„Wo sind wir? Ich sehe keine Schilder, geschweige denn einen Pfad.“ Ich blicke zu Timo hinüber, der genauso ratlos wie ich dreinschaut. Wir sehen uns um, begutachten jeden Baumstamm nach Schildern und suchen am Boden nach so etwas wie einem Pfad. Fehlanzeige. Wir müssen zugeben: Die Traumschleife Wildnis-Trail in Weiskirchen macht seinem Namen wirklich alle Ehre.
Es ist früh, kalt und frostig: Start der Wanderung
Beitragsinhalt
- Es ist früh, kalt und frostig: Start der Wanderung
- Anstieg. Und Puls.
- Von Pause, Wärme, Energietanken – und verlaufen.
- Kein Hals- und Beinbruch.
- Lichtspiel durch nacktes Geäst
- Wanderweg im Kristallzuckerland?
- Am Ende des Frosts begrüßt nun der Frühling
- Sei freundlich und entgegenkommend. Wald ist genug für alle da.
- Seen. Brücken. Trockene Bäche.
- Wanderkarte der Traumschleife Wildnis-Trail in Weiskirchen
- Fazit zur Traumschleife Wildnis-Trail
Ich schlief gut in der letzten Nacht hier in Weiskirchen im Hotel Schinderhannes, nach der herrlichen Winterwanderung auf dem Georgi-Panoramaweg. Früh gehe ich frühstücken: frische Eier, Käse und noch duftend-warme Brötchen lasse ich mir mit einer Tasse Kaffee mit viel Milch schmecken. Rund 18 km werden es heute, da wird nicht mit Kalorien gespart. Draußen wird es hell und die vereisten Autoscheiben lassen erahnen, wie kalt es ist. Schnell noch einen Joghurt futtern; den Apfel wird kurzerhand in den blauen Tagesrucksack gesteckt. Dick eingepackt lege ich den Zimmerschlüssel auf den Tresen, winke dem freundlichen Wirt ein letztes Mal zu und verschwinde aus dem Hinterausgang – hinaus in den kalten Morgen.
Es sind nur wenige Kilometer bis zum Wanderparkplatz an der Traumschleife Wildnis-Trail. Als ich ankomme, steht bereits jemand mit einem dunklen Kombi und sucht etwas im Kofferraum. Es ist 8:58 Uhr als dieser Unbekannte hoch sieht und mich begrüßt: „Hallo!“ „Hallo! Bist Du Bianca?“ „Und Du Timo?“ „Jo!“ „Dann wandern wir heute wohl zusammen.“
Lesetipp bei timorisch.blogspot.com: Wildnis-Trail Weiskirchen
Ich weiß eigentlich gar nichts über Timo und ahne, dass er leidenschaftlich fotografiert. Die Ahnung verstärkt sich als er das Kamerastativ aus dem Wagen holt und in der Hand tragend damit loswandert. Insgeheim freue ich mich und beschließe, Timo beim Fotografieren „genauestens“ über die Schultern zu schauen – wozu ich schon zu Beginn der Wanderung einige Gelegenheiten habe.

Uns begleitet das musikalische Plätschern des Holzbachs an der linken Seite und stimmt so sanft auf die als schwer ausgewiesene Wanderung ein. Unser Vorankommen ist stockend: nicht etwa, weil uns Hindernisse am Weitergehen hindern, viel mehr ist es so weil jene Felsen rechts und links uns magisch anziehen. Hoch ragen sie in den Himmel und ziehen den Betrachter mit ins Bild. Unwirklich und schön. Atemberaubend. Doch stop: wir müssen weiter, mindestens 16 km warten noch darauf, entdeckt zu werden!

Wir laufen über Brücken, die im Schatten jener Felsen liegen, die andachtsvoll neben uns emporsteigen. Der Boden ist von einem Teppich aus frostigem Laub bedeckt, welches sanft bei jedem Schritt knirscht. krrr-krrr-krrr-krrr. Ob wir die Route im Uhrzeigersinn richtig gewählt haben, bezweifle ich noch, doch Timo verneint und behält recht: Das Licht wird für unsere Fotos von mal zu mal besser, und gerade später werden wir bei der Rückkehr eine helle Freude daran finden.


Anstieg. Und Puls.
Ich fange an zu schnaufen: der Waldboden geht steil nach hoben und fordert meinem Puls ein bisschen was ab. Verwöhnt von den langen Sonnenstrahlen, die nun endlich durch das nackte Geäst der Bäume strahlen, laufen wir über weiche, verwurzelte Pfade, vorbei an von Moos bewachsten Baumstümpfen. Je höher wir wandern, desto heller wird es – aber nicht wärmer. Eis ziert die Pfützen hier und bildet einen Spiegel zum Himmel, der durch die kahlen Bäume sichtbar ist. Wunderschön.

„Oh nein!“ rufe ich verärgert, als sich plötzlich mein Smartphone ausschaltet und nur noch einen schwarzen Bildschirm anzeigt. Ich Dussel habe zu spät gemerkt, dass es im falschen Modus war und somit das Malheur selbst herbeigeführt. Es wäre nicht so schlimm, denn ich kann es ja wieder starten. Doch wie bei jeder Tour lasse ich auch diesmal wieder meine GPS-App laufen, die die Tour aufzeichnet. Niedergeschmettert boote ich das Telefon neu und war positiv erstaunt, dass die Aufnahme wieder dort weiter läuft, wo sie gerade so abrupt endete. Glück gehabt!

Von Pause, Wärme, Energietanken – und verlaufen.
Von jetzt an laufen wir ein ganzes Stück am Stück: Wald, Bäume, Wald, Bäume. Pilze an Bäume, die je nach Lage des Stamms mal zur einen, mal zur anderen Seite wachsen – und viel, viel Laub. Eine Lichtung lädt uns auf eine kleine Rast ein: die Sonne steht jetzt schon auf 11 Uhr und hat Bänke und Tisch trocken gehalten. Ich reiche Timo sein belegtes Brötchen, das nicht mehr in seine Kameratasche passte und ich für kurze Zeit in Obhut hielt. Wir stärken uns, blinzeln in die Sonne und mein Gesicht zieht die Wärme tief in sich ein.

Lange wollen wir nicht bleiben, denn schließlich sind wir ja zum Wandern hier. Der Wald rahmt uns vollständig mit seiner wilden Art ein: kein Pfad zeigt mehr an, ob wir hier richtig oder falsch sind. Doch dank der guten Beschilderung, finden wir… HOPPLA! welche Beschilderung? Timo und ich sehen uns fragend an. Schulterzucken. Wir haben uns wohl verlaufen, doch lang kann das noch nicht her sein. „Wir müssen wohl zurück.“ Timo nickt. „Gehen wir.“

Kein Hals- und Beinbruch.
Lange suchten wir nicht und die Schilder begleiteten uns auf einem Weg der breiter und breiter wird – und hässlich. Der Boden ist gefroren und zerfurcht von Traktoren. Ein angenehmes Laufen ist hier kaum möglich. Ich lasse den Boden nicht aus den Augen, denn schließlich will ich gerade hier NICHT stolpern. Rechts und links liegen abgesägte Bäume – alles wirkt fahl und karg und tot. „Bloß schnell weg hier!“ Wir hegen denselben Gedanken und laufen so schnell es auf diesem Boden nur irgendwie geht. Hoffentlich ist das bald vorbei.
Lichtspiel durch nacktes Geäst
Die Stolperfallen beruhigen sich und der Weg wird wieder gehfreundlicher. Ein Reh huscht vorbei, scheu und ängstlich und leider zu schnell für unsere Kameras. Landschaftlich sind die nächsten zwei Kilometer nichts, was mich sie als leidenschaftlich schön beschreiben lässt, langweilig zieht sie bei jedem Schritt dahin. Dann endlich: Ein Weg zweigt hinunter in den Wald und bietet unseren Füßen und Augen die Wildnis, die uns der Weg am Anfang versprach – und dieses Versprechen jetzt erst recht so richtig hält.


Wanderweg im Kristallzuckerland?
Und da ist er: ein Pfad wie aus Kristallzucker erschaffen bahnt sich seinen Weg durch mannshohe Gräser, Tannen und Sträuchern entlang des Wahnbachs. Die Mittagssonne schafft es erst jetzt so richtig hinter den Berg zu kommen und lässt den Weg unwirklich glitzern. Kleine Brücken schützen davor, auszurutschen oder in den Bach zu fallen, alles ist gut gesichert und ich fühle mich umhüllt von diesem einzigartigen Zauber, die nur die Natur erschaffen kann. Mein Atem formt noch immer Wolken und zeichnet die Kälte in die Luft – doch ist eine kalte Nase es nicht wert, diesen Anblick zu erleben? Meine Augen können sich kaum satt sehen und doch müssen sie… Am Ende meines glitzernden Kristallzuckerweges ziert eine letzte Holzbrücke, deren Handlauf bis auf den letzten Punkt ebenso vom winterlichen Frost überzogen ist. Märchenhaft schön.

Kristallzucker!

Am Ende des Frosts begrüßt nun der Frühling
Fröhliches Plätschern trägt unsere Schritte den Bachlauf abwärts und frühlingshafte Vorboten begleiten uns zwitschernd in den Baumwipfeln. Die Sonne strahl im Bach die noch verbliebenen Eiszapfen an, die vergebens um jeden Millimeter Dasein kämpfen. Vermutlich nicht lange, eben bis zur nächsten, eiskalten Nacht. Timo und ich sind nicht mehr allein, wir hören Stimmen von anderen Wanderern, die uns entgegen kommen, freundlich grüßen und dann gleich fröhlich weiter ziehen.


Sei freundlich und entgegenkommend. Wald ist genug für alle da.
Der Anstieg auf den Hübelberg ist steil und ob des nass-frostigen Bodens etwas rutschig – doch dank guter Wanderschuhe nicht gefährlich. Mountainbike-Fahrer kommen uns entgegen und wir machen ihnen gerne Platz. Einer nach dem anderen zieht an uns vorbei, grüßt freundlich und bedankt sich für unser Entgegenkommen. Timo verrät mir, dass er selbst gerne MTB fährt und ich fange mal wieder an von einem neuen Rad zu träumen. „Darum sollte ich mich bald dringendst kümmern.“ #Gedankennotiz

Seen. Brücken. Trockene Bäche.
„Gleich müssten wir zum Herberloch kommen, einem kleinen, hübschen See.“ Ich gehe vorneweg als Timo mir jenen See ankündigt, der zu dem Zeitpunkt noch ein paar Kilometer vor uns liegt. Dann auf einmal taucht er auf: komplett vereist und in ihm eingeschlossen, Vermächtnisse der ringsum liegenden Bäume: Laub und Äste.
Ein letztes Highlight erleben wir entlang des Bachs: es sind die im Zick-Zack angebrachten Holzbrücken. Es fehlt das Plätschern und entsprechend Wasser im Lauf, was im Sommer anders war, wie Timo verrät. Ein dunkles Waldbraun prägt den Weg und begleitet uns bis wir die letzte Brücke passieren. Hier wird der Weg immer breiter und grüner – bis er zum Ende hin zum Wanderparkplatz geleitet.
Wanderkarte der Traumschleife Wildnis-Trail in Weiskirchen
Fazit zur Traumschleife Wildnis-Trail
Der Wildnis-Trail ist einer der wirklich schönen Premiumwanderwege und Traumschleifen hier im Saarland – das ist mal sicher. Punktabzug gebe ich für die rund zwei Kilometer, die durch Waldarbeiten mit schweren Maschinen ein sehr unschönes und unfreundliches Bild abgeben. Trotzdem sind die Abschnitte davor und danach eine echte Augenweide und es ist pure Freude, da durch zu wandern. Panorama-Freunde kommen hier zwar nicht auf ihre Kosten, doch als Wald-Fan ist die anspruchsvolle Wanderung voll von märchenhaften Wegen, weichen Waldpfaden und leuchtenden Farben. Der Wildnis-Trail ist eine ganz klare Wanderempfehlung – auch im Winter!
Offenlegung: Ich danke der Tourismuszentrale Saarland für die Einladung nach Weiskirchen. Selbstverständlich bleibt meine Meinung zu den Wanderwegen davon unbeeindruckt – schließlich lebt lebedraussen! von authentischen Berichten.

Schöner Bericht, Bianca. In den Zeilen tritt wieder mal die Poetin in dir zutage.
Danke für die schöne Wanderung.
Der Weg ist es wert, dass wir ihn im Sommer noch einmal erleben, dann auch gerne gegen den Uhrzeigersinn
😉
Hallo Timo,
oh, Poetin – vielen Dank 🙂 Es hat mir wirklich Spaß gemacht, mit Dir diese Wanderung zu machen – bin gespannt, wie der Wildnis-Trail im Sommer aussieht! Und bis dahin probieren wir noch andere Traumschleifen, oder? 🙂
Liebe Grüße
Bianca
Gerne! Wenn du mich über deine Touren informierst, versuche ich, deiner Einladung zu folgen. Freue mich!
Verdammt interessante Strecke aus Sicht eine Läufers.Ich laufe sehr gerne im Wald.
Wald ist wirklich super und ich glaube auch, dass Du dort Spaß hättest. Außer halt auf dieser Strecke, wo die Waldarbeiten stattfinden – aber die umgeht man notfalls eben.
Huhu. Der Weg hört sich interessant an! Wir sollten echt bald mal wieder ins Saarland kommen 🙂
Übrigens kennen wir das mit dem Verlaufen sehr sehr gut, selbst auf den unverlaufbaren Traumschleifen gelingt es uns immer wieder *zugeb*
Denke, der Bericht muss ins Traumschleifenland – übrigens hab ich dazu eine Idee, ich melde mich mal die Tage.
Liebe Grüße
Claudia
Das wäre wunderbar! Sagt Bescheid, ich komm dann mit zum Wandern 😀