Das Herz schlägt mir bis zum Hals, als ich über die Absperrung kletterte und unter mir das schwarze Wasserloch in der Schlucht sah. Um mich herum stehen Touristen und glotzten – doch das war mir egal. Ich setzte den rechten Fuß an eine Felsenecke – „bitte brech´ jetzt bloß nicht ab“, hämmerte es in meinem Kopf. Die linke Hand klammerte sich noch an das Geländer, bis zu dem Zeitpunkt als mir der Guide sagte: und jetzt lass los! Ich ließ los – und sprang.
Abenteuer Canyoning – wie alles begann
Beitragsinhalt
Eine Woche zuvor: Für meinen Urlaub hatte ich mir eine schöne Motorradstrecke rausgesucht, die mich für ein paar Tage samt Zelt in die Pfalz und ins Allgäu führen sollte. Es sollte ein Revival meiner einwöchigen Motorradtour nach und in Italien werden, die schon fast nicht mehr wahr ist, so lange ist es schon her. Ja damals – es war eine schöne Reise und doch so verregnet, genau das sollte mir diesmal nicht mehr passieren. Und wirklich, das Wetter war nur zu 50 % auf meiner Seite und so entschied ich mich für eine Planänderung.
Du hast eine Woche frei, reist alleine und kannst tun und lassen, was Du willst. Was tust Du?
Kurzum: eine Motorradtour gab es trotzdem – nur nicht wie geplant eine Woche lang. Dazu später mehr in einem weiteren Blogpost. Vielmehr wollte ich die Woche jetzt dann nutzen, um mir den ein oder anderen Traum zu erfüllen. Dann las ich den Blogbeitrag von René bei Outodoorspirit und wusste es: Ich muss Canyoning unbedingt mal ausprobieren! Ich hatte sodann bei den Canyonauten am 11. Juli 2016 eine Canyoning-Tour durch die Starzlachklamm gebucht. Etwas für „sportliche Einsteiger“ empfand ich auch als Anfänger als „für OK“ und meldete mich nach einem sehr netten Telefon- und Mailkontakt an.
Lesetipp: Canyoning ist Adrenalin in wilder Natur

Gruppenbild vor dem Canyoning-Abenteuer
Canyoning, was ist das eigentlich?
Unter Canyoning versteht man das Schluchtenwandern. Von oben nach unten begeht man eine Schlucht, indem man unterschiedliche Techniken anwendet: So kann man klettern, oder sich einen Wasserfall hinabseilen. Man springt, rutscht oder taucht auch mal unter Felsen hindurch. Und natürlich wandert man auch immer wieder ein Stück oder schwimmt durch tiefes Wasser. Der Reiz an Canyoning liegt dabei im Naturerleben und bei den Adrenalinkicks an den unterschiedlichen Stellen. Soweit die Theorie. Praktisch gesehen müssen die Guides eine gute Ausbildung für Alpin- und Wassersport haben. Sicherheit ist das A und O beim Canyoning – das mag während der Touren manchmal nervig weil zeitraubend sein, ist aber zwingend anzuraten. Sicherheit beginnt schon beim Material: robuste und regelmäßig geprüfte Karabiner und Kletterseile sichern den Canyonauten vor Materialermüdung. Und natürlich sind ein geprüfter Helm, solides Gurtzeug, gutes Schuhwerk und ein möglichst dicker Neoprenanzug guter Schutz gegen Kälte und Verletzungen, die, wie in jedem Outdoor-Sport, bei nicht sachgemäßer Verwendung, verheerend sein können.

Abkühlung nach dem Aufstieg und vor der Canyoning Tour
Welches ist der schlimmste Fehler, den man machen kann?
„nicht auf Dich zu hören“, war meine Antwort auf die Frage von Peter, einer unserer beiden Guides. Zuvor zogen wir nach einem 20-minütigen Aufstieg unsere Neoprenanzüge vollständig an und gesellten uns in die Wasserlöcher zur Abkühlung. „Bist Du Politikerin?“ fragte er verschmitzt, was ich natürlich verneinte. Er antwortete daraufhin, dass die Guides in Punkto Sicherheit alle Risiken abdecken können, doch die objektiven Fehler der Teilnehmenden nicht. Dann gab es für uns alle eine Einweisung in die unterschiedlichen Techniken des Springens, des Abseilens und allgemein in die Organisation während der Wanderung durch die Starzlachklamm Schlucht.
Und dann ging´s los.
Zuerst sind wir ein Stück gegangen, bis zu dem Punkt, an dem wir uns abseilen mussten. Chris, der zweite Guide ging voraus und machte für das Abseilen alles fertig. Dann hangelte sich einer nach dem anderen zu ihm hin, hakte sich um und schon ging es einen Wasserfall hinunter. Das war ein gigantischer Einstieg und man sieht auf dem unteren Bild, wie ich vor Freude jauchze 😀

Kurz vor dem Abseilen oberhalb des Wasserfalls

Canyoning: Abseilen am Wasserfall

Ich schwebe den Wasserfall hinunter 😀
Abseilen, schwimmen, klettern – Canyoning ist ein Outdoor-Sport mit vielen Seiten
Ein Stück weiter mussten wir uns wieder ein wenig abseilen (lassen), was dank unserer Guides auch allen wunderbar gelang. Das darauffolgende Stück schwammen wir bis zum nächsten Felsen, wo wir brav warteten, bis alle dort waren und es weiter gehen konnte. Aufgrund der Gruppengröße war die Warterei manchmal lang, aber was hatte ich an einem herrlich-sommerlichen Sonntag auch anderes erwartet? 😉

Einhängen in der Starzlachklamm

Eine Runde schwimmen
Wieder ein bisschen weiter, konnten wir eine kleine, natürliche Rutsche runterrutschen. Sie sollte ein Vorgeschmack dessen werden, was uns am Ende erwartete. Dazu gleich mehr 🙂

Kleine, natürliche Rutsche in der Starzlachklamm
Als wir schwimmend dann einen Badetümpel erreichten ging´s nun endlich zum richtigen Springen. Drei Meter sollten es zunächst werden (wie hier im Bild) und ja, das war schon lustig. Doch so richtig Spaß machte es dann erst, als wir weiter zum 8-Meter Sprung gingen. Leider gibt es davon keine Bilder (Kamera war nicht dabei), doch ihr könnt euch vorstellen, dass das schon ziemlich aufregend war 🙂

3 Meter Springen bei der Canyoning-Tour
Weiter ging es in atemberaubender Landschaft zur nächsten Herausforderung. Etwas, was beim Canyoning wohl bei jedem weit oben auf der Wunschliste steht und man bislang nur in Bildern oder Videos gesehen hat: Endlich ging es zur 11-Meter Felsenrutsche!

Canyoning in der Starzlachklamm
Bevor wir in die Rutsche stiegen, gab es nochmals eine separate Sicherheitseinweisung. Und natürlich musste nicht jeder die komplette Rutsche runter rutschen: unsere Guides Chris und Peter hatten für uns die Option, sich ein Stück abseilen zu lassen und dann auf einer für uns angenehmen Höhe, loszulassen. Gesagt, getan. Wir schauten uns alle an und wussten noch nicht so recht, ob wir sie in einem Stück rutschen sollten. Ich wollte. Natürlich! Aber ein bisschen habe ich mich trotzdem noch abgeseilt 😉

Versammlung vor der 11-Meter Felsenrutsche

Diese 11-Meter Rutsche bin ich gerutscht. YEAH!
Und am End´ vom Lied…
… waren wir alle ob des Erlebnisses ziemlich geflasht und glücklich. Alles ist wunderbar gelaufen, niemand hatte Schiss, unsere Guides waren zu tausend Prozent verlässlich und immer hilfsbereit. Auch „meine“ Gruppe war einfach spitze, so viel Glück hat man ja nicht immer. Aber eins muss ich trotzdem sagen: Das nächste Mal, muss es für mich schwieriger werden 😀
UPDATE: Udo von den waldhelden.de hat ein richtig tolles Video von seinem Trip durch die Starzlachklamm gemacht, das müsst Ihr gesehen haben! 🙂
Zur Erklärung: Dies ist keine gesponserte Tour. Ich wollte Canyoning schon immer mal ausprobieren. Die Canyonauten habe ich mir selbst rausgesucht und auch alles selbst bezahlt. Ich schreibe diesen Beitrag, weil ich sehr zufrieden mit der Organisation, der Sicherheit und mit dem Erlebnis war. Das ist und war so 🙂
Hi Bianca,
obwohl ich sagen muss, dass es mir angesichts deines Titels zunächst eiskalt den Rücken runterlief… insbesondere als ich dann auf em Foto auch noch UNSERE Neoprenanzüge gesehen habe!! freue ich mich natürlich sehr über deinen Artikel!
Wir würden uns freuen dich wieder mal auf Tour begrüßen zu dürfen… dann natürlich sehr gerne auch auf einer schwierigeren Tour!
Bis bald
Chris
Oh weh, das wollte ich nicht, dass Du Dich erschrickst 😉 War alles ja richtig wunderbar gelaufen, ich kann Euch nur weiterempfehlen! Bin sehr gerne wieder dabei, wenn es mal wieder ins Allgäu geht 🙂 LG, Bianca
Hi Bianca,
das kommt mir doch alles bestens bekannt vor 🙂 Wir waren letztes Jahr mit den Canyonauten in der Starzlachklamm unterwegs und haben auch richtig viel Spaß gehabt. Ich finde die Tour super für sportliche Einsteiger und der 8 Meter Sprung, sowie die 11 Meter Rutsche sorgen ja auch für ordentlich Adrenalin. Wir haben das ganze auf Video gebannt. Wen´s interessiert: Einfach mal bei Youtube nach „waldhelden“ suchen.
Viele Grüße
Udo
Hi Udo,
HAMMER Film! Da werden Erinnerungen wach 🙂 Habe ihn kurzerhand in den Beitrag eingebunden. Vielen lieben Dank für den Hinweis!
Liebe Grüße
Bianca
Hallo Bianca,
hört sich toll an und ich liebäugle schon länger mit solch einer Tour. Allerdings bin ich am Hydrospeed auf der Soca kläglich gescheitert und nun bin ich mir nicht mehr sicher, ob ich so eine Tour wagen soll. Okay, dass Wasser war sau kalt und ich bin mit dem Brett absolut nicht klargekommen aber damals habe ich so schlimmes Herzrasen bekommen, dass ich in das Begleitboot steigen musste.
liebe Grüße
Anja
Hallo Anja,
die Soca kenne ich auch und weiß gut, WIE kalt die ist 😀 Das war hier nicht der Fall, im Gegenteil. Klar, wenn man länger einfach nur im Wasser hockt und sich nicht bewegt, kühlt man irgendwann etwas aus. Das Gute ist aber: du hast immer die Möglichkeit rauszugehen. Und die Tour ist so gewählt, dass niemand großes Risiko eingeht, wenn man es nicht möchte. Es gibt in diesem Fall auch noch eine leichtere Einsteigertour, vermutlich mit weniger (freiwilligen) Sprüngen und kleineren Rutschen.
LG Bianca