[Gastbeitrag von Alex von Draussenlust.de] Alex und ich haben zwei Gemeinsamkeiten. Die erste ist: wir sind beide Blogger. Die zweite: Wir lieben es draußen zu sein und zu wandern. Er allerdings mehr im Norden Deutschlands – doch nicht ohne, auch mal meine Region zu besuchen. Als er vor einiger Zeit ein paar Tage im Saar-Hunsrück verbrachte, suchte er sich hier einen Top 10 Wanderwege aus ganz Deutschland heraus: die 10 km Rundwanderung „Traumschleife Ehrbachklamm“. Wie es ihm als Nordlicht gefallen hat und welche Tipps er anderen Neulingen gibt? Lies doch einfach selbst! 🙂

Kann die Traumschleife ihr Versprechen halten?
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„Traumschleife“ – das hört sich einerseits sehr vielversprechend an, andererseits liegt die Latte der Erwartungen damit auch ordentlich hoch, oder?! Und das Wanderprospekt des Tourismusverbands versprach zusätzlich noch eine „hohe Erlebnisdichte“. Ok, das war `ne Ansage!
Da wir von der Wanderung auf dem „Mittelrhein Klettersteig“ bei Boppard am Vortag nur so mäßig gefordert waren, entschieden wir uns spontan, diese überschaubare Rundwanderung am 2. Tag unseres Rheinland-Pfalz-Wochenendes zu machen. Schließlich hatten wir am Nachmittag noch 4,5 Stunden Rückfahrt nach Hamburg vor uns…
Bei „Traumwetter“ ging es von Boppard zunächst mit dem Auto nach Oppenhausen, wo wir selbiges am dortigen Parkplatz an der K120 (Google Maps) abstellten. Wir wechselten in das robuste Schuhwerk (empfohlen!) und starteten die Wanderung westwärts über den Feldweg (siehe Karte). Verwilderte Kirschbäume am Wegesrand sorgten nebenbei für eine letzte Stärkung, bevor wir endgültig den kühlenden Wald erreichten!
Die Ehrbachklamm ist das schmale Tal durch das der Ehrbach fließt
Nun führte der gut zu laufende Waldweg erst einmal ordentlich bergab. War der umliegende Eichenwald anfangs noch recht licht, verwandelte er sich umso mehr in einen urigen und wilden Mischwald, je näher wir der Talsohle der „Ehrbachklamm“ kamen. Kurz nach der Schutzhütte in der Nähe der Eckmühle, erreichten wir auf einer Art Lichtung dann endlich den Ehrbach, der dieser Wanderung und diesem schönen Tal seinen Namen gibt. Er ist ein Nebenfluss der Mosel und nur etwa 20 km lang. Eine „Klamm“ bezeichnet ein besonders schmales, ins Festgestein eingeschnittenes Tal, das sogar Felsüberhänge haben kann.
Entlang des Ehrbaches führte uns der gut ausgeschilderte Weg nun entgegen dessen Fließrichtung, so dass wir die kommenden Highlights gut im Blick hatten. Denn die reihten sich jetzt recht nahtlos aneinander: Vorbei an kleinen Stromschnellen und umgestürzten Bäumen, ging es über Holzbrücken oder von Stein zu Stein flussaufwärts, nur das Plätschern des Baches und Zwitschern der Waldvögel in den Ohren.
Links und rechts des Weges türmten sich allmählich überwachsene Felswände auf, große, moosbewachsene Steine zierten das Flussbett. In der Ferne erspähten wir einen kleinen Wasserfall, an dem wir einige Minuten später vorbeiwanderten. Nicht auszudenken was hier los wäre, wenn im Frühjahr die Schneeschmelze einsetzte!
Die Ehrbachklamm zeigte sich uns an diesem Tag in ihrer wunderbarsten, wild-romantischsten Form. Licht, Wärme, Wasser, Grün, Rauschen. Ein bisschen kamen wir uns vor, als seien wir im Wald in Mittelerde, aus dem „Herr der Ringe“! Ein kleiner Wehmutstropfen, der die Illusion etwas zu Nichte machte, waren die zahlreichen anderen Wanderer von jung bis alt, die bei diesem schönen Wetter hier ebenfalls unterwegs waren. Aber wie heißt es so schön: Du stehst nicht drin, Du bist der Stau, oder? Vermutlich geht man diese Tour deshalb besser morgens oder Richtung Abend, wenn man die einsame Natur bevorzugt. Und nachts, bei Vollmond, ist es hier bestimmt auch toll! Mmhh…
Jedenfalls verließen wir nach etwa 5 km Wegstrecke die Ehrbachklamm, um im Anschluss wieder aus dem Tal emporzukraxeln auf die umgebenden Gipfel – immerhin knapp 180 Meter Höhenunterschied sind es zwischen Talsohle und dem Ausgangspunkt Oppenhausen.
Tolle Panoramen ergeben sich von den Talhängen oberhalb der Ehrbachklamm
Belohnt für die Mühen, wurden wir mit wundervollen Panoramaansichten von den höchsten Punkten der Talhänge, an denen dieser Premiumwanderweg natürlich effektvoll vorbei mäandert. Gut platzierte Bänke sorgten unterwegs für unsere nötige Erholung nach jedem Aufstieg. Da lohnte es sich wirklich, mal ein paar Minuten Platz zu nehmen. Spätestens hier oben wussten wir endgültig, was mit „hoher Erlebnisdichte“ gemeint war!
Die Krönung der Romantik – und stark Kitsch-verdächtig – war schließlich die Aussicht von der „Peterslay“ auf die mittelalterliche Burgruine „Rauschenburg“, einer ehemaligen Trutzburg, am Hang gegenüber gelegen. Jetzt zogen die Schöpfer der „Traumschleife Ehrbachklamm“ wirklich alle Register!
Es folgten ein paar weitere Schleifen über die Hänge, wir überquerten das Eltesbächelchen in der Teufelsschlucht und allmählich näherte sich unsere Runde dem Ende. Obwohl wir „erst“ 7 km gelaufen waren, waren wir schon fast 3 Stunden unterwegs, was dem Auf und Ab und den vielen sehenswerten Highlights geschuldet war. Nicht schlimm, aber jetzt mussten wir uns etwas sputen, denn die Rückfahrt nach Hamburg wollte auch noch bewältigt werden.
Die Anstiege blieben nach und nach aus, das Gelände wurde wieder flacher und schließlich verließen wir den Wald am Waldkindergarten Oppenhausen wieder. Glückliche Kinder mussten hier leben, bei so einem „Traumspielplatz“ vor der Tür! Zurück am Parkplatz in Oppenhausen, waren wir etwas geschafft, aber sehr zufrieden mit dem Erlebten. Ein tolles Fleckchen Erde hatten wir soeben erwandert. Die Traumschleife hatte nicht zu viel versprochen und uns in 3,5 Stunden tatsächlich eine „hohe Erlebnisdichte“ geliefert!
Mein Fazit
Die Traumschleife Ehrbachklamm ist eine tolle Rundwanderung auf einem Premiumwanderweg, die durch eine wunderschöne, urwüchsige, fast verwunschene Natur führt. Insbesondere Familien und Genusswanderer kommen hier, wegen der überschaubaren Länge (ca. 10 km), der gut ausgebauten Wege und der begrenzten Auf- und Abstiege (ca. 290 Hm), voll auf ihre Kosten. Machen!

Alex ist Wanderer, Radfahrer und begeisterter Outdoor-Blogger aus Hamburg. Auf Draussenlust.de berichtet er regelmäßig von seinen schönsten Radtouren und Wanderungen rund um Hamburg, inkl. jeder Menge Fotos, Tourprofilen und GPS-Daten. Sein Ziel: Andere mit seinen Tourbeschreibungen dazu inspirieren, es ihm gleichzutun! Sein Motto: Keep wandering.
























