ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ Zwischen der Schwäbischen Alb und dem Bodensee, in der Nähe zum Schwarzwald und dem Allgäu liegt das Donautal. Als ich zum ersten Mal von dem Städtchen Beuron hörte, konnte ich damit wenig anfangen. Mehr hingegen wusste ich von der Donauwelle – zumindest als Kuchen. Doch die Donauwelle gibt es nicht nur als Süßspeise: Mit Anita, meine gute Seele während des Wochenendes im Donaubergland, bin ich heute, an einem wundervollen Sommertag im Juni, auf der Donaufelsen-Tour unterwegs und somit auf Donauwellen-Entdeckungstour. Der Plan ist den Zug von Beuron nach Fridingen zu nehmen, um von dort direkt in die Wanderung zu starten. Tipp: Alle Zahlen, Daten, Fakten findest Du am Ende dieses Beitrags.
Start der Donaufelsen-Tour
Beitragsinhalt
Die Zugfahrt dauert gerade mal 6 Minuten von Beuron nach Fridingen. Wir haben uns für die Bahnhof-zu-Bahnhof Variante entschieden, um das Auto einfach mal stehenlassen zu können.
In Fridingen angekommen drehe ich mir meine Wanderstöcke auseinander und gehe Anita hinterher – sie kennt sich so viel besser aus und ist daher mein Guide. Der erste Anstieg erwartet uns noch im Dorf und begleitet uns auf einem Wirtschaftsweg in einen Wald und auf ein Feld. An der höchsten Stelle angekommen gibt´s dann gleich zwei Überraschungen: die erste ist die berühmte Aussicht vom Knopfmacherfelsen auf das Donautal, die zweite ist (endlich!) meine Donauwelle und zwar im Berghaus Knopfmacher – quasi als zweites Frühstück. Genau hier beginnt übrigens offiziell Weg der Donaufelsen-Tour für alle, die mit dem Auto kommen.
Alle Highlights und Sehenswürdigkeiten auf der Donaufelsen-Tour
1. Knopfmacherfelsen
Um den Knopfmacherfelsen rankt eine Sage und zwar die, des ehrbaren Knopfmacher Fidelis Martin: „Am 04. April 1823 stürzte er hier ab, nachdem er mit seinem Pferd vom Markt in Tuttlingen kam und auf dem Weg von Fridingen nach Beuron war. Auf der Höhe der alten Schanze holte ihn die Dunkelheit ein. Der Sage nach begegnete dem Knopfmacher das Hardtfräulein und führte den Mann auf den steilen Felsen hinaus. Da stürzten Mann und Ross hinunter. Erst 14 Tage später fand sie der Klosterschäfer von Beuron tot am Fuße des Felsens.“
Als Anita und ich hier oben ankommen, mussten wir zuerst an die Aussichtsstelle: Von hier oben gibt es eine atemberaubende Sicht hinab ins Donautal! Aber nicht nur das: ganz in der Nähe befindet sich ein hübsches Restaurant, wo ich mir ein zweites Frühstück schmecken lasse – eine Donauwelle. Endlich!

Vom Knopfmacherfelsen blickt man weit ins Donautal

Wild romantisch schlängelt sich die Obere Donau hier entlang.
2. Stiegelesfelsen
Vorbei an der Mattheisener Kapelle, wandern wir zum berühmten Stiegelesfelsen und trauen unseren Ohren kaum: Ballermannmusik! Ach herrje. Darauf zu warten, dass die herannahende Gruppe schnell an uns vorbei zieht, ersparen wir uns und gehen ihr entgegen. Krach, Bier und teils dumme Sprüche verunreinigen die Atmosphäre – ärgerlich. Sehr. Geschätzt 30 Minuten dauert der Spuk, dann fühlen wir uns auf dem schmalen Pfad wieder richtig wohl.

Blick auf den berühmten Stiegelesfelsen

Fels und Wasser – ein wildromantischer Ausblick
3. Laibfelsen
Ein kurzes Stück weiter hört der Weg plötzlich auf und rechts von uns weitet sich die Landschaft: Wir stehen auf dem Laibfelsen auf fast 1.000 Metern Höhe. Der Ausblick ist atemberaubend. Unter uns schlengelt sich ein Weg und ich lasse mir erklären, dass unser Blick auf die Ziegelhütte fällt. Der Laibfelsen heißt so, weil er die Form eines länglichen Laibes hat. Vermutlich mehr ein Brot als ein Mensch – Kopf und Glieder konnte ich jedenfalls keine erkennen 😉 Von hier aus machen wir uns an den Abstieg und wandern hinab, um anschließend die junge Donau zu überqueren.
4. Vesperstube Ziegelhütte
Fast sieben Kilometer sind wir bis zur Ziegelhütte gelaufen, die heute, wie meistens an sommerlichen Wochenende, geöffnet hat. Hier gönnen wir uns jeweils eine kühle Johannisbeerschorle, die angesichts der höher werdenden Temperaturen eine echte Wohltat ist. So langsam kommt auch schon der Hunger auf, doch hier essen wir nichts. Das Picknick wollen wir uns nach den nächsten Kilometern genehmigen – von dort aus ist der Ausblick ungleich schöner!

Vom Laibfelsen aus sieht man links unten die Ziegelhütte.

Sommerliche Stimmung 🙂
5. Blick ins Donautal von der Ruine Kallenberg
Ich denke und übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass Anita ein wandelndes Donaubergland-Lexikon ist. Egal was ich sie frage, sie weiß immer eine detailreiche Antwort. Das dürfen jetzt auch drei Wanderinnen erfahren, die uns nach dem Weg fragen. Anita ist in ihrem Element und erklärt Richtung, Wege, Streckenlänge und kommende Sehenswürdigkeiten. Das hatten die drei so nicht erwartet und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie sich uns gerne angeschlossen hätten. Doch bergan holen wir sie flott ein und biegen dann auch bald zur Ruine ab.
Dann ist endlich Picknick, doch vorher taucht die Ruine Kallenberg wie aus dem Nichts hinter Bäumen auf. Zuerst nur eine Mauer, dann… ja dann… dieser Ausblick! Übermütig klettere ich auf das alte Gemäuer, wohl wissend, dass ein Fehltritt höchst ungesund werden könnte. Doch alles klappt: Von hier oben sehe ich weit in das Donautal hinein und im Angesicht der alten Burg und der Einsamkeit, mache ich dies zu meinem Lieblingsplatz auf der Tour. Wahnsinn!

Ausblick von der Ruine Kallenberg – so unglaublich schön <3

Wilder Thymian an der Ruine Kallenberg
6. Schloss Bronnen
Gestärkt und ausgeruht geht es weiter – vorbei an der eher unscheinbaren Kallenberghöhle, einem leider zugewachsenen Ausblick über das Donautal, hin zum „Gespensterschlössle“ Bronnen (liebe Schwaben, Horror klingt anders. So wird das nie was mit dem Gruseltourismus 😀 ). Dieses Schloss steht wirklich sehr imposant auf einem riesigen Kalksteinfelsen und ist nur über eine schmale Brücke erreichbar. Leider ist das Schloss im Privatbesitz, sonst wäre eine Führung vielleicht drin gewesen. Vom Gespenst wird erzählt:
Die hochrangige Nazi-Dame Gertrud Scholtz-Klink (1902-1999) zog damals als frischgebackene NS-„Reichsfrauenführerin“ (und Chefin des Deutschen Roten Kreuzes) nach einer Enteignung im Schloss Bronnen ein. Hermann-Peter Steinmüller schreibt im Südkurier von einer Geistergeschichte: So erzählt man sich in der Gegend, ein Spukerlebnis auf der Burg habe Scholtz-Klink derart erschreckt, dass sie zu den Mönchen auf dem benachbarten Gallushof geflüchtet sei. Mit Verweis auf die Klausur hätten die dortigen Mönche der aufgebrachten Frau den Einlass verwehrt, woraufhin sie die Nacht im Kuhstall habe verbringen müssen.
Übrigens: in so manchen Geisterforen erzählt man sich gruselige Geschichten über seltsame Begegnungen im Schloss. Für Mutige unter Euch: Siehe hier und hier 😉

Das Schloss Bronnen mit dem einzigen Weg hinein: der Brücke

Die Jägerhaushöhle beim Schloss Bronnen
Zurück in Beuron
Knapp 600 Höhen- und 18 Kilometer später treffen wir über eine Teilstrecke des Rundwanderwegs wieder in Beuron ein. Ich gehe relativ zügig auf mein Zimmer, denn noch bevor wir am Schloss Bronnen eintragen, ereignete sich ein blödes Missgeschick: Der Pfad war schräg und mit Steinchen bedeckt – eine unachtsame Sekunde nur, und ich fiel sehr unsanft seitlich auf die rechte Hüftseite. Eine blutende Schürfwunde und zwei dicke, dunkelblaue Beulen an der Hüfte und dem Unterschenkel zieren das rechte Bein nun, was etwas schmerzt und pocht. Ich reinige die Stelle vorsichtig, dusche mich und gehe runter in den Garten. Deutschland spielt heute gegen Schweden und ich wurde vom Pensionsbesitzer zum BBQ eingeladen. Das kühle Bier hole ich mir dann natürlich nur, um die Beulen schnell abklingen zu lassen 😉

Unendliche Weiten…
Besonderheiten und Wandertipps in der Region
1. Der Fluss ohne Wasser
Es ist ein Naturphänoment, das ihresgleichen sucht: der zweitlängste Strom Europas, die 2.840 km lange Donau, verschwindet mal teils, mal vollständig spurlos im Sand und Geröll. Zwischen Immendingen und Tuttlingen-Möhringen ist die Donau jährlich auf mehr als 3 Kilometern in den zerklüfteten „Oxford“-Kalksteinen (Weißjura-Beta) versickert. Doch nicht ohne, wieder hervorzukommen: Nach maximal 60 Stunden hat das Wasser ein riesiges Höhlen- und Spaltensystem durchlaufen und dadurch auch die europäische Wasserscheide verschoben bzw. überwunden. Im etwa 180 m tiefergelegenen Aachtopf, der größten Quelle Deutschlands, tritt die Donau dann wieder aus. Dadurch entsteht ein weiteres Phänomen: Die Donau mündet so, nicht wie sonst üblich im Schwarzen Meer, sondern gelangt über den Bodensee in den Rhein. Mehr dazu auf der Seite donaubergland.de/donauversickerung.
2. Donaubergland Wanderbus
Seit Juni 2018 gibt es heuer und 2019 einen Testballon: Sonn- und Feiertags werden Wanderbusse angeboten, die zukünftig von Mai bis Ende Oktober für WanderInnen zu festen Fahrplanzeiten bestimmte Haltepunkte anfahren. Der Bus fährt dreimal täglich über Wurmlingen auf den „Rußberg“ und den „Risiberg“, dann über Dürbheim nach Spaichingen (Bahnhof und bis Wanderweg „Heubergdamm“) und weiter über Aldingen nach Denkingen auf das Klippeneck – und anschließend dieselbe Strecke wieder zurück (ebenfalls dreimal). Fahrpläne und Fahrstrecke erfahrt Ihr hier, zudem bietet die Donaubergtouristik Wandertipps mit dem Wanderbus als PDF zum Download an.
3. Die DonauWellen: 5 weitere Premiumwanderwege
- Eichfelsen-Panorama: 12,5 km (ca. 4 Stunden) | Auf- und Abstieg: 450 m. Besonderheiten: Kloster Beuron, zahlreiche Donau-Aussichtsfelsen, Felsengarten Irndorf und mehr. GPS und Infos.
- Donaufelsen-Tour (klassisch): 15,4 km ( ca. 5 Stunden) | Auf- und Abstieg: 600 m. Besonderheiten: Donau-Aussichtsfelsen, Stiegelesfelsen, Bachtal, Bronner Höhlen, Jägerhaushöhle. GPS und Infos.
- Kraftstein-Runde: 10,7 km (ca. 3 Stunden) | Auf- und Abstieg: 370 m. Besonderheiten: Heuberglandschaft, Wacholderheiden, Burganlagen, Kraftstein. GPS und Infos.
- Klippeneck-Steig: 9,3 km (ca. 3:30 Stunden) | Auf- und Abstieg: 300 m. Besonderheiten: Wassertretanlage, ehem. Heubergbahn-Trasse, Unterer Albtraufweg, Dreifaltigkeitsberg mit Kirche und Ausstellung, Aussichtspunkte an Traufkante, „Sonnenstube“ Klippeneck, Segelfluggelände. GPS und Infos.
- Donauversinkung: 13 km (ca. 4 Stunden) | Auf- und Abstieg: 280 m. Besonderheiten: Donauversinkung/Donauversickerung, Aussichtspunkte Hegaulandschaft, Doline Michelsloch, Höwenegg, ehem. Basaltabbau, Donaublick. GPS und Infos.
4. Der Donauberglandweg: Fernwanderung in 4 Etappen
Als schönster Wanderweg 2013 ausgezeichnete Donauberglandweg liegt im landschaftlich reizvollsten Gebiet. Ich selbst durfte auf der Donaufels-Tour ein ganzes Stück auf ihm gehen – traumhaft! Wanderer können die 72 km in 4 Tagesetappen schaffen und dabei im Schnitt 2300 Höhenmeter rauf und runter bewältigen. Der Einstieg liegt in Gosheim und das Ende der Tour führt zum Bahnhof Beuron. Alle Infos zum Weg und den Etappen gibt´s hier.
Lesetipp: Trekking in Deutschland: die schönsten Fernwanderwege sortiert nach Länge

Hier ist die Natur noch intakt <3

Hier gibt es noch seltene Insektenarten.
Fazit zur Donaufelsen-Tour
Ohne Frage ist diese Tour samt ihrer Felsen, Höhlen, Burgen und Ausblicken ein kleines Juwel im Donaubergland. Wer möglichst viel von der Natur sehen möchte und nur wenige Tage in der Region hat, ist auf diesem Wanderweg sehr gut aufgehoben. Die teilweise recht breiten Forstwirtschaftswege fallen kaum auf, sind aber präsent. Und so manche Aussicht ist aufgrund des Naturschutzes nicht mehr ausgeschildert oder zugewachsen – was schade der Tour jedoch keinen Abbruch tut, denn es gibt immer noch genug zu sehen. Wer gerne einkehrt kommt auf der Donaufelsen-Tour genauso auf seine Kosten wie jemand, der lieber Picknick macht. Die gesamte Wanderung ist eine sehr gelungene Komposition für alle, die trittfest sind und ein bisschen Fitness mitbringen – wirklich schwierige Passagen gibt es aber keine. Auch kann ich sie für heiße Tage empfehlen, da die Wege viel im Schatten und im Wald verlaufen.

Wilder Thymian im Donauland
Kompakt: Alle Infos zur Donaufelsen-Tour von Fridingen nach Beuron
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