Der Tag der Tage, nämlich jener, an dem wir nach Italien fahren wollten, empfing und schon früh mit Arbeit. Ich bin kein Freund davon noch am selben Tag, an dem man in den Urlaub fahren möchte, ins Büro muss – aber diesmal ging es nicht anders. Leicht gehetzt kam ich dann um halb zwei endlich Zuhause an, packte den Rest in Backpack und Taschen, um mich dann mit meiner besseren Hälfte ins Auto zu schwingen und den langen Weg nach Bassano del Grappa anzutreten. Und dieser Weg war verdammt lang und das nicht nur, weil wir generell immer ach bis neun Stunden von Saarbrücken aus bis dorthin unterwegs sind, sondern auch weil es diesmal über den Fernpass – na, sagen wir – schneeweiße Komplikationen gab.
Völlig erschöpft und mit rund drei Stunden Verspätung, landeten wir in dem vermutlich schlechtesten Hotel der ganzen Region, das zur Osternzeit natürlich auch nicht gerade mit den Preisen hadert. Trotz des kalten Zimmers, den verstaubten Möbeln, der Hauptstraße vor den alten Fenstern und der durchgelegenen Matratze, schliefen wir schnell ein. Ein Segen.
Am nächsten Morgen: Würg. Italiener können einfach kein Frühstück – oder liegt es nur am Hotel? Wir sind um acht im Frühstücksraum und schauen ungläubig auf die strahlend weißen Brötchen, Haselnusscreme, pappsüße Schokoflakes, auf den Honig und den trockenen Kuchen von gestern. Leere Kalorien, wohin das Auge reicht. Also nehme ich mir drei Tassen Kaffee und hoffe, dass mir das bis zum Nachmittag reicht.
Allen Startschwierigkeiten zum Trotz, das Wetter entschädigt für alles. Während sich die Jungs zur Trofeo Monte Grappa zum Gleitschirmwettbewerb aufmachen, packe ich gemütlich meinen Packsack, ziehe mir warme Klamotten an und mache mich auf den kurzen Laufweg zum Shuttle, der mich auf dem Berg bringen soll. All das klappt wie am Schnürchen und kurze Zeit später sitze ich am Startplatz bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Wind von vorne. Dieses Bild entstand keine 14 Stunden nachdem wir noch auf dem Fernpass das Auto vom Neuschnee befreiten. Irre 😀
Dann plötzlich, lies mich mein Vario im Stich. Egal – wozu gibt es denn den „Popometer“? Der Flug war wunderbar und genau das Richtige.
Am darauffolgenden Tag und nach dem zweiten, frühstückslosen Tagesstart, ging es diesmal mit der GoPro zum Fliegen. Wie sich herausstellte, war dies eine sehr gute Entscheidung, denn der Flugtag hätte kaum besser sein können. Strahlend blauer Himmel, gleichmäßige Thermik und eine glasklare Sicht, die weit bis ans Meer und nach Venedig reichte.
Dummerweise wollte das Wetter am nächsten Tag nicht mehr so schön weiterspielen und auch die Trofeo hatte Zwangspause eingelegt. Und was macht man an solchen Tagen? Eigentlich nur Unfug, wie haufenweise Geld im Outdoor Outlet-Shops auszugeben, „halsbrecherische“ Kunststücke einzuüben…
… oder Fahrräder für Sand und Schnee probezufahren – von dem ich fast runtergefallen bin, weil diese Kackbremsen mal echt zugeschlagen haben 😀
Also alles nur halb so spannend aber wenigstens abwechslungsreich 😉
Es gibt Tage, da würde ich die Fliegerei am Liebsten an den Nagel hängen…
Am letzten Tag in Bassano war Ostermontag und eine unendlich riesige Menschenmenge war mit ner Tasse um den Hals, auf Pilgerwanderung. Das wäre alles nicht so schlimm gewesen, wenn nicht das der Grund gewesen wäre, warum am Shuttleplatz an dem Tag kein Shuttle fuhr! Nachdem ich mein eigenes (mitgebrachtes) Frühstück im Hotel verspeiste und recht früh am besagten Platz war, hoffte ich dennoch rechtzeitig auf den Berg zu kommen – und wenn ich per Anhalter mitführe. Am nahegelegenen Landeplatz fand ich dann auch eine Gleitschirmreisegruppe, die mich auch mitgenommen hätte, wäre noch Platz im Bus gewesen. Den Höhenflüglern vor der Nase fliegend sehen, entschied ich, das eigene Auto zu holen, um hoch zu fahren. Doch siehe da: Auf dem Weg zum Hotel kommt mir ein leeres Shuttle entgegen und wartete am Landeplatz auf Kundschaft. Mein Glück kaum fassend, kehrte ich auf dem Absatz und schwang hoffnungsvoll darüber, bald am Startplatz sein zu können, meinen Gleitschirmpacksack in den Wagen und wartete. Und wartete. Und wartete. Oh – ein weiterer Pilot gesellte seinen zu meinem und dann warteten wir zu dritt (mit seiner Freundin). Und warteten. Und warteten. Die Hölle auf Erden tut sich breit, wenn man unbedingt fliegen möchte und gefühlt schon jeder in der Luft ist, nur man selbst nicht. Unser Shuttlefahrer war dann so dreist und versprach uns, wiederzukommen – er wolle nur kurz woanders noch Piloten aufgabeln. Wir nahmen unsere Packsäcke raus und sahen den Fahrer natürlich nie wieder. Mit Wut im Bauch holte ich dann endlich das eigene Auto (hätte ich schon viel früher tun können!), nahm noch den anderen Piloten dazu und wir fuhren endlich hoch. Das waren 1,5 Stunden Wartezeit am Boden, neuer Rekord. Oben angekommen dann das nächste Drama: Am Startplatz boten sich zirkusartige Vorführungen bei den Starts. Etliche Abbrücke, Gerade-So-Rauskommer, einer flog nach einer heftigen Ablösung sogar geradewegs zurück zum Startplatz und hatte Glück, dass die Windfahne seinen Aufprall abfing. Weiter draußen boten sich ähnliche Bilder und ich entschied besser zu warten. Und ich wartete lange. Sehr, sehr lange. Nach drei Stunden des Wartens der Take-Off – ein direkter Abgleiter zum Landeplatz. Flugzeit: 10 Minuten.
Nun ja, ich werde natürlich nicht mit dem Fliegen aufhören, dafür überwiegen die schönen Tage dann eben doch 🙂 Wann wir die nächste Tour mit dem Gleitschirm unternehmen, wissen wir derzeit noch nicht genau. Wenn das Wetter aber passt, dann wird uns so schnell nichts halten – ist doch klar 🙂
Übrigens, falls Ihr auch mal nach Bassano bzw. Semonzo zum Fliegen, Wandern, Kanufahren oder Biken möchtet (kann man dort alles ziemlich gut!):







Toll 🙂
Viva italia!
Jawoll ja!
Entspannung naht: Die Antica Abbazia baut grad angeblich nen eigenen Shuttleservice auf, weil das nicht richtig funktioniert…
Oh, da bin ich gespannt. Eigentlich klappt’s meistens ganz ok aber an Ostermontag war’s schon blöd. Warten wir es ab. Danke für den Hinweis! 🙂
Solche Tage wie du beschreibst hatte ich auch schon einige. Da hilft nur noch ruhig bleiben und auf Besserung hoffen 🙂
Da hast Du recht, Moritz. Das Warten ist für jemand „hippeligen“ wie mich oft gar nicht so einfach 😀