicherer
Eine Nacht im dunklen Wald… wem würde es da nicht mulmig im Magen werden? Dazu unheimliches Rascheln in den Büschen und unter den Blättern, der Gedanke an Käfer, Mäuse und anderem Kleingetier… Oder die Angst davor ausgesetzt zu sein und sich nicht zu helfen zu wissen: So ein Survival-Training stellt Dich vor Herausforderungen, die Du im Alltag niemals antreffen wirst – vermutlich. Es ist ein Mind-Opener, denn hier lernst du, was in dir steckt – vieles von dem, was wir uns vorstellen, ist gar nicht so schlimm. Kälte, Dunkelheit, Geräusche – gerade hier in Deutschland oder anderen nördlichen Teilen auf der Welt ist das Überleben mit etwas Training und guter Planung auch für Anfänger kein Problem – in anderen Ländern können sich Herausforderungen ändern. Hierzu mein Lesetipp: Frau überlebt durch Schlammpackung im „Outback“
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Du lernst Deine Grenzen kennen und entwickelst eigene Alternativen
Heuschrecken ausnehmen und essen. Hier ist meine Grenze: nicht nur, weil ich Vegetarierin bin, sondern weil ich Krabbeltiere nicht mag. Klar: in Notsituationen würde auch ich den Ekel überwinden, doch ein Training ist eben nur ein Training. Theoretisch weiß ich nun, wie man Heuschrecken ausnimmt und das reicht vollkommen. Übrigens ist dies nicht meine erste Grenzerfahrung, wenn es darum geht, Tiere zu töten. Auch beim Angeln in Norwegen stieß ich an meine Grenze. Doch dass es auch reichlich vegetarische und vegane Alternativen gibt, gibt Dir so ein Survival-Training auch mit an die Hand.
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Du lernst neue Hard-Skills, die Dir Sicherheit geben
Ich bin ja so abhängig vom Smartphone: navigieren konnte ich davor gar nicht anders. Doch was, wenn mal der Strom weg ist? Genauso beim Aufbau eines Tarps: ohne Knotenkenntnisse, keine Chance. Und wenn man mal einen steileren Hang runter muss, ist auch das ohne Abseil-Kenntnisse schwierig. Das sind echte Hard-Skills, die Dir da draußen in der Wildnis helfen können und vor allem eins geben: Sicherheit. Denn wer weiß, was zu tun ist, kann mutiger Abenteuer erleben und sie genießen. Dieses Wissen schenkt Dir das Selbstbewusstsein, das das Erlebnis zu einer wundervollen Erfahrung werden lässt!
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Du erweiterst Deinen Horizont und stärkst Deinen Charakter
Wer Extremsituationen (und sei es nur im Training) ausgesetzt wird und diese überwindet, kann durch sie wachsen. Gerade im Training in einem „geschützten Rahmen“ ist dies problemlos möglich, was ich persönlich sehr schätze. Ich brauche immer ein gutes Gefühl, wenn ich Neues ausprobiere, gerade auch wenn es für längere Zeit raus gehen soll. So ein Survival-Camp liefert wertvollen Input, der deine Grenzen absteckt und klar sagt, wo es gut ist und wo noch Nachholbedarf besteht. Dein Horizont wird unweigerlich erweitert und stärkt das eigene Bewusstsein – vielleicht für ein schwierigeres Abenteuer in nächster Zeit.
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Du lernst auf Dich und Deine Umwelt besser zu achten: Achtsamkeit ist überlebenswichtig
Nicht jeder Ort ist dafür geeignet, das Zelt aufzuschlagen: nicht überall ist es sicher, gibt es Nahrung und Schutz. Auf einem Survival-Training lernt man, auf sich und seine Umwelt zu achten: stehe ich vielleicht gerade mitten in einem Jagdrevier? Sind in diesem Gebiet außergewöhnlich viele Spuren von Wild? Kann ich hier sicher Feuer machen, ohne Katastrophen heraufzubeschwören? Aber auch das Achten auf sich selbst ist wichtig: trinke ich genug? Habe ich genug warme Kleidung an? Habe ich noch genügend körperliche und geistige Reserven?
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Im Training ist es leichter über seinen Schatten zu springen und auszuprobieren
Für mich war es vor dem Survival-Training kaum denkbar, dass ich mal in einem selbstgebauten Tarp aus Hölzern, Tannenzweigen und Moos schlafen werde. Dazu noch Anfang April, wo die Temperaturen nicht gerade sommerlich sind und Nachts gerade mal 3-4 Grad haben. Und zugegeben: vor dieser Nacht hatte ich so viel Respekt, dass ich mich das Wochenende davor mein Zelt im Garten aufschlug und dort schlief. Einfach nur, um mir die Angst vor der Kälte zu nehmen und vor dem Gefühl, nicht die Alternative zu haben, schnell zurück ins warme Bett zu schlüpfen.
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Du entdeckst das Kind in Dir
So ein Überlebenstraining macht einfach unglaublich viel Spaß: immerhin befindest du dich hier in einer gesicherten Übungssituation und hast Leute um Dich herum, die du mit Fragen löchern darfst und sollst. Das macht einerseits mutig und andererseits erhältst du schnelle und gute Ergebnisse. Erinnerungen an die eigene Kindheit werden wach, als wir Brot am Lagerfeuer machten und mit den gesammelten Kräutern verfeinerten. Der Aufbau des Waldtarps hat mir besonders viel Freude bereitet, denn es war, als würde ich eine kleine Höhle bauen, so wie früher. Als wir nach der Quelle im Wald suchten, fühlte ich mich in kindliche Versteckspiele im Wald zurückerinnert und natürlich geht nichts über Lagerfeuergespräche und das Üben mit Zunder und Schleifstein, um Feuer zu machen (was ich als Kind natürlich nicht durfte ;)). 24 Stunden reichen schon, dich in eine spielerische Welt zu entführen, die dich die Pflichten des Alltags vergessen lassen. Versprochen!

Mein selbstgebautes Tarp aus Waldmaterialien
Und jetzt Du!
Für mich war es vor ein paar Monaten schon ein größerer Schritt, mich einer Nacht im Wald zu stellen. Auf Camping-Plätzen campen hatte ich davor schon genug – aber so ganz wild? Das Training öffnete mir auch noch weitere Türen zu spannenden Themen: Backen und kochen am Feuer, Kräuterkunde, mit dem Kompass navigieren und mehr. Jetzt bin ich nicht nur für meine Mehrtagestour gerüstet, sondern habe weitere Interessensgebiete kennengelernt, die mich interessieren. Was ist mit Dir: Gehörst Du eher zur Fraktion „brauch ich nicht / kann ich schon?“, „würde mich interessieren aber trau´ mich nicht!“ oder „tolle Sache, das wird mein nächstes Ziel!“? Ich bin gespannt was Du kommentieren wirst 🙂
Hi Bianca,
Das klingt nach einer tollen Erfahrungen! Bei mir wurde da gerade mal wieder das „He, will ich auch mal machen!“ geweckt. Dein Schlafplatz war ja toll, ich erinnere mich, dass meine bessere Hälfte bei seinem Kurs nur eine Plane über sich hatte, mehr nicht. 😉 Auf jeden Fall nimmt man bestimmt sehr viel mit, mich würde es definitiv reizen.
Liebe Grüße
Cora
Hi Cora,
und ich glaube, es würde Dir auch sehr gefallen 😀 Danach kann ich aber für nichts garantieren! Es macht ein bisschen süchtig 😉
Liebe Grüße zurück,
Bianca
Hallo Bianca!
Survival-Camps waren für mich bisher ehrlich gesagt immer verbunden mit Menschen, die gerade in einer Midlifecrisis stecken, ansonsten aber selten in der Natur sind.
Möglicherweise haben aber an diesem Bild auch diverse Spielfilme, die dieses Thema aufgegriffen haben, ihren Anteil ?.
Dein Bericht darüber macht aber sogar mir Lust auf dieses Abenteuer, obwohl ich nicht die geborene Abenteurerin bin!
Dein Tannenzelt sieht jedenfalls sehr gemütlich aus.
Liebe Grüße
Carolin
Hallo Carolin,
ich kann Dich gut verstehen, bislang war das Thema auch gaaaanz weit weg von mir – bis ich mich eben für Dänemark anmeldete. Versuch´ mal so ein Survival-Training – das macht richtig, richtig Spaß und hat nichts mit Midlifecrisis zu tun. Im Gegenteil! 🙂
Liebe Grüße,
Bianca
Hi Bianca,
ich bin begeisterter Bushcraft, Survival und Outdoor Fan. Ich freue mich immer, dass mittlerweile viele dieses Hobby teilen.
Auch meine Freundin ist begeistert. Draußen an der frischen Luft kann man ganz einfach dem Alltagsstress entfliehen und man kann einfach mal den Kopf frei bekommen. Am liebsten Kochen wir nach einem langen Tag noch etwas draußen in der Natur, lauschen den Vögeln und entspannen ganz einfach eine runde unter dem Blätterdach des Waldes.
Liebe Grüße,
Gert
Toller Artikel, ich dachte bei so etwas auch immer eher an paranoide Prepper, die sich auf den Untergang vorbereiten. Ich bin kein geübter Camper oder Outdoormensch, möchte aber sehr gern mehr machen in dieser Richtung. So ein Training klingt gleichermaßen nach Herausforderung, Erholung und Lernen mit Spaß für mich. Wo kann man das machen, was sind da gute Anbieter?
Hallo Bianca,
ich habe im Frühjahr 2022 ein Vater-Kind-Wochenende, also zwei Nächte mit Kind draußen verbracht.
Im September habe ich dann meine Qualifizierung zum Wildnispädagogen begonnen.
Deine „Fünf“ Punkte zum Überleben eine gute Idee.
Achtsamkeit dazu zu nehmen.
Grenzen verschieben und die Komfortzone verlassen. Das ist es.
Gruß Dietmar
Hallo Dietmar,
danke für deinen Kommentar und ich freue mich, dass du das als Wildnispädagogen auch so siehst!
Viele Grüße
Bianca