Anzeige | Im Flieger von Fuerteventura nach Frankfurt lasse ich den Surftrip Revue passieren. Für eine Woche hat mich das Planet SurfCamp eingeladen, um Ort, Strand und natürlich das Surfen kennenzulernen. Die Vorbereitungen für diesen aktiven Trip waren einige Wochen zuvor erfolgt und waren auch nötig: So viel Muskelkater hatte ich selten in einem Urlaub – und so viele sportliche Menschen selten in einer Unterkunft.
Die Anreise zum Surfcamp war durch den frühen Flug, den Shuttle auf Fuerte (auf dessen Liste ich seltsamerweise nicht stand) und der längeren Sucherei nach der richtigen Adresse, etwas beschwerlich. Eine Stunde und einigen Telefonate später wurde ich kurzerhand von Ania, einer der beiden guten Seelen im Camp, abgeholt und ins Hostel gebracht. Endlich angekommen!
Wie erlernt man das Wellenreiten?
Beitragsinhalt
Mich plagten wegen der längeren Reise leichte Kopfschmerzen, dennoch konnte ich dem Angebot nicht widerstehen, zur Mittagszeit gleich an der allerersten Surfstunde teilzunehmen. Vielleicht würden sie vom kühlen Nass und der Bewegung weggehen, war meine Hoffnung. Und zum Surfen war ich schlussendlich ja da. Nachdem die ersten Vorräte im nahegelegenen Supermarkt eingekauft waren und ein kurzes Schläfchen gehalten wurde, ging es um halb drei los. Die quirlige Gala war für diesen und die nächsten Tage meine Surflehrerin und kümmerte sich gleich sehr intensiv um mich und alle anderen, die zum ersten Mal auf einem Surfbrett stehen wollten.
Das Surfermaterial bestand für jeden einzelnen aus drei Dingen: einem Neoprenanzug, der uns vor dem Auskühlen und vor möglichen Steinen schützte, der Leash, also die Sicherheitsleine, die an einem Fuß und am Surfboard angebracht wird und natürlich das Board selbst. Für die ersten Übungen gab es sogenannte Softboards, die leicht in der Handhabung und, bei einer eventuellen Kollision, ungefährlicher waren als Hardboards.
Gegend den Wind kämpfend, wurden die Surfbretter und alle anderen Sachen hinunter zum Strand El Cotillo getragen, dessen Wellen sehr human sind und der Sand jedem einen bequemen Ein- und Ausstieg zusichert.
Doch bevor es ins erfrischende Nass ging, wärmten wir unsere Körper mit gemeinsamen Stretch- und Kraftübungen auf, um Verletzungen vorzubeugen. Dann ging es endlich los: Gala erklärte uns die wichtigsten Bewegungsabfolgen beim Surfen, natürlich erst ohne dass wir im Wasser sind.
Und so funktioniert es: Man liegt auf dem Bauch mittig auf dem Surfboard und paddelt. Paddeln ist sowieso das A und O, denn wer gut paddeln kann, verliert wenig Energie, die man wiederum benötigt, um sich zur richtigen Zeit auf das Surfbrett zu heben. Kommt dann die Welle von hinten und fängt an den Surfer vor sich herzuschieben, geht es los: Arme und Beine drücken sich vom Brett weg, ein Bein geht vor und das andere zieht am ersten vorbei, um dann davor platziert zu werden. Dabei steht man so tief wie möglich und mittig auf dem Brett, die Augen, Brust und Arme nach vorne gerichtet und surft die Welle ab. Ganz einfach. Meint man. Was schnell in den Kopf ging, brauchte im Anschluss länger, bis sich auch der Körper an die korrekte Bewegungsabfolge angepasst hat. Entweder waren die Füße nicht mittig, der Oberkörper zu schräg oder man erwischte die Welle so blöd, dass sich die Nase des Brettes in das Wasser grub und man kopfüber in der „Waschmaschine“, gefühlt literweise Salzwasser schluckte. Alle Anfänge sind eben schwer 😀 Dennoch: Schon am ersten Tag klappte es tatsächlich für wenige Sekunden, auf diesem Brett zu stehen – was für ein unglaublich gutes Gefühl das war!
Dieser Tag endete gut, doch die Kopfschmerzen und die Müdigkeit schlugen mir so sehr auf den Magen, dass ich mich gleich ins Bett legte und bis in den nächsten Tag durchschlief.
Der Freitag war das um einiges besser. Nach einem leckeren Frühstück mietete ich mir ein Mountainbike und erkundete die Gegend. Mittags gab es dann die nächste Stunde: wieder in El Cotillo und ja, es wurde von mal zu mal besser! Und tataaaa: Am vierten Surftag lief es dann so richtig gut und sah dann ungefähr so aus:
Etwas high ob des Erfolgs kam es dann dazu, dass man mich fragte, ob ich am nächsten Tag in den Fortgeschrittenenkurs kommen mag. Jene Gruppe surft in Punta Blanca, einem aus schwarzen Vulkangestein gestalteten Riff. Ich sagte zu und hatte Bammel: Ob das bei höherem Wellengang und ohne sicherem Sandstrand genauso klappt? Bald sollte ich es erfahren.
Tag fünf und der letzte Surftag begann früher als die anderen. Wie immer packte jeder mit an; wir luden Neoprenanzüge, Leashes und Boards in und auf das Auto und düsten los. In Punta Blanca angekommen, empfang uns eine unglaublich schöne Dünenlandschaft auf jener einige Surf-Nomaden ihr Zelt aufgeschlagen oder ihren Campingwagen geparkt haben.
Was dann kam, waren routinierte Abläufe: Rein in die Neoprenanzüge, Boards abladen und eine Runde Aufwärmen. An diesem Tag war Marco mein Surflehrer, der anschließend allen Neuankömmlingen zunächst alles erklärte, was man als Surfer an diesem Ort wissen und auf was man achten sollte. Uns wurde gesagt, wo die Wellen brechen und wie wir dort ohne viel Energieverlust hin kamen. Auch wie wir fallen sollten: nämlich flach nach hinten. Es war schon ein aufregendes Gefühl, als es dann endlich ins Wasser ging und wir anfingen zu paddeln, paddeln, paddeln, zu ….
Dieses Paddeln hatte ich zugegeben komplett unterschätzt. Bein Bizeps und die oberen Bauchmuskeln taten so, als hätten wir uns vorher nicht gekannt. Man paddelte den Wellen entgegen, rauf und runter und bis zu der Stelle, an der sie rechts von einem anfangen zu brechen. „Ihr müsst den Schaum hinter euch haben, wenn ihr die Welle reiten wollt!“ rief uns Marco zu. Und die Welle an der richtigen Stelle zu erwischen, ist gar nicht so einfach. Aber zum Glück gibt es an dem Tag genug davon. Bis meine Kräfte nachließen und ich die richtig schönen Brecher nicht mehr stehen konnte. Ich konnte nicht mehr. Nicht mehr paddeln und mich nicht mehr aufrichten. Mein Körper war trotz der Pausen zwischendrin, einfach durch. Meine Grenze war erreicht – und es machte mir gar nichts aus.
Zufrieden davon, was ich in den wenigen Tagen erreicht habe, paddelte ich mich zurück an den Strand und genoss restlos ausgepowert den Ausblick auf´s Meer. Nur wenige Tage zuvor konnte ich mir nicht vorstellen, wie es ist zu surfen. Ein Spiel mit der Natur, ohne sie dabei zu behindern oder zu zerstören. Es ist auch ein Messen mit dem eigenen Körper, der dem eigenen Ehrgeiz aber auch der Freude am Wellenreiten standhalten muss. An diesem Tag ruhte alles in mir und ich war dankbar für diese Erfahrung.
Das Planet SurfCamp auf Fuerteventura
Die Unterkunft – Das Camp selbst war für mich schwierig zu finden. Zum einen hatte mich der Shuttlefahrer falsch abgesetzt und zum anderen fand ich weder Schild noch Busse vor dem Surfcamp vor, die mir hätten zeigen können, wo es ist. Mit telefonischer Hilfe wurde ich doch noch fündig und auch weil man mich am nahegelegenen Supermarkt abholte. Mein Zimmer teilte ich mit drei anderen Mädels und traf es wirklich gut damit. In der Unterkunft gibt es zwei Küchen mit Kühlschränken und allen notwendigen Utensilien und einen großen Ess- und Gruppenraum.
Sitz- und Liegemöglichkeiten gibt es einige um die Gebäude herum und sind saubequem. Sogar oben auf dem Dach gibt es Liegeflächen, die ich für so manch laue Nacht als Schlafplatz „missbrauchte“. Es war einfach zu schön 🙂
Im unteren Bereich lässt es sich wahlweise im Schatten oder in der Sonne, auf Liegen oder in der Hängematte herrlich relaxen. Ein Billardtisch und eine Tischtennisplatte gibt es für den spielerischen Zeitvertreib, auch einen großen BBQ-Grill und ein langer Esstisch stehen für gemeinsame Abende bereit, die wir auch hatten 🙂
Das Surfcamp hat außerdem einen kleinen Pool für all jene, die kurzfristig nach Erfrischung suchen.
Der Unterricht – Dieser findet von Montags bis Freitags statt (Samstag und Sonntag ist Pause) und wird in den Anfänger und Fortgeschrittene unterteilt. Pro Lehrer waren es nie mehr als acht Schüler_innen, die für rund drei Stunden unterwegs waren (oder waren es sogar mehr? Die Zeit habe ich beim Surfen immer vergessen 🙂 ). Der Unterricht findet auf Englisch statt (zumindest war es bei mir so). Zweimal die Woche kommt Tito, der Fotograf ins Camp und fotografiert mit professionellen Kameras alle Schülerinnen und Schüler während ihrer Surfsessions. Die CDs kann man für 25 EUR käuflich erwerben. Ein Tipp von mir an die Surfwilligen unter Euch:
Reist unter der Woche an, damit Ihr am Wochenende entspannen könnt. Fünf Tage hintereinander surfen kann für normalfitte äußerst anstrengend sein.
Das Surfmaterial – Für jeden Schüler gab es einen passenden Neoprenanzug, ein blaues Shirt (zur Wiedererkennung im Wasser) eine Leash und ein passend großes Softboard. Wenn man sich gut anstellte, durfte man sich auch ein Hardboard ausleihen, doch davon war ich noch meilenweit entfernt 😀 Für die felsigeren Strände kann sich jeder auch Neoprenschuhe borgen.
In SurfCamp Nähe – Wer an der Düne am Strand entspannen möchte, kommt hier voll auf seine Kosten. Der nahegelegene und unter Naturschutz stehende Park ist einfach unglaublich und auch bei Hochsaison nicht überfüllt. Für einen kleinen Obolus von 4 EUR kann man sich vom Surfcamp ein Rad (Mountain- oder Citybike) leihen und ist in wenigen Minuten dort. An der Stelle war ich nicht geizig und nutzte es gleich drei Tage hintereinander, gerade auch am Wochenende. Jenes lässt sich auch gut nutzen, wenn man zum Wandern auf einen Vulkan fahren oder mit der Fähre nach Lanzarote möchte.
Wer Shoppen mag, essen gehen oder sich einfach mal das Städchen Corralejo ansehen möchte, hat in Laufnähe unendlich viele Möglichkeiten dazu. Es gibt viele günstige Gelegenheiten sein Geld unter die Leute zu bringen – packt auf jeden Fall genug davon ein und den Rucksack nicht so voll 😉 Wer lieber ein Erlebnis buchen möchte, kommt auch hier voll auf seine Kosten, allerdings fast nicht ohne Mietwagen. Diesen gibt es auf Onlineplattformen aber schon für 37 EUR für drei Tage (Übergabe ist mit leerem Tank). Einfach mal suchen! 🙂
Was nehme ich für mich aus der Woche mit?
Sicher bin ich nun einige Erlebnisse reicher, mehr muss es gar nicht sein. Das Wellenreiten werde ich in Deutschland sicher nicht weiter machen, doch das wusste ich schon vorher. Aber warum nicht wieder in einem Urlaub? Wenn es Boards zum Leihen gibt, wird das ganz sicher passieren. Was ich anders machen würde, wäre, zu einer anderen Zeit nach Fuerteventura zu reisen. Diese Touristenmassen hatte ich komplett unterschätzt… Ich kann daran nichts Schönes finden, immer nur Deutsch oder Englisch zu sprechen und weder mit einheimischen Gerichten noch mit den Einheimischen selbst in Kontakt zu kommen. Gerade das ist für mich beim Reisen das „Salz in der Suppe“ und etwas, was sonst so schnell niemand erlebt. Aber zur falschen Zeit gereist zu sein, da muss ich mich an die eigene Nase fassen – daher macht den Fehler nicht oder nur, wenn Euch das so gefällt 😉
Disclaimer
Ich wurde vom Planet SurfCamp für eine Woche eingeladen, um surfen zu lernen. Romy aka snoopsmaus verdanke ich den Kontakt dorthin. Euch beiden: Ein dickes Dankeschön für diese tolle Zeit! Trotz der Einladung ist meine Meinung nicht zu kaufen, sodass alles, was hier steht, aus eigener Überzeugung geschrieben wurde.
Welchen Sport wolltest Du schon immer mal erlernen?













Super! Super! Super! Bin dabei! Liebe surfen!
Hast Du es schon mal versucht? Ich fand es brutal anstrengend – vor allem die Paddelei. Himmel! 😀
Hey,
toller Bericht. Auch wir wollen dieses Jahr das Surfen lernen und werden dies aber erst in der rauhen Nordsee tun. Im September soll es dann an die Algarve gehen. Aber Feuerte wäre auch eine Option.
Vielen Dank für deine ausführlichen Berichte.
Julia