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Wilde Ritter und haarige Monster: schraurig-kalter Litermont Sagenweg

Minus 10 Grad. Ich schaue ehrfürchtig auf das Display im Auto, höre Radio und summe mit zu Walk the Moon. Ob es nicht doch schon ZU kalt ist? Ein Auto kommt und parkt neben mir. Die Gedanken verfliegen, gute Laune macht sich breit und ich sehe, dass die Person hinter dem Steuer Frank ist, meine heutige Wanderbegleitung auf der Traumschleife. Wir begrüßen uns, checken das Kamera-Equipment und ziehen los – auf geisterhafte Spuren des Litermont-Sagenweg. Alle Infos zur Tour findest Du übrigens am Ende des Beitrags.

Traumschleife Litermont-Sagenweg im Winter

 

Woher hat der Litermont-Sagenweg seinen Namen?

Es ist ein sagenumwobener Weg, hier, im saarländischen Düppenweiler am Litermont. Die Morgensonne blitzt durch die Bäume und verscheucht für ein paar Stunden die haarigen Geister, Irrlichter und wilden Jäger, die des Nachts ihr Unwesen in den Sümpfen treiben. Hoffentlich. Frank ist es dennoch schaurig genug, erst recht als er nach dem Grund fragte, warum der Sagenweg, Sagenweg heißt.

Man sagt, dass Irrlichter des Nachts am Litermont ihr Unwesen trieben. Jene flackernden, blauen Gestalten gaben dem verirrten Wandernden vor, dass in unmittelbarer Nähe ein Haus oder Mensch sei. Der Wandernde war für immer in den Sümpfen verloren, wenn er diesem Licht folgte…

Auf unserer Wanderung weisen uns heute feste Stege und Brücken den Weg. Sie sind nurmehr eine Erinnerung von einst – doch man tut gut daran, von diesen Wegen nicht abzukommen.

Man sagt, dass Irrlichter des Nachts am Litermont ihr Unwesen trieben. Jene flackernden, blauen Gestalten gaben dem verirrten Wandernden vor, dass in unmittelbarer Nähe ein Haus oder Mensch sei. Der Wandernde war für immer in den Sümpfen verloren, wenn er diesem Licht folgte… Auf unserer Wanderung weisen uns heute feste Stege und Brücken den Weg. Sie sind nurmehr eine Erinnerung von einst – doch man tut gut daran, von diesen Wegen nicht abzukommen. #visitsaarland #SaarlandimWinter #germany #Naturtankstelle #wandern #hiking #TNChustler #bandotodolist #instagoodmyphoto #justgoshoot #exploretocreate #peoplescreative #visualsoflife #passionpassport #worldtravelbook #travelblogger #outdoors #outdoor #europa #europe #instatravel #reisen #reise #viagem #viagar #outdoorblogger #nature #naturelover #illgrammers #nature_perfection

Ein von Bianca Gade (@lebedraussen) gepostetes Foto am

Lesetipp: Nachtwanderung im Saarland: auf sagenhafte Spuren des Litermont

Start der Wanderung in eisiger Kälte

Es ist neun Uhr in der Früh als Frank und ich dem historischen Kupferbergwerk den Rücken kehren und damit unsere Wanderung starten. Die Kälte beißt sich durch die Hose und ich getraue mich kaum, meine Hände aus der Jackentasche zu nehmen. Richtige Handschuhe wären adäquat für die Wanderung, doch zum Fotografieren sind die fingerlosen einfach unschlagbar. Die Morgensonne steht tief und taucht alles in warmes Licht. Die erste Steigung lassen wir in Kürze bereits hinter uns als sich vor uns ein verschneiter Weg öffnet. Mannshohe Sträucher und noch höhere Bäume säumen glitzernd jene Allee: Eis hatte sich um jeden ihrer Äste umwickelt und lassen sie schwer und bezaubernd zugleich erscheinen. Eine wundervolle Einstimmung auf die kommende Strecke, auf der uns das Eis immer wieder eine verzauberte Landschaft malt.

Eis ummantelt den Ast am Litermont

Auf gute 370 Höhenmeter führt uns der verschneite Waldweg den Weltersberg hinauf, an dessen baumfreien Plätzen auch weite Ausblicke erlaubt sind. Das warme Sonnenlicht täuscht dabei: mich hat die Kälte ummantelt, gerade auch die Finger, die nicht mehr warm werden wollen. Mein Kinn vergrabe ich in das quietsch-grünes Halstuch, um gleichzeitig auch die Lippen mit meinem warmen Atem vor dem Einfrieren zu schützen. Auch das Sprechen fällt schon schwer. Glücklicherweise ist der Rest an mir schon gut warmgelaufen, alles andere muss die steigernde Temperatur bewältigen. Wir laufen nun bergab, hinunter zur „Vogel-Grät-Schlucht“.

Feenwald am Litermont bei Beckingen

Jede Minute in der Kälte ist dieser Anblick wert: Feinste Eisjuwelen, die sich in der frostigen Nacht um jedes Blatt und Grashalm legen, funkeln der Sonne entgegen und erstrahlen die vor uns auftauchende Lichtung auf ganz winterlich-märchenhafte Weise. Ob hinter der nächsten Ecke eine Fee sitzt? Oder eine Elfe? Es würde mich nicht wundern, gerade nicht hier, auf dem Litermont-Sagenweg. Dabei gibt es schlimmeres als Feen und Elfen, gerade des Nachts und gerade in Rauhnächten sollte man sich von diesem Wald besser fern halten – so die Sage:

Die Legende vom wilden Reiter / Ritter Maldix
Ritter Maldix, Sohn Margaretes vom Litermont, war ein wilder Jäger. Im Jahr 1429 wollte er am heiligen Karfreitag in den frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang eine Treibjagd im Nalbacher Herrenwald veranstalten. Er entdeckte einen großen weißen Hirsch und hetzte ihn durch den Wald auf den Litermont. An einer Schlucht konnte Ritter Maldix sein Pferd nicht mehr zügeln und stürzte in den Tod. Im Sturmwind hört man Maldix noch heute durch das Nalbacher Tal brausen. (Wikipedia)

Märchenhafte Lichtung am Litermont

Nach geschätzten acht oder neuen Kilometern wandern wir hinaus auf eine größere Lichtung, die zu dieser Tageszeit noch im Schatten liegt und nur die Baumwipfeln drumherum vom Schein der Sonne verwöhnt werden. Noch ein kurzer Waldabschnitt, dann eröffnet sich ein einzigartiges Panorama: Wiesen und Felder, so weit das Auge blicken kann. Wir lassen die Valentinuskapelle hinter uns und passieren das hier untergegangene Dorf Oberweiler samt ehemaliger Richtstätte. Eine schaurig schöne Vorstellung – oder doch nicht? Viele Bäche durchkreuzen unseren Wanderweg und lassen auch durch die Holzbrücken das Sumpfgebiet erahnen, durch welches wir gerade laufen. Die Gräser schimmern auf unserer heutigen Winterwanderung blass-grün und komponieren ein Landschaftsbild von seltener Schönheit; auf Zäune legte sich der Frost der letzten Nacht und improvisiert ein Deckchen aus feinsten Glaskristallen.

Einsamer Baum auf dem Litermont-Sagenweg Panorama und Aussicht auf der Wanderung rund um Düppenweiler Kuhweiden bei Düppenweiler auf dem Litermont-Sagenweg Eis wie feinste Glasscherben: Winterwandern im Saarland

Auf dem Holzweg. Wunderbar.

Wir steigen wieder in den Wald ein, stets in Begleitung knirschender Geräusche, die der vereiste Waldboden wegen der Schritte von sich gibt. An den besonders dunklen Stellen hier, soll übrigens ein Schimmel ohne Kopf sein Unwesen treiben, so die Sage… Schließlich führt uns der von Moos bedeckte Waldabschnitt den Weg über weitere Holzstege, die bei wärmeren Jahreszeiten vor nassen Füße schützen würden. Heute sind die sumpfigen Abschnitte vorübergehend ausgetrocknet und sogar begehbar – wenn man es möchte. Ich möchte nicht, denn ich mag Brücken und Stege, und jene hier sind durch die winterliche Kulisse ganz besonders schön: um sie herum das helle Braun nackter Weiden und Hölzer, auf ihr der vereiste Schnee.

Typisch für den Litermot-Sagenweg: Es gibt viele Holzstege und Brücken Holzstege über saarländischem Sumpfgebiet Brücken und Stege über Sumpfgebiet am Litermont

Farnwälder, Druidensteine und der wilde Jäger

Viele dieser Stege führen uns durch das Kondelerbachtal, bis zu jenem Ort, wo der wilde Maldix sein Unwesen treiben soll. Durch meterhohe Farnwälder folgen wir nun auf schmalen, erdigen Pfaden dem Bachlauf weiter bis zu einem verlassenen Steinbruch, der in seiner Wildheit an eine Mondlandschaft erinnert. Hier machen wir eine kurze Pause, trinken etwas und ich fülle meinen leeren Magen mit kalorienreichen Nüssen. Lecker. Währenddessen sehen wir uns um: über uns ragt ein riesiger Felsen empor, der sich als Druidenstein entpuppt. Hinter uns plätschert der teils vereiste Kondelerbach und umrahmt musikalisch die wilde Kulisse. Die Natur ist so besonders, dass der seltene Uhu sein Zuhause hier hat. Zurecht. Es ist atemberaubend.

Farnwälder entlang der Wanderung

Farnwälder entlang der Wanderung

Druidenstein am Litermont-Sagenweg

Der Druidenstein am Litermont-Sagenweg

Geheimnisvoller Stollen voller Geschichte

Plötzlich entdecken wir auf der rechten Hand einen dunklen Eingang, der uns neugierig macht. Wir nähern uns ihm langsam. Jene Höhle entpuppt sich als ein Stollen, in dessen Tiefe wir uns ohne Taschenlampe nicht hinein trauen. Und selbst mit dem Licht des Smartphones ist es uns dann doch zu unheimlich… Verzaubert bestaune ich die Decke des Stollens, an dieser sich Tröpfchen gebildet haben und durch das Sonnenlicht wie winzige Juwelen am nackten Stein funkeln. Später soll ich erfahren, dass es sich hierbei um die Margarethenhöhle handelt, die im 2. Weltkrieg gebaut wurde.

Die Margarethenhöhle auf dem Litermont-Sagenweg

Die Margarethenhöhle auf dem Litermont-Sagenweg

Die Zeit ist gegen uns

Wir müssen uns beeilen. Länger als geplant sind wir schon auf der Wanderung, die nicht länger als sechs Stunden dauern sollte. Das Licht der Sonne wird bereits wärmer und kündigt die baldige Dämmerung an. Doch lieber wollen wir uns etwas sputen als eine Abkürzung zu nehmen – wer weiß, was wir verpassen würden!?

Doch das ist einfacher gesagt als getan: schneebedeckter Wald, kahle Bäume und dazu eine untergehende Sonne lässt jedes Fotografenherz höher schlagen. Die Farben springen mich förmlich an und es ist schwer, nicht ständig die Kamera zu zücken. Darum wandern wir zügig voran und doch immer noch langsam genug, um die Natur um uns herum wahrnehmen zu können. Eine Stelle kommt mir dann plötzlich bekannt vor und ich erkenne, sie des Nachts schon einmal gewandert zu sein. Es geht teils an Stufen bergab, links daneben ein sicherer Handlauf. Hier: Ein letztes Bild, das dazu nicht mal etwas wird.

Wenige Minuten später sind Frank und ich wieder am Kupferbergwerk, um uns kurz darauf, froh und dankbar über diesen zauberhaften Tag, zu verabschieden.

Wanderkarte zur Wandertour

Fazit zum Litermont-Sagenweg

Seit ich im November 2016 auf der Nachwanderung, der Irrlichtertour war, liebe ich die Geschichten und Sagen rund um den Litermont. Seit November hatte ich mir versprochen, diesen Weg auch mal bei Tag zu gehen. Es war gut, dass wir früh los und den Sagenweg gegen den Uhrzeitgersinn gelaufen sind – ich würde es wieder so tun. Neben seinen Legenden bietet der Premiumwanderweg abwechslungsreiche Ausblicke, vielfältige Natur und eine natürliche Ruhe. Und ja: die Wanderung war anstrengend, aber die anstrengenden Teile beschränkten sich auf wenige kurze Abschnitte. Der Litermont-Sagenweg ist wunderbar zu gehen, auch im Winter nicht rutschig und für einen Tagesausflug optimal. Fazit: machen! 🙂

Alle Infos zur Tour

Wandertour: Traumschleife Litermont-Sagenweg

Wanderzeitraum: 6. Januar 2017

  • Art: Rundweg, Panoramaweg, Traumschleife
  • Startpunkt: Historisches Kupferbergwerg, Düppenweiler [Google-Maps]
  • Länge: 17,5 km
  • Höhenmeter: ➚ 460m | ➘ 460 m
  • gebrauchte Zeit (ohne Pause): 04:12 h
  • Schwierigkeit: mittel
  • Wanderkarte mit GPS Track und Bildern: Komoot: Traumschleife Litermont-Sagenweg

Bewertung (max. 5 Sterne)

  • Beschilderung⋆⋆⋆⋆⋆
  • Naturerlebnis⋆⋆⋆⋆⋆
  • Einsamkeit: ⋆⋆⋆⋆⋆

Alle Infos zur Tour: Urlaub im Saarland: Traumschleife Wildnis-Trail in Weiskirchen 

Willst Du noch mehr Winterwandern?
Eine Auflistung der schönsten saarländischen Wandertouren findest Du hier.
5 Kommentare
  1. 5. Februar 2017
    • 5. Februar 2017
  2. 5. Februar 2017
    • 5. Februar 2017
  3. 16. April 2017

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