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Rio: Nachtwanderung auf den Pedra Bonita

Unwissend darüber, wer mir mal den Tipp vom Pedra Bonita in Rio de Janeiro nannte, beschloss ich relativ spontan a) die Stadt ansich zu besuchen und b) genau zu jenem „schönen Stein“ (wie es übersetzt heißt) zu gehen. Von dort oben soll man den Corcovado als auch den Pão de Açúcar, den Zuckerhut, sehen können, was im Nachhinein betrachten auch genauso stimmt. Doch wie ich auf den Pedra Bonita kam, war alles andere als herkömmlich: Ich sollte ihn bei Nacht besuchen.

Brasilien wandern in Rio de Janeiro

Eine Verabredung mit Folgen

Alles fing damit an, dass sich dort, genauer gesagt am Fuße des Felsens, der Strand von São Conrado befindet, wo auch der Landeplatz für Gleitschirm- und Drachenpiloten ist. Meine Idee war es, sich dort einen Gleitschirm und ein passendes Gurtzeug auszuleihen, um wenigstens einmal in Rio fliegen zu gehen. Aus diesem Grund hatte ich mir ganz in der Nähe ein Hostel gesucht und mich dort einquartiert. Ich war so ziemlich der einzige Besuch, abgesehen von ein paar Leuten, die sich für mehrere Wochen ein Zimmer gebucht haben.

Vanessa gehört das Hostel und da sowieso nicht viel los war, hat man sich schnell mit den dortigen Bewohnern angefreundet. Die Tage in Rio vergingen schnell, täglich wartete ich am Landeplatz auf besseres Wetter, habe währenddessen viel gelesen und auch mal auf Favela-Tour mit Elke, die mittlerweile ihr eigenes Hostel eröffnet hat. Am letzten Abend war es dann soweit: Wir, Claudia, Charlotte, Vanessa, ein guter Freund von ihr und ich, verabredeten uns, um auf dem Felsen zu übernachten.

Zur Nachwanderung auf den Fels über Rio

Zunächst sind wir mit einem ur-ur-urlaten Pickup zur Startrampe der Gleitschirm- und Drachenpiloten gefahren. Bepackt mit Schlafsack, Kissen und Decken, machten wir uns mit unseren Taschenlampen und in völliger Dunkelheit auf, einem kleinen und dafür steilen Pfad zur Felsenspitze zu laufen. Was war ich froh, dass ich doch relativ fit war, denn es war ein wirklich steiler Aufstieg. Vanessa und ich kamen als erste oben an und was wir sahen, war atemberaubend!

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Der Fels Pedra Bonita: ein Naturschauspiel unter Vollmond

Die ganze Schönheit Rios, als glitzernde Lichter unter uns! Der Himmel war in dieser Nacht so klar und der volle Mond strahlte über uns. Der Wind hauchte uns lauwarm ins Gesicht und auf dem Felsen selbst sahen wir unendlich viele weiße Blumen blühen. Ich habe den Atem angehalten, konnte diesen Anblick und alle Sinneseindrücke kaum verarbeiten, so unsagbar intensiv fühlte sich dieser Moment an. Wir standen eine Weile Still und genossen den Anblick…

… bis die anderen kamen und wir ein kleines Picknick veranstalteten. Dabei wurden fantastische Geschichten erzählt, wie von dem Riesen, der gegenüber des Pedra Bonita auf dem Rücken liegt und dessen Nase weit in den Himmel zeigt. Er schläft nur, doch wird er eines Tages wieder aufwachen, so heißt es. Es ranken sich jede Menge Geschichten um die Felsen in Rio. Einer Davon liegt etwas abseits des Strandes und sieht aus wie ein Wahl (siehe Bild unten, ganz links). Ein anderer wie ein Hund.

Blick von Pedra Bonita zum Riesen

Als wir langsam müde wurden, haben wir uns einen Platz auf dem Felsen zum Schlafen gesucht. Zwei Basejumper sind in der Dunkelheit vom gegenüberliegenden Felsen in die Tiefe gesprungen – ein sehr unwirkliches Spektakel. Hinter einer geschützten Hecke haben alle, außer mir, ihre Decken ausgebreitet und sich hingelegt. Ich konnte aber noch nicht schlafen, sondern habe mich am Rande des Felsens auf den Rücken gelegt und abwechselnd die Sterne und die Stadt betrachtet, während ich Musik hörte. Das war einer der seltenen Momente im Leben, die mich vollkommen überwältigten…

Lesetipp: Nachtwanderung im Saarland: auf sagenhaften Spuren des Litermont

Die Stunde des Sonnenaufgangs

Als es durch den Wind dann doch ziemlich kalt wurde und der Fels an sich auch nicht der weichste zum Liegen war, beschloss ich, es den anderen gleich zu tun und mich hinter die Hecke zu legen. Dort fiel ich immer wieder mal in einen kurzen Schlaf und wurde immer wieder mal auch durch Stimmen geweckt, die weiteren Naturliebhabern gehörten, die den Felsen hinauf gelaufen sind.

Dann kam der Moment des Sonnenaufgangs – es wurde hell. Um diesen nicht zu verpassen, lief ich an einer kleinen Feuerstelle vorbei, hoch, wo sich schon jede Menge Leute versammelt haben, um die Sonne zu begrüßen.

Dämmerung vom Pedra Bonita P1060362 P1060365

Den Pedra Bonita findet Ihr hier:

Ein schreckliches Unglück

Als die Sonne aufgegangen war, ging ich zurück zum Schlafplatz und setzte mich auf eine Ecke, um die Ruhe zu genießen. Irgendwann roch ich es dann: FEUER!! Völlig perplex und aus einer verzauberten Welt gerissen, schaute ich um die Hecke und sah eine Feuerwand – und nicht weit davon weg unsere Hecke, wohinter meine Freunde noch friedlich lagen! Ich rief ihnen zu, dass es brenne und sie schnell machen sollen, um von ihrem Platz zu verschwinden. Wir sind dem Feuer entflohen – gerade noch rechtzeitig. Wenige Minuten später, brannte dann unser Schlafplatz, all die schönen, weißen Blumen und all die Tiere, die es nicht mehr rechtzeitig geschafft hatten…

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Teilweise brach Panik bei den Leuten aus, die meisten blieben gebannt stehen, gafften das Feuer an und taten: Nichts. Vanessa war die einzige, die in der Lage war, die Feuerwehr zu rufen und ich rief den anderen zu, sie sollen sich so schnell es geht dran machen, mir durch den Wald zu folgen, bevor der Wind sich drehte und wir nicht mehr vom Felsen runter kommen…

Zum Glück war niemandem etwas passiert, doch der Himmel über Rio war an diesem Morgen düster vom Rauch. Wie schnell ein solcher Ausflug zu einer Katastrophe werden kann. An diesem Tag habe ich Rio verlassen und bin wieder zurück nach São Paulo, von wo aus ich nach Brasília weiter reisen wollte.

2 Kommentare
  1. 9. Oktober 2016
    • 9. Oktober 2016

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