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Was wirklich zählt. Gedanken zum neuen Jahr. Und auch sonst.

Ich sitze hier im Wartezimmer des Winterklinikums, Abteilung für innere Medizin. In der Hand halte ich eine Zeitschrift und blättere solange unaufmerksam darin herum, bis mein Name aufgerufen und mir das Zimmer für die Sonographie zugewiesen wird. Es ist ungemütlich darin und wird auch nicht besser, als die Ärztin und ein Pfleger den Raum betreten. Mein Magen fühlt sich flau vor Aufregung an, obwohl ich mit den hohen Werten bereits seit über drei Jahren herumlaufe – vielleicht sogar länger. Damals konnte mir kein Arzt sagen, warum sie sind wie sie sind und wenn ich ehrlich bin, hatte ich das Problem irgendwann erfolgreich verdrängt. Doch nun bin ich hier und werde angewiesen, mich auf die Liege zu legen und mein T-Shirt ein Stück hochzuziehen. Die Stelle über der Leber wird mit einer transparenten Paste beschmiert und dann das Ultraschall angesetzt.

Was wirklich zählt

Die Diagnose

In dieser Position sehe ich den Bildschirm nicht, doch die Mimik der Ärztin wirkt ernst – nicht, was man in dieser Lage gerne sehen möchte. „Sie dürfen sich wieder setzen, Frau Gade.“ Ich tue wie geheißen, wische mir die Paste vom Köper und beobachte, wie sich die Ärztin und der Pfleger besorge Blicke zu werfen. „Wir haben Tumore gefunden, die wir stationär näher analysieren müssen.“ Da waren sie. Die Worte, die man niemals hören will. Auch den Pfleger und seine beschwichtigenden Sätze nahm ich kaum mehr wahr. In Trance lief ich zu meinem Wagen. Setzte mich hinter´s Steuer und ließ den Tränen freien lauf. Das war jetzt vor genau vier Jahren.

Achterbahn

Die sieben Tage bis zur stationären Untersuchung waren unerträglich. Ein Auf und Ab an Gefühlen, ein Nebensichstehen, das Aufsaugen jeglichen Teilchen Lebens und immer verbunden mit einer Ohnmacht, einem Nichtwahrhabenwollens, einer kurzweiligen Zuversicht und im nächsten Moment der Absturz derselbigen.

So eine Diagnose macht was mit einem. Plötzlich wird dir so manches bewusster, jede Minute nimmst du wahr als wäre es die letzte in deinem Leben. Nette Worte nehmen hohe Bedeutung ein, du liebst die Bewegung und überhaupt alles, was dein Körper zu spüren vermag, eine Umarmung oder ein Lächeln sind an solchen Tagen alles für dich. Materielle Dinge, Karriere und Verpflichtungen rücken weit nach hinten und du kannst einfach nicht glauben, dass sie einst so wichtig waren. Lächerlich! Die Gefühle fahren Achterbahn: von himmelhochjauchzend bis zu Tode getrübt überrennen dich die Emotionen als seien sie Wellen die dich am Strand von hinten erwischen und unter Wasser drücken.

Es ist eine Krankheit, die niemals ausbrach und hoffentlich auch nie wird.

Warum erzähle ich Dir das?

Morgen ist der Tag der guten Vorsätze. Als ich mich nach dieser und vielen weiteren Untersuchungen fragte, was ich wirklich im Leben will, da gab es nur eine Antwort: Ich wollte mehr Zeit. So schlug ich eine Gehaltserhöhung aus und entschied mich dafür Dinge zu tun, von denen ich an meinen letzten Tagen noch mit leuchtenden Augen erzählen werde. Und von denen ich Euch hier erzähle – und noch viele mehr. Alle Geschichten haben ihren Ursprung an jenem einen Tag im Krankenhaus. Das ist ein Teil meiner Lebensgeschichte die mich zu dem werden ließ, was ich heute bin.

Was ich Dir für das kommende Jahr mitgeben möchte ist: Wenn es einen guten Vorsatz geben kann, dann schenke Dir Zeit. Zeit für Deine Träume, Zeit für die Muse, Zeit, der Natur nahe zu sein und Zeit, um Dich über die vielen kleinen Dinge zu erfreuen, die tausendfach in Deinem Leben auftauchen. Und nimm sie dir JETZT. Und nicht erst, wenn es zu spät ist.

Dir und Deiner Familie alles Gute für 2018.

Bianca Name Handschrift

10 Kommentare
  1. 31. Dezember 2017
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