Seit circa einem Jahr hatte ich damals meinen neuen Gleitschirm, einen Gradient Golden 2, und war damals, wie heute, sehr happy damit. Als Reisebloggerin Gudrun zu ihrer Blogparade „über den Wolken“ aufrief, dachte ich gleich an viele tolle Flüge, die ich seit 2009 bereits mit diesem Schirm hatte. Einer aber, ist mir in besonderer Erinnerung geblieben, da es einer meiner ersten Streckenflüge nach meinem Pilotenschein war.
Türkisblauer See bei Annecy
Meine bessere Hälfte und ich reisten mit unserem umgebauten Camper für ein paar Tage zum Lac d´Annecy (See von Annecy), einer traumhaften Ecke in Frankreich, knapp 40 Kilometer südlich von Genf. Unser Ziel: Möglichst viele schöne Flugstunden an und um diesen türkisblauen See zu machen. Es war an einem Juni 2010. Der Tag war vom Wetter her stabil, was nicht viel Thermik versprach. Wir waren uns nicht sicher, ob wir die kleine Seerunde schaffen würden, aber versuchen wollten wir es. Es ist eins der schönsten Flüge überhaupt für mich, da er einen ganz besonderen Abschnitt hat: Der „Sprung“ über den See.
Wir beiden nahmen das Shuttle zum Startplatz Col de la Forclaz, von wo aus man schon vor dem Start einen atemberaubenden Blick auf den See hat.

Kurz nach dem Start hieß es: Höhe machen und zwar so viel wie möglich. Der Hausbart, also die Thermik, die zuverlässig an fast immer der selben Stelle liegt, erhebt uns mit 2 bis 3 Metern pro Sekunde über den Grad. Der warme Wind umspült das Gesicht und ich muss vorsichtig sein, den Bart nicht zu verlieren. Ja, es ist nun mal recht stabil. Aber es klappt dennoch – und so gelingt es uns mit der gewonnenen Höhe, zum La Tournette hinzufliegen.


Ich erinnere mich daran, dass es dann doch etwas kniffelig wurde und ich anfing, die Nerven zu verlieren. Das passiert einem ungeduldigen Menschen wie mir gerne mal, leider. Aber es ist auch ein super Persönlichkeitstraining: Ich wollte es mir beweisen und musste deshalb da jetzt einfach durch! Und JAAAA! Meine bessere Hälfte musste am La Tournette zwar etwas auf mich warten, doch ich kämpfte mich durch und dann auch auf knapp 2000 Höhenmetern. Dann war es endlich so weit: Wir hatten genug Höhe um über den See zu kommen. Hier sieht man gerade noch das Ufer, vor der Seeüberquerung:

Der Flug über den See ist fast vollkommen ruhig. Es wackelt nichts, man spürt nur den warmen Wind im Gesicht. Im Hintergrund sieht man hier sogar noch den Manc Blanc.

Hier der Blick zurück, nach der Seeüberquerung

Geschafft!! Unser jetziger Thermikgeber war der Rock de Boeff (Rinderrücken). Er wird auch gerne „die Rolltreppe“ genannt, weil er wie eine Rolltreppe nach oben hinaus geht und man mit dem Gleitschirm sich wie auf einer ebensolchen fühlt.

Einfach heranfliegen und…. äh… nein. Nicht an dem Tag. Die Wetterstabilität machte mir wirklich zu schaffen. Ich kämpfte um jeden Zentimeter, ich wollte und durfte einfach nicht aufgeben! Nicht, auf den letzten Metern bis zum Landeplatz! Ich weiß nicht, wie lange ich versucht habe, mich hochzukämpfen, um dann doch wieder ein paar Meter zu verlieren. Irgendwann war es mir dann egal… ich biss die Zähne zusammen, flog etwas riskant knapp über der Kuppe hinüber und hin zum Landeanflug.
Ich konnte kaum atmen: „Reicht das mit der Höhe? Oder nicht lieber doch auf Nummer Sicher gehen und außen landen? Aber dann wäre alle Mühe umsonst…!“ Es wurde knapp, sehr knapp. Aber das Durchhalten hat sich gelohnt…

… und ich bin wohlbehalten eingelandet und war überglücklich die kleine Seerunde geschafft zu haben! Das Landebier (alte Tradition unter Gleitschirmpiloten) schmeckte anschließend ganz besonders gut 🙂
Jetzt, wo ich die Bilder wieder sehen (die übrigens ausnahmslos meine bessere Hälfte machte, da ich VIEL zu nervös dafür gewesen war) und mich an die wundervollen Tage dort erinnere, verstehe ich gar nicht, warum wir schon so lange nicht mehr dort gewesen waren. Ich denke, es wird mal wieder Zeit. Vielleicht klappt es sogar dieses Jahr? Es wäre sooo schön 🙂 Die Seerunde müsste unbedingt mal wieder „upgedated“ werden 😀
Lesetipp: Frankreich von oben: Gleitschirmfliegen in den Vogesen
Wer noch nicht genug hat: Eine richtig tolle 3D Simulation zum Lac d´Annecy gibt es dazu auch im Web auf der Dänischen Seite Panoramas.


Bianca, wie wunderschön, ich bin ganz weg! Ich bin ja eigentlich viel zu feig für sowas, aber ich glaube Du hast mich erwischt: Ich will auch mal mit einem Gleitschirm fliegen! Danke dass Du bei meiner Blogparade mitgemacht hast! Gudrun
Freue mich sehr, dass Dir die Geschichte gefällt, dankeschön – auch für die Blogparade!! Und ja, probiere es „einfach“ aus – es ist gar nicht „so schlimm“, wie man denkt. Und die Aussicht ist einfach – WOOOOW 🙂
GLG Bianca
Das sieht ja viel genialer aus als ich es mir vorgestellt habe.
Wow, einfach nur wow.
Jetzt habe ich richtig Lust, das auch einmal zu lernen .
Hallo Neni,
vielen Dank! Fliegen ist wirklich was ganz Wunderbares und ein Schnupperkurs über´s Wochenende gibt´s eigentlich an fast jeder Flugschule 🙂
LG Bianca
Hallo Bianca,
habe soeben meinen Grundkurs absolviert. Bis zum ersten Streckenflug dauert es noch etwas aber ich bleibe am Ball / am Schirm ? Macht richtig Spaß.
Liebe Grüße
Daniel