„Der erste?“ Fragst Du Dich vielleicht. „Wie viele kommen da noch?“ Auch wenn sich Seitensprung eindeutig zweideutig anhören mag, ist es eine kreative Namensgebung von insgesamt 15 dieser kleineren und größeren Rundwanderwege in der Pfalz und rund um die Moselregion. Ob sie ihren Namen ob der spektakulären Pfade bekamen, vermag ich im Vollen nicht zu beantworten. Wer dies aber kann ist Günter. Günter ist auf dem Bärensteig gemeinsam mit seiner entzückenden Hundedame Emma an jenem sommerlichen Augusttag mein Wegbegleiter: Hier entdecken wir den rund 7 km langen Wanderweg – ein Weg mit zauberhaften Waldpassagen und verträumten Panoramen.

Wandern in der Pfalz: Moselsteig Seitensprung Bernkasteler Baerensteig
Start der Wanderung oder: „Wo bitte geht´s zum Seitensprung?“
Beitragsinhalt
- Start der Wanderung oder: „Wo bitte geht´s zum Seitensprung?“
- Es ist kein Zufall, dass wir heute gemeinsam wandern
- Märchenhafte Waldpassagen und ein traumhafter Ausblick
- Zwischen Felswänden und knochigen Bäumen
- „Was motiviert dich am Bloggen?“
- „Erzähl´ mir von deiner Deutschlandumrundung!“
- Was ist Heimat?
- Stadt, Land, Fluss: Fazit zum Moselsteig Bernkasteler Bärensteig
„Verzeihung: können Sie uns sagen, wie wir zum Seitensprung kommen?“ Etwas irritiert schaut uns der Passant nach Günters Frage an. „Zum Bärensteig“ ergänzt Günter. Der Blick des Passanten klart auf und zeigt uns lächelnd die Richtung, in der der Einstiegspunkt der Wanderung sein soll. Ich gucke aufs Handy auf dem die Tourendaten gespeichert sind und bestätige den Hinweis. „Hier!“ rufe ich und zeige Günter das Wanderzeichen zur Tour. Es kann losgehen!

Wanderzeichen zum Moselsteig Bernkasteler Bärensteig

Die süße Hundedame Emma ist auf Günters Wanderungen immer dabei.
Keine 100 Meter von den urigen Fachwerkhäusern des Marktplatzes entfernt, kommen Mensch und Hund gleich zu Beginn schon gut ins Schnaufen: Eine steile Treppe führt uns geradewegs steil hinauf und direkt auf den Wanderweg. Es ist sehr warm und die kleine Emma schleicht hinter uns her – Freude auf die Tour sieht anders aus, kein Wunder bei der Hitze. Herrnchens deutliche Worte lassen sie etwas schneller gehen, doch wir gönnen uns allen nach dem knackigen Aufstieg trotzdem eine kurze Atem- und Akklimatisierpause.
Es ist kein Zufall, dass wir heute gemeinsam wandern
Nach dem kurzen Stopp geht es leicht bergauf weiter: mit einem herrlichen Ausblick nach Westen sowie an der linken Hand an einem alten Weinberghang entlang, dessen Boden mit regionaltypischen Schiefertrockenmauern ausgelegt ist. Von hier aus erblicken wir von weitem die Burgruine Landshut. Es ist heute kein Zufall, dass wir miteinander wandern. Günter zückt seine Kamera und schießt erste Bilder. Über den Bärensteig will er berichten und auch über mich, in der neuen Wanderbeilage 2018 des FORUM Magazins (frühere Ausgaben: 2016 und 2017). Hier oben ist die Aussicht über den Dächern von Kues wirklich herrlich – hinzu kommt bestes Wander- und Fotografierwetter. Günter ist Journalist, arbeitete etliche Jahre beim Radio und hat schon unzählige Wanderführer und Bücher geschrieben. Alle Traumschleifen ist er gegangen und hat 2010 sogar ganz Deutschland non-stop wandernd umrundet! Die Beagledame Emma war bei den 5200 km immer bei Fuß. Eine stolze Leistung und nicht die einzige, von der er mir auf der Wanderung berichtet.

Alter Weinberg auf dem Wanderweg
Märchenhafte Waldpassagen und ein traumhafter Ausblick
Wir tauchen in den schattigen Wald ein, der hier und da vereinzelte Sonnenstrahlen durchlässt und sonst angenehm erfrischend ist. Das findet Emma mittlerweile übrigens auch und ist ganz vertieft in die Gerüche, die auf dem Weg liegen. Rechts und links schnüffelt sie schwanzwedelnd hinter uns her, bis es nochmal ordentlich steil wird: Serpentinen leiten uns bis zu einem felsigen Aussichtspunkt, wo wir nun auf Augenhöhe die Burgruine wiedersehen. Emma läuft ganz unbedarft bis vor an das Ende jenen Felsens, der den weiten Blick ins Tal zulässt. Herrlich!

Serpentinen auf dem Bärensteig

Ausblick am Fels

Emma genießt die Aussicht
Zwischen Felswänden und knochigen Bäumen
Jener Ausblick begleitet uns noch eine lange Zeit, die wir zwischen Felswänden und knochigen Bäumen wandern. Hier und da halten wir kurz, um uns und Emma eine kleine Pause zu gönnen und um ein paar Fotos zu machen – auch ich lasse mir das natürlich nicht nehmen. Immer wieder lassen die dicht bewachsenen Büsche und Bäume ein Aussichtsloch frei, von diesem aus wir erahnen können, wie hoch wir schon gewandert sind. Auf rund 400 m wird der Weg schließlich flacher und zur rechten öffnet sich eine herrlich grüne Wiesenlandschaft, neben derer eine Sinnenbank, also eine Wellenbank aus Holz, zur längeren Rast einlädt. Doch ich widerstehe ihr, setze mich lieber auf die Wiese, ziehe mir Schuhe und Socken aus und genieße die weichen Grashalme, die meinen Füßen schmeicheln. Schließlich lege ich mich hin, den Blick zum Himmel gerichtet, und spüre die Wärme der Sonne und den zarten Wind auf meinem Gesicht. Einfach traumhaft.

Links der Fels im schattigen Wald

Herrlicher Ausblick aus dem Wald

Einladende Sommerwiese auf der Wanderung
„Was motiviert dich am Bloggen?“
Nach einem kleinen Snack wandern wir weiter: Die Weite dieser Wiese begleitet und ein Stück, bis wir wieder in den schattigen Wald tauchen. Hier hören wir es plätschern: Es ist der Kallenfelsbach auf den wir treffen. Günter interviewt mich währenddessen weiter zum Thema Bloggen und fragt neugierig, was meine Motivation dahinter ist, überhaupt meine Touren, die Geschichten und Gedanken aufzuschreiben. Währenddessen trappelt Emma munter vor uns her, bis wir eine kleine Holzbrücke passieren. Hier lassen wir sie in Ruhe einen Schluck Wasser aus dem Bach schlabbern, um uns am Waldweg daneben anschließend weiter von seinem musikalischen Rauschen begleiten zu lassen.

Schattenspiel am Waldweg neben dem Kallenfelsbach
„Erzähl´ mir von deiner Deutschlandumrundung!“
Jener Waldweg führt und immer weiter sanft bergab und lädt kurz vor der Rückkehr nach Bernkastel-Kues ein weiteres Mal auf einer Bank zur Rast ein. Jetzt stelle ich Günter neugierige Fragen, vor allem zu seiner Deutschlandumrundung und zu seinem früheren Berufsleben als Radiomoderator und als heutigen Buchautor. Seine Erfahrungen und Geschichten faszinieren mich – den Mut, den er bei so manchen Entscheidungen hatte, seinen nie enden wollenden Ideenreichtum, den unbändigen Willen, sich seine Träume zu erfüllen – mit aller Konsequenz. Das mag ich sehr und höre gebannt weiter zu.
Was ist Heimat?
Wieder auf dem Marktplatz angekommen, setzen wir uns in ein volles Café und schauen dem Getummel der Menschen drumherum zu. Emma legt sich ruhig neben unseren Tisch als mir Günter ein Büchlein überreicht mit dem Titel Heimatbilder. „Was ist Heimat für dich, Bianca?“ fragt er mich und ich überlege. Als er kurz den Tisch verlässt, um sich im Café ein Stück Kuchen zu holen schlug ich die nächste leere Seite dieses Büchleins auf und schrieb meine Gedanken zur Heimat – so wie es bereits viele, oft bekannte und immer besondere Menschen es schon taten, die Günter bereits zur Wanderung traf. Ein wunderbarer runder Abschluss einer zauberhaften Wanderung mit einem Menschen, den ich seit diesem Tag ins Herz geschlossen habe. Und Emma natürlich auch 😀

In diese Sammlung an Heimatbildern durfte ich mich verewigen
Stadt, Land, Fluss: Fazit zum Moselsteig Bernkasteler Bärensteig
Ein nicht langer, dafür aber ein Wanderweg mit knackigem Aufstieg. Trotz seiner Kürze bietet er alles was ein Wanderherz begehrt: Schmale, märchenhafte Waldwege machen es einem leicht, die Atmosphäre aufzunehmen, weite Ausblicke über das Tal und die Weiten der Wiesen laden zum Träumen ein und am Ende begleitet der Bach sanft auf dem Weg hinab und zurück in das urige Städtchen. Er könnte gar zur realen Symbiose des weltberühmten Spiels Stadt, Land, Fluss gehören – es ist alles dabei. Diese Wanderung hat für all jene meine Empfehlung, die einen Tagesausflug in all seinen Facetten erleben möchten.
Ich freue mich, dass du mit Günter Schmitt gewandert bist! Er ist mir durch sein Buch zu seiner Deutschlandumrundung ein Begriff, das ich gerade erst ausgelesen habe. Auch ich muss sagen, dass es mir leicht fiel, Günter schnell ins Herz zu schließen.
Ich bewundere seine große Wanderung sehr. Insgeheim habe ich immer so einen leisen Wunsch, mal einmal quer durch Deutschland zu wandern und da kam mir eines Tages die Idee, dass eine Umrundung ja auch eine Idee sein könnte. Der zweite Gedanke war, dass sicherlich schon ein anderer auf diese Idee gekommen war, googelte schnell und stieß auf gleich zwei Bücher zu diesem Thema. So lernte ich Günter über sein Buch kennen. Kurz danach schenkte mir mein Vater ein Wanderbuch zu den Traumschleifen, geschrieben von …. Günter Schmitt!
Hallo Aurora,
das ist ja eine tolle Geschichte! Mir war Günter vorher auch schon „über den Weg gelaufen“. Einmal, als ich durch die Stadt bummelte und sein Buch im Fenster ausstellen sah. Nun hatte ich es persönlich von ihm bekommen und lese nun darin. Die Welt ist klein – das Saarland erst recht 😀
Liebe Grüße,
Bianca