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Der Jagdgalopp im Frühlingswald

Die Pferde schnaufen ordentlich. Der Weg war steil und offensichtlich genossen sie das Tempo – schließlich war so ein ausgedehnter Galopp im Winter selten möglich: zu glitschig, teils eisig war der Boden. Penny und Bobby erholen sich schnell – dann weitet sich der Weg und wir sehen ihn kurvig vor uns. Pennys Reitbeteiligung sieht mich an: „sollen wir nochmal galoppieren?“ „Klar!“ rief ich ihr zu, nicht gerade dran glaubend, dass mein Pferd es nochmal macht. Doch nach einem kurzen Trab gibt Penny Gas und galoppiert auf und davon – und Bobby hinterher.

Saarland im Sattel: Wanderritt im Grumbachtal

Im Sattel durch das Grumbachtal

Weltenwechsel

Schon auf der Hinfahrt zum Hof steigt mir der Frühlingsduft der Wiesen in die Nase und ich merke, wie der Kopf frei wird. Es ist vergleichbar mit einer anderen Welt, in die ich für ein paar Stunden eintauchen kann, als ich das Auto neben dem Heuboden parke und an den Ställen der Ziegen und Kühe vorbei gehe. An diesem Samstag verwöhnt die Sonne das Land mit ihren ersten, warmen Frühlingsstrahlen und ich bin lauter Vorfreude auf den heutigen Wanderritt.

Doch vor dem Vergnügen kommt zunächst Arbeit: es wird gemistet. Schließlich wollen auch die Pferde eine saubere Unterkunft und mir macht es nichts aus. Im Gegenteil: Die Arbeit auf diesem wunderbaren Bauernhof ist Ausgleich vom Büroalltag und gleichzeitig auch ein wenig Meditation. Es ist eben nie zu spät für eine glückliche Kindheit: Dreck, Pfützen, Tiere. Wie ich es liebe! Aber ich schweife ab.

Schmusen. Putzen. Satteln.

Bobby ist gut drauf. Mein schneeweißer Lieblingstinker und Pflegepferdchen ist zum Spielen aufgelegt als ich die Schubkarre absetze und das Gatter zum Paddock aufmache. Mit gespitzten Ohren kommt der Wallach auf mich zu und stupst mich an. Sanft umfasse ich seinen Kopf und lege meine Wange auf seine Stirn – unser Begrüßungsritual. „Hallo!“ Ich drehe mich um und begrüße meine Wanderreitbegleitung, die sich heute extra etwas mehr als sonst Zeit genommen hat, um den Ritt so richtig genießen zu können.

Bobby vor dem Wanderritt

Bobby vor dem Wanderritt

 

Die Arbeit ist schnell erledigt, die Pferde geputzt und gesattelt. Die Temperatur steigt stetig an und hat um die Uhrzeit schon längst den zweistelligen Bereich überschritten. Gut, dass wir uns eine Tour heraussuchten, die hauptsächlich durch den Wald führt: durch das noch dicke Winterfell würden Bobby und Penny sonst sicher noch mehr schwitzen. Trotzdem wird es heute keine ganze Tagestour, denn wir möchten die beiden erst für längere Strecken antrainieren.

Training für Wanderritte
Mit welchen Mitteln man einen Trainingsparcour selbst bauen kann, um das Pferd für Wanderritte fit zu machen, schildern Vroni und Steffen unter selbstgebauter Outdoor-Trainingsparcour.

 

Herbstlandschaft im frühen Frühling

Die Landschaft durch die wir reiten, sieht sehr nach Reittagen im Herbst aus: Laub und kahle Bäume zieren den Weg, auf dem Boden liegen vertrocknete Gräser. Nur die Sonne lässt erahnen, dass es Zeit für Frühling wird. Von Süden kommend wärmt sie die Pferde und uns – ein wunderbares Gefühl.

Bevor wir zu den unbefestigten Wegen kommen, traben wir locker ein Stück die asphaltierte Straße entlang. Sehr viel schneller geht auch nicht: Hunde und ihre Führer_innen kommen uns entgegen und genießen wie wir, den frühlingshaften Tag.

Lesetipp
Vorletztes Jahr bin ich eine ähnliche Strecke mit einem Bekannten geritten: Sommerlicher Waldritt im Ensheimer Gelösch

Freudengalopp!

Penny, die Hannoveraner-Stute, ist heute gut drauf und ziemlich fit. Ich schlage vor, uns später den steilen Anhang vorzunehmen, wo sie sich mal so richtig austoben kann – wenn sie möchte. Wir treiben die Pferde nie bis zum Äußersten und akzeptieren ihre Grenzen. Zumal dies wirklich ein gemütlicher Ritt werden soll – für alle Beteiligten.

Doch ganz so weit sind wir noch nicht: zunächst kommen wir endlich runter vom Asphalt und spazierenreiten an der Thalmühle entlang. Der Weg wird immer einsamer, bis wir bald keine Menschenseele mehr treffen. Nur der Wogbach begleitet uns zur rechten und untermalt plätschernd das Zwitschern der Vögel in den Baumwipfeln. Die Hufgeräusche geben den Takt vor und so trotten wir in naturmusikalischer Stimmung gemütlich durch den sonnendurchfluteten Wald.

Die Sonne scheint intensiver durch die nackten Bäume als wir an die Stelle kommen, wo wir im Galopp hoch wollen. Und der Spurt dauert auch nicht lange: Kaum sind wir auf dem Weg und geben den Pferden die Hilfen, verfallen sie in den fliegenden Viertakt, und galoppieren den immer steiler werdenden Hang hinauf. Bobby ist nicht ganz so schnell müde, wie ursprünglich erwartet, und seine dicken Beinchen hebt er fleißig über den Laubteppich. Wunderbar!

Zur Mitte der Galoppstrecke zweigt ein Weg ab, den wir nehmen: ihn hatten wir vor ein paar Monaten ausprobiert und uns an der späteren Gabelung fürchterlich verfranzt. Zunächst ritten wir links ab und landeten auf einem Weg, der, wäre dieser riesige Baumstamm nicht im Weg gewesen, uns nicht in eine Sackgasse geführt hätte. So aber mussten wir absteigen und die Pferde zwischen Bäume und über Stämme führen – ein sicher gutes Training, doch irgendwie war es trotzdem nicht das, was wir erhofften. Heute aber kennen wir den Weg besser.

Saarland im Sattel: Wanderritt im Grumbachtal

Vorfreude macht sich breit

 

Ich genieße den Ausblick ganz besonders: Märchenhaft legt sich der Weg vor uns, kurvenreich, mit Laub bedeckt und von der Sonne hell erleuchtet. „Wollen wir nochmal galoppieren?“ Ich prüfe den Boden und er sieht gut aus. „Klar! Ich hoffe nur, dass Bobby mitkommt. Ansonsten wartet einfach kurz vor der letzten Kurve.“ Gesagt. Gerannt: Pennys Hufe wirbeln mir Erde und Blätter ins Gesicht und das alte Mädchen zog ab wie ein junges Rennpferd. Auch Bobby springt vom gemütlichen Schritt gleich in den Galopp und hat dennoch Mühe, hinterher zu kommen. Ich lehne mich im Sattel vor, um es ihm einfacher zu machen und dann ist auch er nicht mehr zu bremsen. Wahnsinn! Wie im Rausch fegen wir den Waldweg entlang – JUCHUUHH! Doch der Blick nach vorne zeigt: Penny will es heute wissen und ist kaum noch zu bremsen. „Ob noch alles unter Kontrolle ist?“ frage ich mich in dem Moment, als auch Bobby noch mal einen Gang zulegt und um die Kurve fetzt. Doch die Sorge war unbegründet: wie verabredet warteten Pferd und Reiterin am verabredeten Ort und sind sichtlich außer Atem. Das war GROSSARTIG!

Absteigen. Pause mit Spieleinheit

Ich glaube, wenn Bobby könnte, würde er sich jetzt sein Winterfell ausziehen. Nassgeschwitzt steht er da, und vor ihm kannte ich bislang noch kein Pferd, das sichtbare Schweißtropfen an den Schläfen hatte, die es langsam das Gesicht herunterlaufen. Ich steige ab und lockere den Sattelgurt.

Saarland im Sattel: Wanderritt im Grumbachtal

Absteigen und pausieren

Wanderritt im Saarland

Den nächsten Kilometer laufen wir neben unseren Pferden her. Seit ich mit Bobby clicker, ist das Führen ganz vorzüglich geworden. Was hatte ich (und alle anderen) ständig Schwierigkeiten, ihn vom Fleck zu bekommen. Das ist jetzt anders und so viel besser.

Tipp: Pferd richtig führen mit Clickertraining
Die Herausforderung: Bobby blieb alle paar Meter einfach stehen. Druckaufbau und schneller Druckabbau, sobald er los lief, halfen nichts. Die Lösung brachte dann das Clickern: Bewaffnet mit geschnippelten Möhrenstücken wurde Bobby immer dann belohnt, wenn er brav und mit Abstand mit mir lief. Ich habe ihn damit nicht gelockt, sondern ihn in dem Verhalten des Laufens verstärkt. Sobald er anfing aufdringlich zu werden, wurde er mit Ignorieren „bestraft“. Das Clickern ist ein sehr einfaches Mittel, ihn mit Freude bei mir zu halten und sich flüssig führen zu lassen.

Wir steigen wieder auf als wir die Dorndorf Hütte erreichen: früher war hier ein kleines Wanderreitparadies mit Wirtschaft und Wiese für die Pferde, heute ist es nur noch Wirtschaft und Wiese. Ein Verbotsschild hindert uns daran, hier zu pausieren – drum ziehen wir weiter. Diese Strecke kennen wir gut: vorbei an weiten Feldern auf der linken und dem tiefen Wald auf der rechten, reiten wir den schmalen Waldpfad entlang bis zur Gabelung, dessen rechter Weg uns runter zum Weiher führt.

Saarland im Sattel: Wanderritt im Grumbachtal

Saarland im Sattel: Wanderritt im Grumbachtal

Vorbei am Fischweiher

Keine Menschenseele ist da, nur die Vögel, das Wasser, die Pferde und wir. Bobby ist schon längst tiefenentspannt und signalisiert durch seinen flotten Schritt, dass es ihn in den heimeligen Stall zieht. Kein Wunder: als Tinker im Wintermantel war der Ausflug körperlich eine kleine Leistung, auch wenn es nur die zwei Galoppstrecken waren. Das nächste Mal wird es schon besser, wenn das Fell sich nach dem Sommer richtet und die Muskulatur trainiert ist.

Der Rest des Weges ist gemütlich: als wir den Weiher hinter uns lassen, öffnet sich rechts ein weites Feld, das uns fast bis nach Hause begleitet. Wie immer steigen wir die letzten Meter ab und führen die Pferde – seelig und dankbar, um diese schönen Stunden mit diesen wundervollen Geschöpfen.

Karte: Wanderritt im Grumbachtal über die Dorndorfhütte

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