Den Parkplatz hatte ich fast übersehen, als ich an den Startpunkt zu meiner Wanderung in Perl auf dem Saar-Hundsrücksteig ankomme. Dies ist meine erste Wanderung mit mir alleine. Der Nebel hat sich noch nicht ganz verzogen, hartnäckig klebt er als Hochnebel über Perl, dem Ort, an dem ich an diesem Freitag losziehe. Wir haben den 16. Dezember 2016, 5 Grad °C und 12 Uhr Mittags, als ich am Parkplatzschild vorbei fahre, um dann wieder umzudrehen und das Auto auf dem Wanderparkplatz parke. Vor mir, eine grenzüberschreitende Wanderung zwischen Deutschland und Frankreich von 9 km.
Start der Wanderung
Beitragsinhalt
Vielleicht ist es des Alleinseins geschuldet, dass mir zu Beginn der Wanderung zunächst unschöne Dinge auffallen: Laute Bauarbeiten in Perl durchdringen die kühle Luft und der Uringeruch vierbeiniger Gefährten begleiten mich. Doch wärt dies glücklicherweise nur kurz: die ausgesprochen gut beschilderte Route führt mich direkt auf schmale Pfade und weitläufige Landschaft. Je weiter ich mich von Perl entferne, desto ruhiger wird es. Nach einem kurzen Stück lasse ich den Asphalt hinter mir und dringe in den warmfarbenen, rot-braunen Wald ein, der mich mit einem leicht rutschigen Anstieg herausfordernd begrüßt. Winter ist eben doch Winter, da führt nichts an gutem Schuhwerk und etwas körperliche Fitness vorbei.


Eine Rast zum Genießen
Bereits nach drei Kilometern seit dem Start, entdecke ich eine sehr gepflegte Blockhütte. Die Schützhütte Hammelsberg beschert den rastenden Wandernden an ihrer offene Seite einen wunderbaren Ausblick über Perl. Da ich Genusswanderungen bevorzuge, lege ich meinen Rucksack hier ab und setze ich mich auf einen der davorstehenden Bänke. Still sitzend umhüllt mich eine wundervolle Ruhe und der Nebel, der von der Sonne hartnäckig bekämpft wird. Erfolglos. Die Schwaden kämpfen sich wieder vor den Planeten und für mich wird es nach dieser kurzen Rast wieder Zeit, weiterzuziehen.

Panorama-Ausblick über das Moseltal
Der Pfad ist nunmehr herrlich schmal und federt durch natürlichen Untergrund meine Schritte angenehm ab. Hier macht der Panoramaweg seinem Namen alle Ehre: die Aussicht nach Luxemburg gelingt, denn nun hat die Sonne ein kleines Loch im Hochnebel hinterlassen. Ein Grenzstein ziert hier den Weg, der mir anzeigt: nun bist du in Frankreich. Ich bin sehr dankbar um offene Grenzen und um den Reichtum, den wir dadurch erhalten. Infotafeln sind von hier an zweisprachig verfasst und leiten mich nun durch das Naturschutzgebiet Hammelsberg, vorbei am „Sentier des Orchidees“. Rund 17 Orchideenarten blühen hier von Mitte Mai bis Mitte Juni, doch jetzt im Winter sind die Wiesen und der Wald vor allem braun und beige und lassen die Landschaft wie im Winterschlaf erscheinen.


Highlight: Wilde Orchideen am Dolomitensteinbruch
Noch vom Weitblick auf das Moseltal verzaubert, wandere ich den Kalkhalbtrockenrasen entlang und nehme nach den Orchideenwiesen einen kleinen Abstecher zu einer Besonderheit: dem Dolomitensteinbruch. Auch hier sollen die Wiesen im späten Frühjahr von teilweise seltenen Orchideenarten bevölkert sein. Angesichts dieses monumentalem Anblicks fühle ich mich auf einmal sehr klein. Ehrfürchtig und dankbar verweile ich hier kurz und lasse alles auf mich wirken.

Der Dolomitensteinbruch
Mit sensibilisierten Sinnen wandere ich nach diesen Eindrücken zurück zum Pfad: Vögel begleiten mich währenddessen schnatternd, wohl nicht begeistert von der Ruhestörung in meiner Person. Zügig gehe ich weiter, um nicht mehr als nötig in ihrem Revier zu verweilen und komme an einen steilen Aufstieg. Wer hier hoch möchte, braucht etwas Puste – wer hier mit dem MTB runter will vor allem Mut. Radspuren bezeugen, dass es auch Mountain-Biker hier in die Gegend zieht. Ich setze einen Fuß vor den nächsten und erreiche in wenigen Minuten eine Bank, die unter einem Baum zur Rast einlädt. Doch müde bin ich nicht und biege somit gleich weiter nach links ab, um über genau jene Dolomitensteine zu wandern, die ich kurz zuvor von unten bewunderte und wo ich wieder über die deutsch-französische Grenze zurück nach Deutschland wandere.

Wandere achtsam: Erst wo du zu Fuß warst, da bist du wirklich gewesen
Über einem breiteren Waldweg, vorbei an einem Waldlehrpfad und einem Fernsehumsetzer, erreiche ich über ein kurzes Stück Asphalt eine kleine Überraschung: hier wurde ein Pfad der Besinnung und Achtsamkeit errichtet. Nachdenkliche Zitate wurden in Baumstumpfenden geritzt. Teilweise wurde der Boden längs des Pfads mit unterschiedlichen Materialien ausgelegt und die einladen, darüber zu gehen. Leider hat das Laub alles unkenntlich gemacht, doch fühlen lassen sich Sand, Kiesel und andere Beläge dennoch gut. Beseelt von diesem Weg komme ich wenige Minuten später an einen breiten Waldweg, dessen riesige Bäume mich wieder mal zum Innehalten bringen.


Schließlich setze ich wieder einen Fuß vor dem anderen und wandere bergab über einen schmaleren Pfad – zurück zum Parkplatz und verzaubert von meiner ersten Wanderung mit mir selbst.
Fazit
Der Traumschleife Panoramaweg Perl ist ideal für Wanderer, die sich ungern allzu weit von Zivilisation wegbegeben wollen und Panoramen lieben. Der Ausblick über das Moseltal ist einzigartig und entfaltet auch im Winter seinen Reiz. Der benebelte und bewölkte Tag, an dem ich lief, hatte seine ganz besondere Atmosphäre – zu wandern ist er in jedem Fall sehr gut gewesen. Einzig ein paar Stellen waren trotz langanhaltener Trockenheit immer noch feucht und rutschig – hier ist Vorsicht geboten. Wer eine leichte bis mittelschwere Wanderung für wenige Stunden sucht, macht mit dem Panoramaweg Perl sicher alles richtig. Und da ich persönlich auch sehr begeistert von wilden Orchideen bin, werde ich diese Tour zwischen Mitte Mai und Mitte Juni ganz sicher nochmal machen 🙂
Sehr schöne Fotos. Vor allem das eine mit dem großen Baum im Gegenlicht, vor der Schutzhütte Hammelsberg. Top.
Danke Dir 🙂