Leichte Aufregung macht sich breit, als ich kurz vor 16 Uhr am Bootshaus des S.K.C (Saarbrücker Kanu Club e. V.) eintraf. Es ist diese Art von Aufregung, die sich aus Vorfreude und Unwissenheit zusammenstellt – Unwissenheit darüber, was gleich mit mir passiert. „Bist du schon mal gepaddelt?“ fragte mich die Instruktorin und ich erzählte irgendwas von einer Tour im Doppel-Kajak und der Paddeltour im Kanu heute früh. „Hm. Normalerweise sollten die Teilnehmer schon Erfahrung mitbringen, sonst liegt man nur im Wasser und das macht keinen Spaß“, sagte sie und schaute skeptisch. Zugegeben, meine Überzeugung, das erste Mal in einem Solo-Kajak zu sitzen und gleich eine mehrstündige Tour mitzumachen, schwankt nun doch. Ist es ein Fehler, ohne Vorkenntnisse teilzunehmen? Egal. Ich habe zugesagt und nun wird man sehen, wie weit wir kommen. Ich will jetzt auf der Saar im Einer-Kajak paddeln. Punkt!
Tourenbeschreibung: von Frankreich bis Deutschland auf der Saar
Beitragsinhalt
Zunächst wurden am Treffpunkt beim Bootshaus alle Kajaks auf die Autos und in den Hänger geladen. Für mich hat Instruktor Dennis ein Solo-Kajak organisiert, dazu noch einen Helm, eine Spritzdecke (um das Wasser aus dem Kajak zu halten), einen Neoprenanzug, eine Schwimmweste und natürlich ein Paddel. Wir waren zu neunt und fuhren kurz darauf mitsamt der kompletten Ausrüstung an unsere End- und Ausstiegsstation ins französische Sarreinsming. Dort betrachteten wir das Wehr, vielleicht zwei Meter hoch und für mein Gefühl schon recht wildwasserartig 😀 Man kann es runter paddeln oder vorher aussteigen. Ich ließ die Entscheidung offen und hoffte auf eine mutige Eingebung.
Wir zogen weiter nach Wittring, zu unserem Einstiegspunkt. Zum ersten Mal lernte ich dort den logistischen Aufwand einer solchen Tour kennen:
- Alle Autos sind zusammen und jeder hilft beim Entladen der Boote
- Alle ziehen sich für die Tour um, also den Neoprenanzug, den Spritzschutz und auch eine Jacke an.
- Alle drei Autos fahren wieder zurück nach Sarreinsming, denn wir brauchen ja mindestens zwei, die die Boote am Ende wieder aufladen.
- Das dritte Auto (meins) fuhr ich mit anderen beiden Fahrer wieder nach Wittring.
Geht, oder? 😉
Es begann, wie es nicht beginnen sollte
Als alle soweit waren wurde es ernst und ich stand vor meinem ersten Adrenalinkick. Der Einstieg in Wittring war für mich als Anfänger recht holprig: kaum saß ich im Kajak, schon plumpste ich ins Wasser und das Boot schwamm davon. Na, das war ja schon mal ein super Auftakt. Prima! Ich hörte jemanden fluchen, die Situation zerrte an den ersten Nerven.

Einstieg in Wittring bei Strömung
Zwei Teilnehmer fingen das Boot ein und ich lief ihnen mit Dennis dem Instruktor am Ufer entgegen. Der zweite Versuch gelang, ich saß drin! Rechts und links von mir wurde ich von zwei erfahrenen Kanuten eingekeilt, die mich ins ruhigere Gewässer bringen sollten. Doch oh Schreck: Eine kurze Zeit schwommen wir rückwärts und übersahen einen richtig dicken Ast, der vom Ufer aus ins Wasser ragte. Unter ihm war kein Durchkommen und die Strömung war an dieser Stelle richtig gemein. Einer meiner Bodyguards war weggepaddelt und Carola hielt krampfhaft mein Kajak fest und überlegte scharf, wie sie mich aus dieser Situation befreien kann. Sie gab mir Anweisungen, wie ich mich richtig hinsetzen soll: Die Beine rechts und links an das Kajak pressen, das stabilisiert! Dann den Oberkörper immer nach vorne und nie nach hinten. Dann das nächste Unglück: Der 7-jährige Sohn des Instruktors verlor das Gleichgewicht und fiel ins Wasser – und kam direkt auf uns zu. Irgendwie schaffte er es, wieder ins Boot zu kommen, doch die Nerven waren jetzt zum Zerreißen gespannt. Es half aber alles nichts. Wir nahmen allen Mut zusammen: Carola drehte mich ein Stück und lies mich dann zuerst seitwärts, dann vorwärts in die Strömung paddeln. Und es klappte! Ich paddelte aus der Stelle heraus und wurde von zwei jungen Paddlern in die Mitte genommen. Nun sollte ich lernen, geradeaus zu paddeln…
Die ersten Paddel-Schritte
Links – rechts – links -rechts – rechts – RECHTS – REEEECHTSSS!!! Und schon drehte sich mein Kajak wieder. Verdammt. Wie immer sieht das bei allen anderen so einfach aus. Ich bat meine beiden Begleiter um Rat: Was kann ich besser machen? Erster Tipp war, dass ich das Paddel mit rechtem Winkel in der Armbeuge halten soll, um es gut in der Hand zu wissen. Dann nicht zu weit vom Kajak ansetzen, sonst dreht es sich zu schnell. Für mehr Fahrt nach vorne, sollte das Paddel nah am Kajak ins Wasser, doch zunächst war es besser, nicht zu viel Energie ins Paddeln zu stecken. Geradeaus fahren, das war das Ziel. Bei eventuellen Drehungen lässt es sich mit der anderen Paddelseite gegensteuern. „Dort, wo das Paddel im Wasser ist, dahin dreht sich das Kajak“ riet mir mein Begleiter. Eigentlich ganz einfach. Ich fing an die Theorie in Praxis umzusetzen und wurde immer sicherer. Ziel erreicht: Ich konnte geradeaus fahren! Zumindest die meiste Zeit 🙂
Ausstieg beim Kentern: Erste Übungen mit Spritzdecke
Die ganze Zeit paddelte ich, noch ohne die Spritzdecke über das Kajak gestülpt zu haben. Zu groß ist die Gefahr zu kentern und dann nicht zu wissen, wie man sich befreien kann, denn die Spritzdecke sitzt richtig fest am Boot. Genau das sollte sich nun an der Stelle bei Dieding ändern: Durch absichtliches Kentern sollte ich lernen, sich unter Wasser zu orientieren, die Nerven zu bewahren und in Ruhe die Spritzdecke vom Boot zu entfernen und aufzutauchen. Neben mir stand Dennis, der erfahrene Instruktor und passte auf mich auf. Die erste Übung war noch über Wasser und vermittelte mir zunächst ein Gefühl davon, mit wie viel Kraft ich an der Schlaufe der Spritzdecke ziehen musste, um sie abzukriegen. Und die war ganz schön schwer abzukriegen! Bei der zweiten Übung hielt ich die Schlaufe fest, als mich Dennis kenterte. Unter Wasser zog ich daran und tauchte auf. Das ging. Die nächste Übung war schwieriger: Ich sollte 5 Sekunden kopfüber unter Wasser die Hände auf das Kajak legen und dann erst die Schlaufe der Spritzdecke lösen. Auch das ging prima und ich erntete Lob. Super 🙂 Die letzte Übung sollte ich machen, ohne dass Dennis bei mir in der Nähe war. War easy. Somit hatte ich dann die offizielle Erlaubnis, die Spritzdecke zu nutzen 🙂

Übung: Mit Spritzdecke bei gekentertem Kajak aussteigen
Während ich also noch die Basics übte, surften die anderen schon auf der Welle – die ich da auch noch runter musste! Ich ließ mir meine Aufregung nicht anmerken, immerhin gab es dafür eigentlich auch gar keinen Grund: Unterhalb des Minifalls wartete nämlich schon meine persönliche Beschützerin auf der Tour, was mich wieder Mut fassen ließ. Langsam näherte ich mich dem Abgrund und schwups, war ich auch schon unten. HA! 🙂

Mut bewiesen und runter gepaddelt |Dennis Machwirth (c)
Eine dreiviertel Stunde später und nach einer eher anstrengenden Pause (ja, mich hatte es zwischenzeitlich auch noch mal aus dem Kajak geholt 😉 ), sind wir weiter gepaddelt – immer der Sonne entgegen. Auf dem Weg nach Sarreinsming lernte ich dann das Kehrwasser kennen, eine Strömung, die entgegengesetzt der eigentlichen Strömung verläuft und in der es sich gut pausieren bzw. parken lässt.

Gemütliches Paddeln auf der Saar | Dennis Machwirth (c)

Gemütliches Paddeln auf der Saar | Dennis Machwirth (c)
Eine letzte Herausforderung gab es für mich dann noch am Ende: Das Wehr in Sarreinsming. Immerhin geschätzt zwei Meter hoch und nicht überall gut befahrbar. Gut, dass ich unter guter Anleitung stand, sodass man mir die linke Seite des Wehrs zuwies. Man ließ mir aber auch die Option, auszusteigen… Doch das kam natürlich nicht in Frage und so nahm ich allen Mut zusammen und „stürzte“ mich das Wehr hinunter. Ein kurzer Freudenschrei verscheuchte alle Sorgen und ich kam wunderbar unten an. Was war das herrlich!

Geschafft! Ich bin das Wehr heruntergekommen | Dennis Machwirth (c)
Während die anderen Kanuten dann noch in dem Wehr ein bisschen spielten, bin ich samt Kajak ans Ufer und aus dem Wasser. So langsam merkte ich die Erschöpfung dann doch in den Knochen, vor allem die Muskeln im Rücken und in der Schulter meldeten eine ausreichende Trainingseinheit – aber nicht unangenehm. Wie ein Honigkuchenpferd war ich am Grinsen und auch, wenn ich nichts versprechen kann, doch ich denke, das wird nicht meine letzte Kajak-Tour gewesen sein. Übrigens: Wenn du auch Lust hast, beim Wildwasserfahren oder anderen Wassersportarten dabei zu sein, dann schau doch mal in den Terminkalender des Saarbrücker Kanu-Club e. V.!