Minus 10 Grad. Ich schaue ehrfürchtig auf das Display im Auto, höre Radio und summe mit zu Walk the Moon. Ob es nicht doch schon ZU kalt ist? Ein Auto kommt und parkt neben mir. Die Gedanken verfliegen, gute Laune macht sich breit und ich sehe, dass die Person hinter dem Steuer Frank ist, meine heutige Wanderbegleitung auf der Traumschleife. Wir begrüßen uns, checken das Kamera-Equipment und ziehen los – auf geisterhafte Spuren des Litermont-Sagenweg. Alle Infos zur Tour findest Du übrigens am Ende des Beitrags.

Woher hat der Litermont-Sagenweg seinen Namen?
Beitragsinhalt
Es ist ein sagenumwobener Weg, hier, im saarländischen Düppenweiler am Litermont. Die Morgensonne blitzt durch die Bäume und verscheucht für ein paar Stunden die haarigen Geister, Irrlichter und wilden Jäger, die des Nachts ihr Unwesen in den Sümpfen treiben. Hoffentlich. Frank ist es dennoch schaurig genug, erst recht als er nach dem Grund fragte, warum der Sagenweg, Sagenweg heißt.
Man sagt, dass Irrlichter des Nachts am Litermont ihr Unwesen trieben. Jene flackernden, blauen Gestalten gaben dem verirrten Wandernden vor, dass in unmittelbarer Nähe ein Haus oder Mensch sei. Der Wandernde war für immer in den Sümpfen verloren, wenn er diesem Licht folgte…
Auf unserer Wanderung weisen uns heute feste Stege und Brücken den Weg. Sie sind nurmehr eine Erinnerung von einst – doch man tut gut daran, von diesen Wegen nicht abzukommen.
Lesetipp: Nachtwanderung im Saarland: auf sagenhafte Spuren des Litermont
Start der Wanderung in eisiger Kälte
Es ist neun Uhr in der Früh als Frank und ich dem historischen Kupferbergwerk den Rücken kehren und damit unsere Wanderung starten. Die Kälte beißt sich durch die Hose und ich getraue mich kaum, meine Hände aus der Jackentasche zu nehmen. Richtige Handschuhe wären adäquat für die Wanderung, doch zum Fotografieren sind die fingerlosen einfach unschlagbar. Die Morgensonne steht tief und taucht alles in warmes Licht. Die erste Steigung lassen wir in Kürze bereits hinter uns als sich vor uns ein verschneiter Weg öffnet. Mannshohe Sträucher und noch höhere Bäume säumen glitzernd jene Allee: Eis hatte sich um jeden ihrer Äste umwickelt und lassen sie schwer und bezaubernd zugleich erscheinen. Eine wundervolle Einstimmung auf die kommende Strecke, auf der uns das Eis immer wieder eine verzauberte Landschaft malt.

Auf gute 370 Höhenmeter führt uns der verschneite Waldweg den Weltersberg hinauf, an dessen baumfreien Plätzen auch weite Ausblicke erlaubt sind. Das warme Sonnenlicht täuscht dabei: mich hat die Kälte ummantelt, gerade auch die Finger, die nicht mehr warm werden wollen. Mein Kinn vergrabe ich in das quietsch-grünes Halstuch, um gleichzeitig auch die Lippen mit meinem warmen Atem vor dem Einfrieren zu schützen. Auch das Sprechen fällt schon schwer. Glücklicherweise ist der Rest an mir schon gut warmgelaufen, alles andere muss die steigernde Temperatur bewältigen. Wir laufen nun bergab, hinunter zur „Vogel-Grät-Schlucht“.

Jede Minute in der Kälte ist dieser Anblick wert: Feinste Eisjuwelen, die sich in der frostigen Nacht um jedes Blatt und Grashalm legen, funkeln der Sonne entgegen und erstrahlen die vor uns auftauchende Lichtung auf ganz winterlich-märchenhafte Weise. Ob hinter der nächsten Ecke eine Fee sitzt? Oder eine Elfe? Es würde mich nicht wundern, gerade nicht hier, auf dem Litermont-Sagenweg. Dabei gibt es schlimmeres als Feen und Elfen, gerade des Nachts und gerade in Rauhnächten sollte man sich von diesem Wald besser fern halten – so die Sage:

Nach geschätzten acht oder neuen Kilometern wandern wir hinaus auf eine größere Lichtung, die zu dieser Tageszeit noch im Schatten liegt und nur die Baumwipfeln drumherum vom Schein der Sonne verwöhnt werden. Noch ein kurzer Waldabschnitt, dann eröffnet sich ein einzigartiges Panorama: Wiesen und Felder, so weit das Auge blicken kann. Wir lassen die Valentinuskapelle hinter uns und passieren das hier untergegangene Dorf Oberweiler samt ehemaliger Richtstätte. Eine schaurig schöne Vorstellung – oder doch nicht? Viele Bäche durchkreuzen unseren Wanderweg und lassen auch durch die Holzbrücken das Sumpfgebiet erahnen, durch welches wir gerade laufen. Die Gräser schimmern auf unserer heutigen Winterwanderung blass-grün und komponieren ein Landschaftsbild von seltener Schönheit; auf Zäune legte sich der Frost der letzten Nacht und improvisiert ein Deckchen aus feinsten Glaskristallen.

Auf dem Holzweg. Wunderbar.
Wir steigen wieder in den Wald ein, stets in Begleitung knirschender Geräusche, die der vereiste Waldboden wegen der Schritte von sich gibt. An den besonders dunklen Stellen hier, soll übrigens ein Schimmel ohne Kopf sein Unwesen treiben, so die Sage… Schließlich führt uns der von Moos bedeckte Waldabschnitt den Weg über weitere Holzstege, die bei wärmeren Jahreszeiten vor nassen Füße schützen würden. Heute sind die sumpfigen Abschnitte vorübergehend ausgetrocknet und sogar begehbar – wenn man es möchte. Ich möchte nicht, denn ich mag Brücken und Stege, und jene hier sind durch die winterliche Kulisse ganz besonders schön: um sie herum das helle Braun nackter Weiden und Hölzer, auf ihr der vereiste Schnee.

Farnwälder, Druidensteine und der wilde Jäger
Viele dieser Stege führen uns durch das Kondelerbachtal, bis zu jenem Ort, wo der wilde Maldix sein Unwesen treiben soll. Durch meterhohe Farnwälder folgen wir nun auf schmalen, erdigen Pfaden dem Bachlauf weiter bis zu einem verlassenen Steinbruch, der in seiner Wildheit an eine Mondlandschaft erinnert. Hier machen wir eine kurze Pause, trinken etwas und ich fülle meinen leeren Magen mit kalorienreichen Nüssen. Lecker. Währenddessen sehen wir uns um: über uns ragt ein riesiger Felsen empor, der sich als Druidenstein entpuppt. Hinter uns plätschert der teils vereiste Kondelerbach und umrahmt musikalisch die wilde Kulisse. Die Natur ist so besonders, dass der seltene Uhu sein Zuhause hier hat. Zurecht. Es ist atemberaubend.

Farnwälder entlang der Wanderung

Der Druidenstein am Litermont-Sagenweg
Geheimnisvoller Stollen voller Geschichte
Plötzlich entdecken wir auf der rechten Hand einen dunklen Eingang, der uns neugierig macht. Wir nähern uns ihm langsam. Jene Höhle entpuppt sich als ein Stollen, in dessen Tiefe wir uns ohne Taschenlampe nicht hinein trauen. Und selbst mit dem Licht des Smartphones ist es uns dann doch zu unheimlich… Verzaubert bestaune ich die Decke des Stollens, an dieser sich Tröpfchen gebildet haben und durch das Sonnenlicht wie winzige Juwelen am nackten Stein funkeln. Später soll ich erfahren, dass es sich hierbei um die Margarethenhöhle handelt, die im 2. Weltkrieg gebaut wurde.

Die Margarethenhöhle auf dem Litermont-Sagenweg
Die Zeit ist gegen uns
Wir müssen uns beeilen. Länger als geplant sind wir schon auf der Wanderung, die nicht länger als sechs Stunden dauern sollte. Das Licht der Sonne wird bereits wärmer und kündigt die baldige Dämmerung an. Doch lieber wollen wir uns etwas sputen als eine Abkürzung zu nehmen – wer weiß, was wir verpassen würden!?
Doch das ist einfacher gesagt als getan: schneebedeckter Wald, kahle Bäume und dazu eine untergehende Sonne lässt jedes Fotografenherz höher schlagen. Die Farben springen mich förmlich an und es ist schwer, nicht ständig die Kamera zu zücken. Darum wandern wir zügig voran und doch immer noch langsam genug, um die Natur um uns herum wahrnehmen zu können. Eine Stelle kommt mir dann plötzlich bekannt vor und ich erkenne, sie des Nachts schon einmal gewandert zu sein. Es geht teils an Stufen bergab, links daneben ein sicherer Handlauf. Hier: Ein letztes Bild, das dazu nicht mal etwas wird.
Wenige Minuten später sind Frank und ich wieder am Kupferbergwerk, um uns kurz darauf, froh und dankbar über diesen zauberhaften Tag, zu verabschieden.
Wanderkarte zur Wandertour
Fazit zum Litermont-Sagenweg
Seit ich im November 2016 auf der Nachwanderung, der Irrlichtertour war, liebe ich die Geschichten und Sagen rund um den Litermont. Seit November hatte ich mir versprochen, diesen Weg auch mal bei Tag zu gehen. Es war gut, dass wir früh los und den Sagenweg gegen den Uhrzeitgersinn gelaufen sind – ich würde es wieder so tun. Neben seinen Legenden bietet der Premiumwanderweg abwechslungsreiche Ausblicke, vielfältige Natur und eine natürliche Ruhe. Und ja: die Wanderung war anstrengend, aber die anstrengenden Teile beschränkten sich auf wenige kurze Abschnitte. Der Litermont-Sagenweg ist wunderbar zu gehen, auch im Winter nicht rutschig und für einen Tagesausflug optimal. Fazit: machen! 🙂
Vielen Dank Bianca für dieses schöne gemeinsame verwunschene Winter-Wandern auf der Traumschleife. Wenn die Feuchtgebietet nicht zugefroren sind und bei 25 sonnigen Grad ist das bestimmt auch eine wunderschöne Tour!
Ich Danke Dir für Deine Begleitung – es war wirklich ein ganz wunderbar! Im Sommer kann ich mir diese Tour auch sehr gut vorstellen, durch den Wald hat man auch viele Schatten, falls es doch mal wärmer ist 🙂
Hey Bianca,
ich liebe ja den Winter und Bilder von frostigen Landschaften und Eiskristallen mag ich besonders.Du hast da ganz tolle Bilder mit bei. Servus Oliver Huber
Hallo Oli,
vielen Dank für Dein Kompliment! Wandern im Winter ist landschaftlich ganz besonders schön – und wie ich auf Deinem Blog sehe, bist Du auch ein großer Fan davon. Da schaue ich mir Deine Berichte gerne mal näher an 🙂
Viele Grüße
Bianca
Hallo Bianca !
Irgendwann im Januar oder Februar hatten wir mal kurzen E-Mail-Kantokt. Ich versprach Dir, Dich mal, eventuell mit einer kleinen Gruppe, rund um den Litermont auch abseits der „Litermont-Gipfeltour“ sowie im Kupferbergwerk, natürlich auch in nicht offiziellen Stollen, zu führen. Aus Deinen Blogs heraus kann man ja erkennen, dass Dich auch unkoventionelle und zum Gruseln verführende Wege iteressieren. Bestimmt kann ich Dir damit dienen.
Unser Bergwerk ist wieder seit zwei Wochen geöffnet. Wenn Du möchtes und noch Interesse daran hastt, kannst Du mich ja mal kontaktieren. Ich jedenfalls würde mich freuen
Liebe Grüße Karl-Rudi Wilhelm