Unbedeutend. Unbedeutend ist das exakte Gefühl, das mich neben diesen Felsen überkommt. Ehrfurcht ist ein weiteres, denn genau die packt mich gerade als ich begreife, welch Schönheit, Unendlichkeit und Einzigartigkeit diese Sehenswürdigkeit auszeichnet. Meine Wanderschuhe gehen auf feuchtem Laub und weichem Waldboden, über den auf den Felsen wachsenden Bäumen blitzt die Sonne hindurch und lässt den teilweise einsetzenden Regen wie Glasperlen auf den gigantischen Wänden glitzern. Fast unwirklich lässt das Wetter die Landschaft wirken, doch der Schein trügt: leibhaftig wandere ich auf dem Mullerthal Trail in Luxemburg, auch „kleine, Luxemburger Schweiz“ genannt. Atemberaubend.
Luxemburg, Du überrascht mich
Beitragsinhalt
- Luxemburg, Du überrascht mich
- Treffen am Camping Martbusch in Berdorf
- Sehenswürdigkeiten auf dem B2 in Luxemburg
- Die kalte Hölle
- Der schwarze Schlund der Räuberhöhle
- Entstehungsgeschichte der Landschaft des Mullerthals
- Klettern auf dem Mullerthal Trail
- Im Labyrinth der Felsen: Das Siewenschlüff
- Rückweg zum Camping Martbusch
- Wanderkarte B2 für Dein Smartphone
- Alles was Du für das Abenteuer auf dem B2 in Luxemburg brauchst
Bis vor einem guten Jahr war Luxemburg für mich zunächst kein Urlaubsziel, das auf meiner Wunschliste stand. Zu wenig bekannt waren mir die Möglichkeiten, dieses Land mit seiner Natur zu erleben, zu lange dachte ich bei Luxemburg zunächst an Steueroase, billigen Kaffee und Benzin. Und da mich Städte nicht reizen, sah ich lange keinen Anreiz, mich mit Luxemburg zu beschäftigen. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich im Netz zum Mullerthal Trail las und vor allem, die Bilder von dort sah.
Es ist eine von drei Wanderungen, die ich in den nächsten vier Tagen meines Aufenthaltes in Luxemburg gehe. Nicht so lange wie die drei Rundwanderwege des kompletten Mullerthal Trails, sondern solche, die (größtenteils) von jedermann begangen werden können – denn auch davon gibt es einige. Der erste von ihnen heißt sehr schlicht einfach nur „Tour B2“, umfasst ca. 5 km und ist für Menschen mit guter Trittfestigkeit und normaler Grundkondition ein märchenhafter Einstieg, von den bizarren Felsformationen eine gute Ladung zu erleben.
Treffen am Camping Martbusch in Berdorf
Als Jonny von Daisy The Bus auf unsere Wandertruppe stößt, ist es bereits 14 Uhr vorbei. Nach einem opulenten Mal im nahe gelegenen Restaurant, wollen wir bei launischem Wetter die berühmten Felsformationen des Mullerthal Trails besuchen – zumindest einen Teil dessen. Der Eingang zu dieser Sehenswürdigkeit liegt für uns bei dem beschaulichen Örtchen Berdorf, wo ich mit Claudia von My adventures across the world vereinbare, unseren ersten, gemeinsamen Glamping-Abend unseres Lebens, mit einem Glas Rotwein ausklingen zu lassen.

Diese bizarre Felsen sind in über 200 Millionen Jahren entstanden.
Sehenswürdigkeiten auf dem B2 in Luxemburg
Wir steigen in den Trail ein uns folgen dem Schild, das die Highlights Raiberhiel (Räuberhöhle), Siewenschleff und Kasselt anzeigt. Alle sind guter Dinge und ich unglaublich neugierig darüber, was mich gleich erwartet. Der Weg über eine Holzbrücke lässt mich aufblicken, denn sie bezeichnet einen Eingang zwischen den ersten, meterhohen Felsen. Die Höhe zu schätzen ist mir unmöglich, 20 oder 30 Meter sind es vermutlich, durch die wir mit offenem Mund und Augen durchgehen. Es ist absolut ruhig hier, bis auf das Vogelgezwitscher und unsere Schritte, ist es nahezu still. Die Luft ist schwül, der Pflanzenduft schwingt durch die Feuchtigkeit überall mit und dann ist da noch was: ich habe noch nie so ein grünes Grün gesehen – die Blätter der teils riesigen Bäume sind farblich sehr ausgeprägt und stechen schon fast künstlich ins Auge. Märchenhaft!

Holzbrücke am Einstieg in den B2
Wir wandern staunend weiter und erreichen am Ende dieser „Felsenallee“ einen mystischen Ort: Umrahmt von Bäumen und Felsen mit einer Mischung aus dem kräftigen Grün und einem dunklen Braun schlängelt sich der Weg weich an den Felsen entlang und zeichnet zarte Pfade, an deren Ende uns die berühmte Teufelsinsel oder auch das Roitsbach-Plateau erwartet. Im Vergleich zu den Felsen ein bisschen eintönig, wenn Ihr mich fragt, dennoch von Vielen als absolut empfehlenswert bewertet. Macht Euch einfach selbst ein Bild 😉 Kurz darauf befinden wir uns direkt auf dem Weg zur Hölle, eine Höhle, die offen für neugierige und angstfreie Wanderer sind. Nicht alle wagen sich hinein, doch Jonny, der die Hölle bereits kennt, macht Mut und geht vor.

Wie alt dieser Baum wohl schon ist?

Von Felswänden eingerahmt

Schöne Aussicht auf der Teufelsinsel aber im Vergleich zu den Felsen – naja 😉

Nicht weit entfernt von der Teufelsinsel, wandern wir durch diese bizarre Felslandschaft

Geht man in ein Labyrinth, hat man den Blick aus engen Felsspalten hinaus.
Die kalte Hölle
Eine kalte Hölle ist das hier und stockfinster… Vorsichtig mache ich einen Schritt nach dem anderen, während meine linke Hand die Wand neben mir entlang tastet und ich in der rechten mein Smartphone mit eingeschalteter Taschenlampenfunktion halte. Nach wenigen Metern kommen wir an einen großen Felsen, der uns den Weg versperrt. Hier heißt es: entweder wir klettern drüber oder kriechen durch eine Spalte daneben vorbei – in völliger Dunkelheit, versteht sich. Ich fluche, dass ich meine Stirnlampe Zuhause vergessen habe; aber wer konnte denn ahnen, dass wir in eine echte Höhle gehen?! Jonny und ich entscheiden uns fürs Klettern und steigen wagemutig den Felsen hinauf, um anschließend in ein weiteres, schwarzes Loch zu blicken. Dann verlässt mich der Mut und ich blicke meinem Weggefährten hinterher, der mir mehrmals versichert, dass das Weitergehen kein Problem sei – doch vergeblich. Für mich ist das eindeutig genug Gänsehauterlebnis 😀
Der schwarze Schlund der Räuberhöhle
Nichtsahnend, dass die Hölle nur der Vorgeschmack der nächsten Attraktion ist, wandern wir mit innerer Leichtigkeit weiter. Es fängt an zu nieseln und zeitgleich schimmert die Sonne glitzernd auf das nasse Laub. Ich vergrabe meine Kamera unter meiner Jacke, denn ich habe es immer noch nicht geschafft, mir eine mit Wasserspritzschutz zu kaufen. Aber kommt Zeit, kommt Outdoor-Kamera. Doch jetzt kommt erstmal ein tiefer, schwarzer Schlund: die Räuberhöhle.
Eine Steigleiter weißt den Weg in die dunkle Tiefe, diesmal ist Sandy mit mir auf Entdeckungstour. Tapfer geht sie vor und verschwindet wenig später in der Dunkelheit. Ich schlucke. Soll ich da wirklich rein? Ein kurzes Luftholen, dann wage ich es: Schritt für Schritt geht es abwärts, nicht wissend, wie lange und wohin mich diese Steigleiter führt. Unten treffe ich Sandy wieder und bin fröhlich. Geschafft! Eine weitere, etwas kürzere Steigleiter empfängt uns wenige Meter weiter, und von jetzt an ist der Abstieg nur noch halb so schlimm – bzw. gar nicht. Am Boden begegnet uns jetzt sogar Tageslicht. Tageslicht? Mitten in einer Höhle? Wie kann das sein? Ich muss mich tief bücken, sogar meinen Wanderrucksack kurzzeitig abnehmen, denn die Decke kommt immer tiefer und zwingt uns zu dieser unnatürlichen Bewegung. Immer dem Licht entgegen krabbeln wir fast auf allen Vieren, bis wir durch einen Felsspalt die Räuberhöhle entkommen. Wir sind draußen! Luft! Licht! Was für ein einmaliges Erlebnis!

Sandy steigt mutig als erste in die Räuberhöhle hinab – rund 15 Meter in die Tiefe.
Der Rest der Gruppe hat auf uns gewartet: sie ist den sicheren Treppenweg rechts entlang der Felsen talabwärts gelaufen. Schnell noch den Dreck von der Hose abklopfen und einen Schluck Wasser nehmen – dann gehts auch schon wieder weiter: wandernd und staunend zwischen den Felsen. Über die „Totenkammer“ folgen wir dem B2 weiter und ich habe immer noch nicht genug von den teils überhängenden Felsen, die bei näherer Betrachtung Wellen und kleine Löcher aufweisen – eine Jahrmillionen alte Geschichte.
Entstehungsgeschichte der Landschaft des Mullerthals
(überspringe das Kapitel einfach, falls zu langweilig)
Das Mullerthal (oder Müllerthal) ist Bestandteil eines Gebiets, in dem der Luxemburger Sandstein entstand. Vor ungefähr 200 Millionen Jahren war die „Kleine Luxemburger Schweiz“, wie das Mullerthal noch genannt wird, vom Jurameer bedeckt. In dieser Zeit setzten sich Sandkörner in großen Mengen ab, die dann durch den Kalk von abgestorbenen marinen Lebewesen zusammengebacken wurden. Unter dem Druck der aufeinanderfolgenden Ablagerungen wurde das Wasser aus den kalkig-sandigen Sedimenten verdrängt. Dadurch verhärteten die Sedimente und entwickelten sich so zu Sandstein.
Die Schichten des „Luxemburger Sandsteins“ wurden im Laufe der Zeit Hebungs- und Stauchungsbewegungen ausgesetzt, welche Brüche im Fels verursachten und so die Felsspalten, auch „Schlüffs“ bilden konnten.
Nach dem Rückzug des Meeres haben Erosion durch Wind und Wasser sowie Spannungen durch aufeinanderfolgende Perioden von Frieren und Auftauen den Fels gespalten, gebrochen und verwittert. Felsblöcke und Abrissschollen unterschiedlicher Größen haben sich von den Felswänden gelöst und glitten zum Teil auf tonigen Schichten, die durch das am Fuße des Sandsteins zirkulierende Wasser schmierig wurden, talabwärts. Ein Resultat dieser Bewegungen ist die große Formenvielfalt, wie sie für das Mullerthal so typisch ist.

Kaum zu glauben, dass es einmal Meer bis zur Spitze dieser Felsen gegeben haben soll.
Klettern auf dem Mullerthal Trail
Entlang der Felsenkette gehen wir einen knappen Kilometer einen alten Römerweg entlang, passieren den „Herold“, einen beeindruckenden Felsvorsprung und schauen den Kletterern ein paar Minuten neugierig zu, wie sie im Klettergarten Wanterbach wagemutig einen dieser Sandsteinfelsen besteigen. Falls Du selbst gerne kletterst, empfehle ich Dir die offizielle Infoseite Klettern in Berdorf zu lesen.

Mutige Kletterer wagen sich an die bizarren Felswände.
Im Labyrinth der Felsen: Das Siewenschlüff
Nachdem der Regen kurze Zeit ausgesetzt hat, fängt es jetzt wieder so richtig an zu tröpfeln. Ich persönlich mag den Regen sehr: ich liebe den Pflanzenduft, der dadurch intensiver wird und ich mag das tröpfelnde Geräusch, wenn die Tropfen auf die Blätter treffen. Meine Haare sind jetzt zwar nass, doch ist es zwischen den Felsen keineswegs kalt. Sogar die Sonne steht noch über uns und leuchtet durch die hohen Buchen zeitgleich auf uns herab. Flüssige Sonnenstrahlen.
Ich stehe vor einer Felsspalte, auf der eine eins gemalt wurde. Die Aufgabe ist nun, von der eins zur sieben durch das Labyrinth zu finden. Herausforderung angenommen – und es ist auch nicht sonderlich schwer – bis auf eine Stelle. Wer hier durch will, muss entweder an Magersucht leiden oder noch ein kleines, schmächtiges Kind sein. Diese Felsen stehen viel zu eng, so mein Gedanke. Ich will es trotzdem versuchen und muss mir unfreiwilliger Weise erst die Geschichte von der etwas kräftigeren Frau anhören, die sie hier retten mussten, weil sie stecken blieb. Na toll. Trotzdem. Ich nehme meinen Rucksack ab, verstaue meine Kamera darin, die mir während der Tour immer vor dem Bauch hängt, und atme tiiiiiiieeef ein. Leicht vorgebeugt rutscht mein linker Fuß Zentimenter für Zentimeter seitwärts und zieht den rechten ausgestreckt nach. Jetzt spüre ich den Felsen deutlich vor mir am Bauch und an der Brust – und auch hinter mir am Rücken. Meine Jacke schrabbt darüber… Noch ein paar Schritte… und… JA! Geschafft! Ich hebe meinen Rucksack zu mir her und bin froh, es versucht zu haben. Allerdings reicht mir dieses eine Mal aber auch aus. Puh! 😀

Flüssige Sonnenstrahlen: Regen und Sonne zugleich wirkt magisch auf dem Mullerthal Trail

Felsen am Eingang des Siewenschlüffs

Wir stecken mitten in einem Felsenlabyrinth, dem Siewenschlüff.
Rückweg zum Camping Martbusch
Ich kann kaum glauben, was für Schätze in 5 km passen und frage mich, warum man diesem Weg nicht „Märchenweg der schönen Felsen“ oder „Wanderzauber Felsenwunder“ gegeben hat. B2 – das ist nicht Euer Ernst, liebe Luxemburger! B2 wird diesen Sehenswürdigkeiten, dieser Einzigartigkeit, diesem Naturschauspiel nicht gerecht. B2 nenne ich höchstens meinen Saugroboter. Unglaublich! </RANT> Genug davon 😉
Beseelt von so viel Erlebnissen sind es nur noch wenige Kilometer, bis wir wieder am Campingplatz ankommen. Claudia und ich beziehen unsere Glamping-Hütten: ein geräumiges, kleines Häuschen aus Holz mit zwei Betten und einer Heizung. Glamping bezeichnet übrigens die Mischung aus Camping und Glamour und ist somit weniger als ein Hotel aber mehr als ein simples Zelt.

Meine schnuckelige Glamping-Hütte beim Camping Martbusch
Ich schmeiße meinen Rucksack auf das eine Bett und knabbere ein paar Nüsse. Ein wenig Zeit bleibt mir noch, um die Bilder zu sortieren und den knurrenden Magen – zumindest bis zum richtigen Essen – ruhig zu stellen. Was mir die Kamera zeigt, kann ich selbst kaum fassen: Da war ich? Dies ist der Zeitpunkt, wo ich weiß: Luxemburg, Du fängst an, mein Herz zu erobern <3
Wanderkarte B2 für Dein Smartphone
Alles was Du für das Abenteuer auf dem B2 in Luxemburg brauchst
- Beschreibung des Rundwanderweges B2
- GPS Daten des Rundwanderweges B2 (komoot)
- Infos zur Räuberhöhle
- Klettern im Mullerthal
- Camping Martbusch bei Berdorf
- Offizielle Seite des Mullerthal Trails
- Offizielle Seite der Tourismuszentrale von Luxemburg
Offenlegung
Ich bin von VisitLuxemburg zu dieser Reise eingeladen worden. Davon bleibt meine Meinung unbeeindruckt, da Ihr als meine LeserInnen für lebedraussen! und somit für mich, das Wichtigste seid. Ehrlichkeit ist Qualität!
Ich bin heute mal, nachdem du mich neugierig gemacht hast den B2 mit meiner Frau gewandert. Hammer!! Anders lässt sich der Weg nicht beschreiben.
Danke für diesen Tip.
Gruß Christian
Hallo Christian,
das freut mich wirklich sehr, das zu hören! Toll!! 🙂 <3 Ich kann dort auch immer wieder hin. Einfach herrlich.
Viele Grüße,
Bianca
Hallo Bianca,
wir sind heute die Tour bei Kaiserwetter gewandert – ein Traum – danke für die tolle Idee !!! SObwohl wir als Saaränder ja eigentlich „nebenan“ zuhause sind, war die schöne Landschaft uns so nicht bewusst.
Das freut mich, dass Dir die Idee gefällt 🙂 Manchmal liegt das Gute so nah 🙂
LG Bianca
Das Gute liegt wie so oft auch recht nah. Toll, dass Ihr dort ward! LG Bianca