Als Raphael mir einen Beitrag über Tricking anbot, konnte ich zunächst nichts mit dem Begriff anfangen. Noch nie gehört oder gelesen. Was genau ist das? Dann wurden meine Augen immer größer als ich die ästhetischen Bewegungen sah, die mehrere Tricker auf einer Wiese vollführten, als wäre es das Normalste von der Welt. So leicht durch die Luft schwebend, drehend und wirbelnd, als könne jeder aufstehen und es sogleich nachtun. Krass! Und nun ist er hier, Raphaels Gastbeitrag zu Tricking, in dem er uns erzählt um was es und er sich dreht, wie er dazu kam und wie auch wir damit anfangen können. Toll!
Hi, ich bin Raphael, 24 Jahre alt und komme aus Oberfranken. Ich habe Mediendesign studiert und als Motiondesigner in der Filmpostproduktion gearbeitet. Seit Oktober 2014 bin ich mit meiner Freundin unterwegs, um Indien und Südostasien zu erkunden. Videos und Artikel veröffentlichen wir auf http://unddasisterstderanfang.de. Durch die Reise ist es kaum möglich regelmäßig Sport zu treiben. Mal ein Kletterausflug in Nordlaos, mal etwas Kitesurfen in Vietnam, aber alles nur sehr sporadisch und spontan. Sollte ich jemals zurückkehren, werde ich mich wieder meinem Lieblingssort zuwenden: Martial Arts Tricking.
Wie bin ich zum Tricking gekommen?
Beitragsinhalt
Schon als kleiner Junge stand ich auf alle Arten von Extremsport. Ich war mit meinen Großeltern oft im Skiurlaub und lernte früh Snowboarden. Mit meinen Freunden fuhr ich oft in den Wald, um Rampen für unsere professionellen Downhillbikes (stinknormale Straßenräder) zu bauen und es den Sportlern von „The X-Games“ nachzumachen. Dass das nicht selten in Unfällen endete, war letztendlich klar. Ich probierte alles aus. Mit den Inlinesaktes in der Halfpipe und mit dem Skateboard über die Grindstange. Was eben gerade so in Mode war. Als ich ca. 15 war hörte ich erstmals vom „Parkour“ und fand eine Parkour-Gruppe in meiner kleinen Heimatstadt.
Erst während des Studiums lernte ich durch die Braunschweiger Parkourtruppe meinen Kumpel Mark kennen, der mich erstmals an das Tricking heranführte.
Ich war fasziniert und konnte mich gar nicht satt sehen als ich zum ersten Mal mit Mark und den anderen Trickern in die Kunstturnhalle Ehmen bei Wolfsburg fuhr. Tricking wird zwar nicht zwingend in der Halle ausgeübt, jedoch ist es ratsam die Kicks, Saltos und Drehungen erstmal auf weichem Untergrund auszuprobieren. Ich lernte Julian kennen. Mit damals gerade 17 Jahren ist er einer der Jüngsten, aber schon einer der Besten im Tricken. Radwende, doppelter Rückwärtssalto, Radwende, Rückwärtssalt mit Drehung… solche Kombinationen gehören zu seinem festen Repertoire. Jeder der Tricker hat einen eigenen Stil, was mich zu der Frage brachte:
Was ist Martial Arts Tricking eigentlich genau?
Oft wird Tricking als eine Mischung aus Kampfkunst und Kunstturnen beschrieben, da eine Trickkombination meistens aus verschiedenen Kicks und Saltos besteht. Die Wirklichkeit ist jedoch viel komplexer. Dem Begriff „Tricking“ sind keine Grenzen gesetzt. Und so sehen das die Braunschweiger Jungs ebenfalls. Mark kommt vom Capoeira und baut in seine Kombos solche Elemente ein, bei denen er mehr auf Flexibilität und eine flüssige Bewegungsabfolge setzt. Andreas widerrum liebt das Breakdancen. In seinen Kombos kann es schonmal vorkommen, dass er auf den Händen balancierend die Beine wild um sich wirbelt. Alle sind sich einig: Martial Arts Tricking ist grenzenlos kreativ. Alles was du dir vorstellen und umsetzen kannst ist Tricking.
Ein Großteil der Gruppe trickt schon seit mehreren Jahren, was ihre Kombinationen zu einem wahren Augenschmaus macht. Aber wie fängt man an, wenn man noch überhaupt keine Erfahrung mit Saltos und Drehungen hat?
Wie fange ich mit Martial Arts Tricking an?
Die Schwierigkeit daran ist gleichzeitig die Faszination. Tricken basiert nicht auf rationalem Denken, sondern auf Körpergefühl. Wer den Bewegungsablauf von Radwende und Salto verinnerlicht hat, der schaltet bei der Umsetzung jegliches Denken aus und handelt intuitiv. Mein Tipp, um die Anfänge eines solchen Körpergefühls sicher zu erlernen: Gehe ins Schwimmbad und mach Saltos und Drehungen vom 1-Meter Brett. Wenn du dich dabei gut genug fühlst, bist du bereit es mit Trampolin und Weichbodenmatte auszutesten. Danach kannst du dich auf den Plyo (Kunstturnboden) wagen und deine Kombis irgendwann raus auf den Rasen bringen. Der Austausch mit anderen Trickern ist eine nie versiegende Quelle der Motvation und Unterstützung. Ich hatte nie einen Tricking-Lehrer, aber meine neuen Feunde konnten mir bei allen Fragen behilflich sein.
Tricking ist ein Sport, der begeisterte Menschen zusammenbringt, ob es in der kleinen Turnhalle oder bei internationalen Treffen ist. Man hilft sich gegenseitig und man freut sich miteinander. Man trickt eben gemeinsam.
Vielen herzlichen Dank Raphael, für diese spannende Einsicht in Deine Lieblingssportart! Ich bin mir sicher, den ein oder anderen wirst Du infiziert haben 😀







