ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ Draußen pfeift der Wind um die Fassade des Weinguts. Ich liege in meinem schneeweißen Bett, in einem schneeweißen Zimmer und verfluche das letzte Weinglas von gestern ein wenig. Links neben mir greife ich zur Wasserflasche und trinke einen ordentlichen Schluck. Irgendwas rappelt da draußen und ich gehe neugierig ans Fenster. Der frische Wind hebt mir mein Haar, als ich das Fenster öffne. Im Blau der Morgendämmerung erkenne ich wilde Wolken am schwedischen Himmel. Es ist noch früh in Arild, in der südschwedischen Provinz Skåne. Bevor ich mich auf die bevorstehende Küstenwanderung in Kullaberg freue, ziehe ich mir eine Jacke über, schnappe meine Kamera und lasse mir die Frisur beim Fotografieren dann gänzlich vom Wind verstrubbeln. Jetzt bin ich wach.
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Vorbereitung auf die Küstenwanderung im Kullaberg Naturschutzgebiet
Beitragsinhalt
Das Wetter hat uns überrascht. Wind peitscht das Meer auf, das an der rauen Nordwestkünste von Skåne an den steilen Abgründen zum Öresund zerschellt. Ich sehe ein, dass Paddeln, wie ursprünglich vorgesehen, keinen Sinn macht und erwarte gleichzeitig freudig den Zeitpunkt, an dem wir zur Wanderung aufbrechen. David, unser Guide, begrüßt uns am Treffpunkt auf der Halbinsel Kullaberg und verhaftet gleich vier von uns, die die Kletterausrüstung zur Wanderung mitnehmen sollen. Auch ich schlüpfe in eines der Gurte, hake die Karabiner seitlich ein und den rosa Helm auch gleich dazu. Nicht schön aber nützlich. Und es nervt fast gar nicht beim Laufen.

Erster Ausblick zur Küste
Küste in Skåne: Wildes Wasser und rote Felsen
Der Wachturm ist mit Gerüsten umbaut, was ihn heute von Außen nicht ansehnlich macht. Dafür dürfen wir mal ins einzige Gästezimmer und das hängende Bett mit Ausblick auf´s Meer bestauen. Irre. Hier würde ich nie wieder raus wollen – was die Minute drauf leider direkt passiert. David lotst uns hinab zu den Felsen und nah ans wilde Wasser, das bei jeder Welle um die roten Felsen wirbelt. Wir wollen zu einer Höhle, die wir, wie sich nun herausstellt, über diesen Weg nicht erreichen können. Die Gruppe dreht um und wir entdecken dafür von weiter oben die schäumende See und grasgrüne Landschaften, gedeckelt mit verwaschenen Wolken, die vielleicht noch mehr Wind bekommen als wir am Boden. Atemberaubend schön. Wild. Natürlich. Nicht umsonst wurde die Region Kullaberg mit mehreren Preisen ausgezeichnet und steht im Michelin Green Guide. Letztes Jahr schon liebäugelte ich damit, auf dem Skåneleden-Trail zu wandern – was genau jetzt passiert – wenn auch nur für einen halben Tag.

Mit voller Energie schmeißen sich die Wellen an den Fels.
Info zum Skåneleden-Trail
Dieser Fernwanderwanderweg führt auf mehr als 1000 Kilometern durch das ländliche Skåne. Die 89 Etappen bestehen aus fünf regionalen Teilabschnitten und können individuell zusammengestellt werden: entweder als Strecke und auch Rundwanderungen sind möglich. Die Orientierung erleichtert die orangefarbene Schildermarkierung. Praktisch: Auf der Homepage Skåneleden kannst du dir deine Strecken interaktiv so zusammenstellen, wie du Zeit und Lust hast – inklusive Informationen zu Restaurants, Unterkünften und vielem mehr.

Wunderbarer Ausblick auf das wilde Wasser.

Wildes, schäumendes, raues Meer. Wunderbar <3

Pause an der rauen Küste
Das Gesicht zum Himmel
Ich sitze windgeschützt im Gras und zweifle: Daaaa runter dürfen wir uns abseilen? Dann noch dieser Wind! Puh. Innere Unruhe. Unentschlossenheit. Da, wo ich die Tage zuvor noch mutig als erste den Baum bestieg, bekomme ich hier wackelige Knie. Ich inspiziere in vorgebeugter Haltung nochmals die aalglatte Felswand, die weiter unten direkt neben der felsigen Küste aufkommt. Soll ich? Soll ich nicht? Wie gut, dass Alfred aus der Gruppe sich der Herausforderung stellt – so kann ich zusehen. David weist ihn ein und zeigt genau, wie er das Seil beim Abseilen halten muss. Alfred übernimmt und dann sieht plötzlich alles ganz easy aus. Hm. Jeannine ergreift anschließend die Initiative und hat sichtlich Freude daran, sich der Naturgewalt hinzugeben. Cool. Manchmal braucht es wohl den Lemminge-Effekt – David hängt mich ein, erklärt mir kurz was ich tun muss und schon hänge ich mit dem Gesicht zum Himmel im 90 Grad Winkel auf 20 Metern Höhe. MEGA!

Nach anfänglicher Skepsis macht´s eben so richtig Spaß!

Abseilen am Fels
Wie Salzwasser in den Schuh kommt
Und als alle, die wollten, sich ihren Adrenalinschub abholten, geht es geschlossen weiter: zur rechten immer das wilde Meer, vorbei an einem Golfplatz und hin zum ersten Strand Europas, wo Männer und Frauen gemeinsam baden durften. Um letzteren genauer zu betrachten ist es nötig, die Stufen an einem Restaurant vorbei zu nehmen und direkt ans Wasser zu laufen. Eine Welle kommt – RRRUSCHSCHSCH – und ging wieder. Meine Wanderkollegen vor mir beeilen sich, die großen Steine entlang des Ufers zu überwinden, um an die trockene Stelle zu gelangen. RRRUSCHSCHSCH – die nächste Welle kommt flott und unerwartet. Salzwasser fließt in meinen rechten Wanderschuh und ich spüre, wie es mir feucht und kalt Millimeter für Millimeter tiefer in die Socke kriecht. Iiiiiiihhhhhh. Dann nehme ich die Beine in die Hand und laufe schnell auf die Stelle, wohin das Wasser mich nicht mehr erwischen kann.

Dieser Golfplatz liegt mitten im Naturschutzgebiet – das darf er, weil er vorher schon da war, bevor das Gebiet geschützt wurde.

Dieser Strand war der erste, an dem in Europa Männer und Frauen zusammen baden gehen durften.

Vorsicht: Salzwasser im Wanderschuh nicht ausgeschlossen!
Ankunft in der Hafenstadt Mölle
Zwei Kilometer später, dann mit trockenen Füßen, erreichen wir unser Ziel, das urige Hafenstädtchen Mölle. Mittlerweile hat es angefangen leicht zu regnen, was einige Wellenreiter nicht davon abhält, sich in die Wellen zu werfen, um auf den schönsten von ihnen zu surfen. Instinktiv ziehe ich meinen Reißverschluss am Hals weiter hoch zum Kinn und vergrabe selbiges darin, um ehrfürchtig und mit leicht gesenktem Kopf die Sportler im Wasser zu beobachten. Wir biegen schließlich ins Stadtinnere ab und kehren kurz darauf in das sehr unkonventionelle Café Mölle Krukmakeri ein. Zum Ende der Wanderung ein heißer Kaffee. Mehr braucht es jetzt nicht.
Tipp: Die Wanderung mit GPS-Koordinaten und weiteren Bildern findest Du hier auf komoot: https://www.komoot.de/tour/47185088

Schäumende Wellen an der Küste.
Mountain-Bike Tour mit Fatbike im Naturschutzreservat Kullaberg
Meine Hand umfast kaum das komplette Stollenrad des Leih-Fahrrads. Nicht, weil sie so klein, mehr weil es so groß ist. Unser Wander-Guide David ist auch unser Fahrrad-Guide, der gerade darum bat, dass sich jeder ein passendes Bike raussucht. Dieses zweirädrige gelbe Monster ist für die nächsten 2-3 Stunden mein Transportmittel und ich freue mich wie Bolle auf den Test im nahe gelegenen Wald – vermutlich mit leicht glitschigen Pfaden.

Start der MTB Tour
Bevor es abwärts geht, geht es aufwärts
Wir strampeln gemütlich in Richtung Kullaberg und machen uns langsam mit der Ausrüstung vertraut. Schnell merke ich wie sicher sich mein Fatbike über den Wurzeln anfühlt. Schmale Pfade nehme ich mit Schwung indem ich mich vom Sattel hebe und den Schwerpunkt nach hinten verlagere. Geht noch, trotz wenig Routine beim Mountainbiken. Doch der Kullaberg ist noch lange nicht erklommen: jetzt geht´s erst ordentlich hoch.
Den breiteren Waldweg verlassen wir irgendwann und genießen den handbreiten Trail. Es hat wieder angefangen leicht zu regnen, doch das macht nichts. Die Abkühlung im Gesicht ist angenehm und lang währt der Regen sowieso nicht. Am Gipfel angekommen lacht die Sonne wieder und macht die Sicht frei auf das strahlend blaue Meer. Pause. Etwas trinken. Und etwas Quatsch machen. Dann verspricht und David noch ein Special, das uns allen auf eine kleine Mutprobe stellt.

Meerblick vom Kullaberg

mein Fatbike
Mutprobe
Wenige Kilometer weiter sehen wir was er meint: Der Weg vor uns geht steil bergab, über einen kleinen Bach rüber und danach wieder steil bergauf. „Wer möchte als erstes?“ Ich stehe vorne und setze den ich-bin-gar-nicht-da-Blick auf. „Bianca! Du stehst gerade günstig.“ Toll. Ich kann geradezu spüren, wie die Steine von den Herzen aller anderen herunter plumpsen. Nur meins nicht. Schön. Das kann ja nicht so schwer sein. Mich packt der Ehrgeiz… Ich trete, trete, treeeete – uff. Noch über den Bach, doch dann fällt mein Bike laaangsam zur Seite – bis mein Fuß es abfängt. Ich schnaufe und sehe zurück: Der nächste macht es etwas besser, manche schieben lieber. Ein tiefer Atemzug, dann feure ich den nächsten an, der es bis ganz nach oben schafft. Cool! David kommt nach und wir ziehen weiter – dann auch schon wieder heimwärts nach Mölle an den Hafen.
Doch nicht ohne nochmal einen schmalen Trail zu nehmen: David erklärt, dass dieser anfangs recht gemütlich ist und dann immer steiler wird. Das letzte Stück werden wir laufen, sonst wird das zu gefährlich. Er fährt vor, wir hinterher – und alle haben auf der letzten Abfahrt nochmal so richtig Spaß!

Spaß und Anstrengung wird geboten.
Zurück in Mölle
Unten in Mölle angekommen geben wir die Räder und Leihrucksäcke ab, die wir netterweise bekamen, um unsere eigenen vor dem Dreck zu schützen. Die Hosen hat es von uns allen aber schwer erwischt: braune Erdstreifen durchziehen uns von Kopf bis Po. Wir lachen und machen Bilder. Was für ein gelungener Tag!
Tipp: GPS-Koordinaten und MTB Tourenkarte gibt es hier: https://www.komoot.de/tour/47217841

Herbstlicher Wald am Kullaberg
Ankunft im Hotel am Meer
Angenehm erschöpft rollt das Shuttle mit uns auf den Parkplatz des Hotels Rusthållargården, das nur wenige Kilometer vom gestrigen Weingut steht und quasi fast direkt am Meer in Arild liegt. Hier nisten wir uns für eine Nacht in kleinere Bungalows ein, jedes einzelne mit Seeblick. Doch dafür nehme ich mir lieber morgen Zeit: jetzt ruft zunächst eine heiße Dusche, frische Klamotten und dann geht´s bald schon weiter zum Essen. YEAH!

Ausblick aus dem Hotell Rusthållargården
Infos für Deinen perfekten Tag im Kullaberg Naturschutzgebiet:
Unseren Guide David kannst Du auf http://www.kullabergsguiderna.se buchen.
Tipps für Dein Outdoor-Abenteuer
- Küstenwanderung: Karte mit GPS-Koordinaten: https://www.komoot.de/tour/47185088
- MTB-Tour: Karte mit GPS-Koordinaten: https://www.komoot.de/tour/47217841
- Skåneleden-Trail: Auf der Homepage Skåneleden kannst du dir deine Strecken interaktiv zusammenstellen.
Restaurant und Café
- Kunst-Café und Restaurant: Mölle Krukmakeri
- Open Air Grill (Öffnungszeiten beachten!): Holy Smoke BBQ
Unterkünfte in Arild
- Auf booking.com buchen: Hotell Rusthållargården in Arild* mit Blick auf die Bucht von Skälderviken (Google Maps)
- Auf booking.com buchen: Arilds Vingård (Weingut)* mit Weinverköstigung (Google Maps)
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Skåne entdecken: Alle Beiträge der Rundreise in Südschweden
- Teil 1 | Warum ich in Schweden den Kaffee im Baum trank
- Teil 2 | Vom Glück, alles zu verlieren und dann im Wald zu baden
- Teil 3 | Salzwasser im Wanderschuh
