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Unvergessliches Montafon: Zuckerberge um das Ufer, das gar keins ist

ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ Meine Hände zittern immer noch leicht, wenn ich mir die heutige Tagesausgabe der Saarbrücker Zeitung während meiner Zugfahrt ins Montafon ansehe. Als wenn ich mich ständig vergewissern müsste, dass das da wirklich ich bin, die auf dem Titelbild abgebildet ist. Das gleichmäßige whiiiiiii-Geräusch fährt meinen Puls langsam runter und lenkt die Gedanken an das, was mich in ein paar Stunden erwartet: Ein verlängertes Wochenende im österreichischen Gaschurn. Auf Einladung werde ich das Montafon im Vorarlberg erkunden – und habe, mit besonderer Vorfreude, die Aussicht auf eine herbstliche Wanderung.

Wormser Höhenweg Bergblick

Herbstlich-bunte Kulisse zum Träumen

 

Ohne Mampf keinen Kampf

Nach einer ruhigen Nacht: Der Samstagmorgen beginnt wie immer mit viel Kaffee und einem herzhaften Frühstück. Am Buffet des Sporthotel Silvretta Montafon stehen in U-Form alles an Leckereien, was die Seele mag. Gesund darf es heute sein, denn irgendwas brütet in mir und verursacht eine laufende Nase. Verflixt nochmal. Doch da geht´s jetzt durch – relaxen geht später auch noch.

Sporthotel Silvretta Montafon

Das Sporthotel Silvretta Montafon in Gaschrun

 

Dekorierte Schäfchenwolken an azurblauem Himmel

Es ist nicht mein erstes Mal im Montafon: Gleitschirmurlaube führten uns früher öfter mit Halt hier durch. Doch wandernd ist´s Premiere und sieht heute besonders vielversprechend aus. Schäfchenwolken dekorieren einerseits den azurblauen Himmel und der Herbst lässt schon in Gaschurn ahnen, welch bunte Farbvielfalt uns im Berg erwartet. Veronika begrüßt mich, als ich nach dem Frühstück zu den weiteren TeilnehmerInnen der Reise hinzukomme und stellt sich als Wanderguide vor. Die leidenschaftliche Kräutersammlerin betreut öfter Touristen auf den Wanderpfaden im Montafon, von denen Bloggerin Cindy und ich heute zwei Wegbegleiterinnen sein dürfen. Bepackt mit Wasser und Snacks sputen wir drei los, um den Bus rechtzeitig nach Partenen zu erwischen, von wo aus wir die Tour starten.

Gleitender Aufstieg mit Blick auf die Silvretta Alpen

Knallrot ist die Gondel der Tafamuntbahn, die uns in wenigen Minuten zur ersten Bergstation zieht. Mit einem leichten Ruck kommt sie zum Stehen und schon der erste Blick auf die Umgebung entführt mich in die Traumwelt: Schneebedeckte Gipfel auf dem gegenüberliegenden Bergmassiv zeichnen ein gewaltiges Szenarium, das angesichts der weichen Wolken nur noch imposanter erscheint. Nach dem Ausstieg werfen wir einen Blick auf die Tafel, worauf Veronika uns die Tour kurz erklärt: Entlang des Wormser Höhenwegs wandern wir zunächst zum Wiegensee, um dann weiter der Verbella Alpe zu gelangen. Dort verspricht sie uns eine kleine Überraschung, die wohl mit ihrem etwas größerem Rucksack zu tun hat. Ich bin gespannt!

Wanderzeichen Wormser Höhenweg

Wanderzeichen Wormser Höhenweg

 

Start der Wormser Höhenweg Wanderung

Weißgott sind wir nicht die einzigen, die an diesem Tag Lust zum Wandern verspüren, doch begehen den Weg heute weit weniger Leute, als normalerweise, versichert uns Veronika. Als leidenschaftliche Alleinwanderin ist das nicht ideal, doch soweit erträglich – die ersten hängen wir zumindest schnell ab. Immer dem weiß-rot-weißen Zeichen des Höhenwegs folgend verläuft der Weg sanft bergauf. Meine nahende Erkältung spüre ich zwar am schnell steigenden Puls, dennoch nicht so schlimm wie zuvor befürchtet.

Mondafon Wanderweg

 

Das Vorarlberg wir Ihnen präsentiert: in Herbstpracht

Der vom Tau befeuchtete Wanderpfad duftet nach Erde und Tannen, während mich die Füße über Wurzeln und flache Steine tragen. Hier und da erlaubt sich ein Blick durch die Bäume, wohinter sich das Bergmassiv monumental zeigt. Eine exklusive Kräuterkunde erhalten wir von Veronika, lernen ihre Lieblinge kennen und bewundern Ihren Wissensschatz. Unser Tempo ist gemütlich, wir genießen die Atmosphäre und erst recht die herbstlichen Farben, die sich zeigen.

Pfad Wormser Höhenweg

Märchenstimmung auf dem Höhenweg

Bergblick Mondafon

Herrliches Bergpanorama

 

Schwingrasen am Wiegensee: ein Ufer, das gar keins ist

Vorbei an kleineren Moorflecken gelangen wir an den Wiegensee, der aus gehockter Perspektive einem Infinity-Pool mit Bergblick-Panorama ähnelt. Es ist ein besonderes Fleckchen Erde, wie Veronika zu erzählen weiß, denn der Wiegensee wird von Jahr zu Jahr kleiner. Schuld daran sind die Gräser und Moose am Ufer: ihre Kriechtriebe wachsen auf die Wasseroberfläche hinaus und bilden mit der Zeit ein so dichtes Geflecht, dass ein kompakter Teppich entsteht. Diese schwimmende Pflanzendecke heißt „Schwingrasen“ und ist auf den ersten Blick nicht vom normalen Ufer zu unterscheiden. Hier ist es besonders wichtig, das trittempfindliche Schutzgebiet nur entlang bestehender Wanderpfade zu erkunden – allein schon der eigenen Gesundheit wegen.

Herbstwanderung Mondafon

Farbenfroh und geradezu malerisch präsentiert sich das Vorarlberg hier oben.

Bergweg Montafon

Der Höhenweg führt meist nur ganz leicht bergan – das ist auch für Wandereinsteiger sehr angenehm.

Montafon Wiegensee

Der Wiegensee: wie ein Infinity-Pool mit Bergblick

Auf dem Wormser Höhenweg zur Verbella Alpe

Entlang des Schwingrasens wird der Pfad sehr feucht und matschig. Dankbar, meine guten Wanderschuhe anzuhaben, empfinde ich das als weniger schlimm und freue mich zudem, mich mit meinen Stöcken ein wenig auszubalancieren. Der Ausblick nach diesem Teilstück ist gigantisch: der türkisfarbene See Kops zeichnet einen bunten Klecks in die erdrote Gebirgswelt mit den verschneiten Gipfeln im Hintergrund. Angetan von diesem Bild, muss ich kurz stehenbleiben und genießen: Einen tiefer Atemzug lang wirkt diese Landschaft wie ein Gemälde, in das ich mich verlief und das um mich lebendig wird. Eine unbeschreibliche Schönheit.

Wiegensee Schwingrasen Montafon

Panorama über dem Schwingrasen am Wiegensee

Moor Montafon Wormser Höhenweg

Trittempfindliches Terrain: Es empfiehlt sich nur auf den Wegen zu gehen.

Bergblick Montafon

Bergblick Montafon entlang des Verbellabachs

Stausee Montafon

Bergpanorama rund um den Stausee

Gelüftet: die Überraschung auf der Verbella Alpe

Der Verbellabach begleitet uns nun rechtsseitig. Hören kann ich ihn zwar nicht, doch liegt er wild und zerbrechlich zugleich im Tal zwischen den Felsen. Zur Verbella Alpe ist es nicht mehr weit – in Kürze erreichen wir sie. Und hungrig. Mittlerweile ist es schon gut die Zwölf vorbei – wir haben länger gebraucht als geplant. Doch für eine Sache nehmen wir uns nun Zeit. Veronika packt die versprochene Überraschung aus ihrem Rucksack: selbstgemachter Almdudler und ein Montafoner Sura Kees mit frischem Schnittlauch. Sura Kees ist ein herzhafter Sauerkäse, der äußerlich leicht glitschrig wirkt doch innen einen trockenen Kern hat. Frisches Brot darf bei unserem Picknick natürlich auch nicht fehlen und so stürzen wir uns neugierig und hungrig auf die vorarlberger Leckereien. Und es ist himmlisch!

Verbella Alpe

Herbstliche Verbella Alpe

Verbella Alpe Fluss

Ein kleiner Bach an der Verbella Alpe

Montafoner Sauerkaese Sura Kees

Leckerer Montafoner Sura Kees

Schilderwald Alpe Verbella

Schilderwald an der Verbella Alpe

 

Die letzten Krümel sind verspeist, Zeit, sich auf den Rückweg zu machen. Zeitlich gelingt es uns nicht mehr, eine andere Route einzuschlagen und so geht es direkt auf den Pfaden zurück, woher wir kamen.

Partenen: Zurück woher wir kamen

Vom Start bis jetzt und etwas mehr als 11 km später stehen wir dann wieder an der Bahn – als hätte sie uns kommen ahnen, auf die Minute pünktlich. Am Innenrand der Gondel stehend blicke ich durch die noch offene Tür auf die Berge, die uns die Zeit über immer begleiteten. Die Tür schiebt sich langsam zu, als wenn ein Vorhang ein Theaterstück beendet. Es ruckelt. Dann gleiten wir sanft zurück nach Partenen ins Tal.

Alle Infos zur Wanderung

Wandertour: Wormser Höhenweg

Wanderzeitraum: 6. Oktober 2018

  • Art: Streckentour, Bergtour
  • Länge: 11,7 km
  • Höhenmeter: ➚ 480 m | ➘ 480 m
  • gebrauchte Zeit (ohne Pause): 02:51 h
  • Schwierigkeit: leicht
  • Wanderkarte mit GPS Track und Bildern: Komoot: Wormser Höhenweg

Bewertung (max. 5 Sterne)

  • Beschilderung⋆⋆⋆⋆⋆
  • Naturerlebnis⋆⋆⋆⋆⋆
  • Einsamkeit: ⋆⋆

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Österreich Montafon wandern Höhenweg

3 Kommentare
  1. 14. März 2019
  2. 6. Oktober 2019
  3. 29. Mai 2020

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