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Nachtwanderung im Saarland: auf sagenhaften Spuren des Litermont

Sie flackern geheimnisvoll. Das Irrlicht trügt dem Wandernden vor, er wäre wahlweise einem Menschen mit einer Laterne oder einem beleuchteten Gebäude nah. Trügerisch begibt sich dieser hin zu diesem Licht und erkennt die Gefahr zu spät, wenn dieses arglistige Wesen ihn in den Abgrund des Sumpfes und damit in den sicheren Tod führt…

Litermont-Sagenweg

Auf den mystischen Pfaden der Irrlichter

Es ist Winter im Saarland. Die Nacht des 25. Novembers 2016 bricht über Düppenweiler herein, dessen malerische Dorfkulisse durch die Straßenlaternen in ein warmes Licht getaucht wird. Etwas abseits stehe ich da, dick eingepackt in meine Jacke, eine wärmende Wollmütze auf dem Kopf, den Schal um den Hals, meine Hände tief in den Taschen vergraben, und beobachte das Geschehen auf dem Dorfplatz. Immer mehr Menschen versammeln sich, rund 30 oder 35 schätze ich. Es ist 17 Uhr, als wir herzlich zur Irrlichter Tour auf einem Teilstück des Litermont-Sagenweg empfangen und mit der Entstehungsgeschichte jener und weiterer Sagen dieses Premiumweges, eingestimmt werden.

Lesetipp: Rio – Nachtwanderung auf den Pedra Bonita

Treffen zur Irrlichter-Tour

Treffen zur Irrlichter-Tour auf dem Litermont-Sagenweg

Start der winterlichen Nachtwanderung

Die Dunkelheit bricht schnell herein als wir uns auf den Weg machen, vorbei am Friedhof und nur wenige Schritte weiter, in den tiefen, von Dunkelheit durchzogenen Wald. Ich setze meine Stirnlampe auf, denn ab jetzt ist der Boden unter mir nicht mehr zu erkennen. Gemächlich gewöhnen sich meine Augen an die Dunkelheit, die allein nur durch den Lichtpegel unterbrochen wird. Wie in einem unendlich großem Tunnel erscheint die Atmosphäre, begleitet von Geräuschen, die man bei Tageslicht kaum wahrzunehmen scheint – oder anders. Sehr anders.

Friedhof Litermont-Sagenweg

Friedhof in Düppenweiler und dezente Einstimmung auf die Irrlichter-Tour

Sagenhafter Premiumwanderweg mit keltischer Geschichte

Der Litermont-Sagenweg bietet sich gerade für eine Nachtwanderung besonders an. Die dunkle Jahreszeit liefert dem Volksglauben haarige Gespenster, Spukgeister und tote Kinderseelen, die überall ihr Unwesen treiben. Auch in den Lüften gibt es Angst und Schrecken: die wilde Jagd sät Furcht in der Bevölkerung, wodurch jene gruseligen Sagen hervorkamen – so wie die vom Ritter Maldix.

Die Sage von Ritter Maldix vom Litermont
So sagt man dem wilden Jäger nach, dass er samt Gefolge hinter Mensch und Tier herjagt und versucht ihnen zu schaden. Die wohl berühmteste saarländische Sage des wilden Jägers, ist die des Anführer des Geisterheeres, vom wilden Jäger und Ritter Maldix vom Litermont. Jener Jäger soll zu Lebzeiten seiner Mutter Margarete durch seine schorfe und böse Art, viel Sorge bereitet haben. Maldix entschloss sich eines Tages, eine wilde Treibjagt im Nalbacher Herrenwald zu veranstalten und traf dort auf einen großen Hirschen. Jenen scheuchte er hoch zum Litermont, wo anschließend sein Pferd scheute und mit ihm in den (Teufels)Schlund stürzte. Der Hirsch ward seitdem nie mehr gesehen und man sagt, dass man in Rauhnächten, Maldix noch heute, samt Hundegebell, auf seiner Treibjagt hören könne.

Wegweiser Litermont-Sagenweg

Über ein nachgebildetes Hügelgrab, dessen echtes, durch die Kelten wegen ihres Vampirglaubens abgedeckt wurde, ging es hoch zur Merchinger Muschelsteinplatte. Es wird erklärt, dass wir von hier aus eine Abkürzung nehmen müssen, die uns noch ein Stückchen weiter bergauf führt. Die Landschaft verändert sich stetig: von Bäumen bis zur offenen Landschaft ist alles dabei. Es dauert nicht sehr lange, bis wir nach einigen Höhenmetern schließlich das Ziel dieses besonderen Sagenweg erreichten: Den Litermont Gipfel mit seinem Kreuz. Von hier oben genießen wir einen atemberaubenden Ausblick auf das Prims- und Saartal bis weit nach Frankreich.

Ausblick bei Nacht Litermont-Sagenweg

Ausblick über das Prims- und Saartal bis weit nach Frankreich.

Gipfelkreuz Litermont-Sagenweg

Das Gipfelkreuz des Litermont

Eine romantische Besonderheit gibt es neben dem Gipfelkreuz zu bestaunen: Es ist der 7 Meter hohe Weidendom, der in dieser Nacht seinen mystischen Charakter voll entfaltet. Des Tags wird er gerne von Brautpaaren zur Trauung im Freien genutzt – in meiner Fantasie entfaltet jene Stätte in dieser Dunkelheit einen magischen Ort, der auch für kultische Zeremonien sicher nicht abgeneigt sein könnte…

Pilze Litermont-Sagenweg

Nahe des Weidendoms: Große Pilze aus Holz, dessen Bedeutung ich bis heute nicht kenne.

Stück für Stück wandern wir weiter durch die Dunkelheit des Waldes, dessen Boden von Wurzeln durchzogen sind und unsere Schritte weich abfedern. Vorbei an magisch wirkenden Holzskulpturen erreichen wir ein weiteres Highlights auf dieser Tour: einen Durchgang durch einen saarländischen Stollen. Eine kleine Treppe mit Holzgeländer geht direkt am Huthaus auf einen Pfad, der zunächst zum Übertagegelände des Besucherbergwerkes führt und uns dann weiter zum historischen Kupferbergwerk von Düppenweiler leitet.

Das Kupferbergwerk leutet für uns das baldige Ende der Wanderung ein. Ich lasse mich etwas von der Gruppe zurückfallen und genieße die dunkle Ruhe um mich, die nur noch vom Rauschen der vertrockneten Blätter und vom Knacken der Äste im Wald unterbrochen wird. Was da knackt, lässt sich nur erahnen, meine Füße sind es jedenfalls nicht…

Mit schnellen Schritten laufen wir den befestigten Weg über ein Feld entlang, der zum Ende hin steil abwärts und zurück nach Düppenweiler führt. Am Marktplatz verteilen wir uns schlussendlich – manche machen sich auf den Heimweg, andere zum gehen zum gemütlichen Abendessen in die nahe gelegenen Gaststätte.

Alle Infos zur Irrlichter-Tour

Wanderweg komplett: Traumschleife Litermont-Sagenweg
Länge: ca. 10 km
Dauer: ca. 3 Stunden (von 17 bis 20 Uhr)
Schwere: mittel. Es geht zwei-, dreimal etwas steiler bergauf.
Kosten: keine
Treffpunkt: Dorfplatz Düppenweiler.
Anmeldung: Tel. +49 (0)6835/55-102 oder 55-105
Veranstalter: Gemeinde Beckingen
Nicht vergessen: Festes Schuhwerk, passende Kleider sowie eine Taschen- oder Kopflampe.
Wissenswertes: Sagen und Geschichte zum Litermont

11 Kommentare
  1. 12. Dezember 2016
    • 12. Dezember 2016
  2. 12. Dezember 2016
  3. 13. Dezember 2016
  4. 24. Januar 2017
    • 24. Januar 2017
  5. 25. Januar 2017
    • 25. Januar 2017
  6. 25. Januar 2017
  7. 16. April 2017

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