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Warum ich in Schweden den Kaffee im Baum trank

ᵂᴱᴿᴮᵁᴺᴳ Schweden hat mich wieder: in der südlichsten Provinz Skåne soll es allerhand zu erleben geben. Doch das will ich erst glauben, wenn ich es sehe. Und darum bin ich hier: Vier volle Tage reise ich von Ort zu Ort und teste: Kaffee auf Bäumen, Baden im Wald, Abfahrt im Sattel, den nächsten Schritt am Abgrund und das alles nebst wilden Wellen entlang der rauen Westküste. Ich werde Dir in mehreren Teilen von Dingen erzählen, die Du noch nie gemacht hast – aber immer machen kannst. Wenn Du Dich traust.

Doch alles auf Anfang: Malmö ist am heutigen Septembermorgen wolkenverhangen und trocken. Das Shuttle steht Punkt 10 am Bahnhof und bin die letzte, die zu unserer Outdoor-Gruppe hinzu kommt. Kurze Vorstellungsrunde – die Namen kann ich mir gerade sowieso nicht merken und alle lachen – sie nämlich auch nicht. Wurschd, denn jetzt geht´s los: Skåne – dann zeig mal her, was du zu bieten hast!

Füße und der Abgrund

Da geht´s ganz schön tief runter.

Wo Skåne liegt

Skåne (ausgesprochen: Skone) ist die südlichste Provinz von Schweden (Karte) und umfasst die historische Provinz Schonen sowie einen sehr kleinen Teil von Halland. Mit einer Gesamtfläche von 11.302 km2 ist es rund viereinhalb mal größer als das Saarland – und hat dabei nur 340.000 Einwohner mehr. Was weniger ist als die Mitarbeiteranzahl bei deutschen Großkonzernen. Aber ich schweife aus. Nun, Skåne ist groß und leer. Wer einmal im Saarland war und das Glück hatte, einsam im Wald zu wandern, hat in Skåne 4,5 mal mehr Einsamkeit. Ein Glück für naturverbundene Menschen wie mich: hier triffst du niemanden, wenn du nicht willst. YEY!

Im Wald das Bett beziehen

Das Shuttle hält in einem Waldstück, denn von hier aus geht´s nur per Pedes weiter. Der schmale Pfad führt uns wenige Kilometer weiter zu mehreren, schwedischen Jurten – abgelegen im Wald. Weder Strom noch fließend Wasser gibt es hier im Nyrups Nature Hotel und es könnte kaum romantischer sein: denn in der Gemeinschaftsjurte steht mittig ein Holzofen und überall Petroleumlampen. Wie sehr ich das liebe – schon letztes Jahr in Finnland im Haus am See. In Zweitergruppen suchen wir uns unsere Schlafjurten aus, die umliegend stehen und sowohl mit zwei getrennten Betten als auch mit einer Lampe und einer Waschschüssel ausgestattet sind. Glamping ist hier angesagt und ich finde, komfortabler UND naturnah lässt es sich unter dem sanft-rauschenden Blätterwald kaum schlafen. Doch dafür ist noch keine Zeit: Ich beziehe mein Bett, schlüpfe in die Wanderschuhe und begebe mich zurück zur Gruppe, wo schon die nächste Überraschung wartet.

Nyrups Nature Hotel

Eine Jurte des Nyrups Nature Hotels

Betten Nyrups Jurte

Einladend sieht es in der Jurte aus.

Kaffee im Baum

Kristina von Embla Träd erzählt mit strahlenden Augen darüber, wie sie zu ihrer Passion kam: Zuerst verlor sie ihren Job, dann zeigte ihr ein Freund das Baumklettern. Dass es ab da um sie geschehen war, strahlt Kristina mit jeder Faser ihres Körpers aus – Begeisterung pur. Dann geht es auch schon los und teils querfeldein durch den buten Herbstwald. Rund einen Kilometer weiter bleiben wir an einem 40 Meter hohen Baum stehen, der rundherum mit Seilen präpariert wurde. Ich schlucke. Mein Puls? Hoch. Da soll ich hoch?

Diese Form des Baumkletterns ist absolut sicher, versichert Kristina uns. Gleichzeitig hängt sie mal mit einem, mal mit beiden Füßen in den Schlaufen an einem Seil und zeigt uns das System: Während man sich mit den Beinen nach oben drückt, müssen die Fußschlaufen mit den Händen ebenso nach oben geführt werden. Simpel – zumindest beim Zusehen. Ob mir das genug Mut machte, um mich gleich als Erste zu melden? Zumindest hänge ich jetzt ziemlich unbeholfen am sich von mir abwindenden Seil und alle sehen zu. Toll. Manchmal weiß ich ja auch nicht. Doch der Ehrgeiz packt mich und schließlich klappt es immer besser. Man sieht mir zu – Zentimeter um Zentimeter, bis mich jemand fragte: „Hast Du schon probiert, wieder runterzukommen?“ – „Öh…“

Auf 30 Metern ist dann Stopp: Hier geht es nicht mehr weiter. Mittlerweile hängt die ganze Gruppe in dem Baum und wir alle haben eine große Freude daran. Weil ich als Erste dran war, mache ich es mir jetzt oben bequem. Weit blicke ich aufgrund der Bäume nicht, doch die bunten Helme unter mir laden immer wieder zu Schmunzlern ein. Dann bindet Kristina von unten eine Tasche an mein Seil und bittet mich, sie hochzuziehen. Kurz darauf halte ich das schwarze Glück in Form einer heißen Tasse dampfenden Kaffees und lasse mir den Keks schmecken. Das nenne ich mal eine wirklich außergewöhnliche Fika!

Baum Kletterer in Skane

Team Baumkletterer!

Ausrüstung zum Baumklettern

Die Ausrüstung zum Klettern ist schon vorbereitet.

Baumklettern in Schweden

Langsam aber sicher arbeite ich mich hier Stück für Stück den Baum hinaus 😀

Bunthelme

Jetzt wollen es alle wissen 🙂

Kaffee im Baum

Die klassische Fika – also der Kaffee mit Keks – in 30 Metern Höhe.

Waldessen in drei Gängen

Wer sich bewegt, der muss auch essen. In der Wildnis funktioniert das nur mit eigener Kraft – auch und gerade im Nyrups Nature Hotel, zu dem wir wieder zurückgekehrt sind. Hotelbesitzerin Camilla Jönsson steht vor der Gemeinschaftsjurte und lüftet zu jedem Gang die passenden Zutaten – alles regionale und saisonale Köstlichkeiten. Was wir daraus machen, ist uns überlassen – doch Camilla gibt Rezeptvorschläge, die wir dankbar annehmen. Und während unser Magen knurrt, ist noch eine Hürde zu nehmen: Feuer machen mit Feuerstahl und Messer.

Ich kürze ab: Nachdem ich bei drei von vier Feuerplätzen ein schönes Feuer entfachte (YouTube bildet eben doch), fangen wir an, eifrig zu schnippeln und zu kochen. Laufen her und hin, suchen Töpfe, Pfannen, Messer und Kochbesteck. Wir lachen, haben Rußhände und die, die es zu spät merken, Rußgesichter noch dazu. Die zusammengewürfelte Gruppe wird immer mehr zum Team obwohl wir so unterschiedlich sind: sechs Journalisten und Blogger für Print, Online, Video, aus drei Nationen mit drei Sprachen, von Anfang zwanzig bis Anfang Fünfzig. Leuchtende Gesichter, als wir den langen Holztisch schmücken, an dem wir uns setzen und den ersten Gang kredenzen. Dazu schwedisches Bier, das neben den hellen Petroleumlampen steht. Die Dunkelheit umhüllt uns und wir stoßen an: auf einen aufregenden Tag, auf die kommenden und darauf, uns gefunden zu haben. Skol!

Gemüsekorb

Frisches regionales und saisonales Gemüse für den Hauptgang.

Obstkorb

Frische Äpfel, Rosmarin und Chili für den Nachtisch

Outdoorkochen

Kochen über offenem Feuer. Nicht nur schön, sondern auch lecker!

Deko in schwedischen Wald

Petroleumlampen in der Dämmerung

Outdoor Abendessen

Unser Outdoor Abendessen in drei Gängen

Die Jagd nach der fliegenden Maus

Ich hole mir vom Hauptgericht noch einen Nachschlag, als aus der Dunkelheit ein Mann ins Licht tritt. Camilla begrüßt in herzlich und es stellt sich heraus, dass wir mit diesem Mann im finsteren Wald auf die Jagd gehen. Espen Jensen setzt sich neben mich, bekommt ein Bier, einen gefüllten Teller und fängt an, seine Geschichte als Fledermaus-Wissenschaftler zu erzählen: Einst trug es sich zu, dass Fledermäuse in seinem Garten nisteten. Die unter Schutz stehenden Tiere durfte er nicht so einfach verjagen, und so fing er an, sie zu studieren. Das Verrückte dabei: Je mehr Wissen er sammelte, desto mehr wollte er wissen. Heute gilt er als einer der wenigen Fledermaus-Experten in Skåne und bestreitet mittlerweile seinen Lebensunterhalt damit.

Team Nachtisch ist dran und ich verteile die in Rosmarin und Chili gekochten Äpfel in die Glasschalen. On top gibt´s karamellisierte Haferflocken und Schlagsahne. Es schmeckt so wie es klingt – ratzeputz ist der Topf leer und wir wieder voller Kraft für die jetzt folgende Nachttour.

Ein paar Petroleumlampen helfen uns, nicht über die Wurzeln zu stolpern, die auf dem Weg zu dem Hof liegen, wo wir unsere Ausrüstung für die Fledermaus-Safari bekommen. Heißer Tee wärmt uns von innen, während Espen uns allerhand zu den Fledermäusen in der Region erzählt und erklärt, wie wir das Eckolot nutzen können. Und damit das keine reine Theorie bleibt, machen wir uns kurz darauf wieder in die Nacht. Huhuuuuuu!

Anfangs leider mit wenig Erfolg: Keine Fledermaus ist anzutreffen und so bleiben die Geräte zunächst still. Doch Espen gibt nicht auf und schließlich – da! Ein Ausschlag! Wir gehen ihm nach und finden weitere. Dann sehen wir sie auch: Über unseren Köpfen flattert tatsächlich eine Fledermaus den Waldweg entlang, bis sie kurzerhand wieder zwischen den Bäumen und in die Nacht eintaucht. Dann ist alles schon wieder vorbei.

Fledermaus Experte

Espen erzählt Spannendes über die Fledermaus

Fledermaus Echolot

Mit diesem Echolot kann man die Ultraschall Schreie der Fledermaus „hören“

Fledermaus Jagd mit Echolot

Unsere Fledermaus Jagd mit Echolot

Die stillste Zeit des Tages

Zurück am Hotel verabschieden sich die Ersten direkt ins Bett. Es ist bereits Mitternacht und ich sitze noch auf der Veranda der Gemeinschaftsjurte und genieße die Ruhe im Wald. Alle verteilen sich langsam in ihre Unterkünfte, nur ich bin hellwach. Zwischen den letzten zwei brennenden Petroleumlampen überkommt mich ein wunderbares Gefühl. Stille. In der Dunkelheit des Waldes. Ich lasse sie wirken, schließe die Augen. Und bin so unendlich dankbar um diesen unvergesslichen ersten Tag in Skåne.

Petroleumlampe

Eine Petroleumlampe auf der Veranda vor der Gemeinschaftsjurte

Anreise, Links und Buchungsmöglichkeiten

Ich bin Abends von Düsseldorf nach Malmö geflogen. Mein Hotel war dort, am Tag vor der Abfahrt das First Hotel Jörgen Kock.

  1. Tipp für ein preiswertes und gute Essen unterwegs: Gastro Gaspari – Link zur Anreise (Google Karte)
  2. Hier kannst Du das Nyrups Nature Hotel direkt buchen (booking.com). Wegbeschreibung: Google Maps
  3. Baumklettern mit Kristina von Embla Träd samt Fika in den Baumkronen http://www.emblatrad.se/
  4. Fledermaus-Safari mit Espen Jensen: http://myotis.se

Skåne entdecken: Alle Beiträge der Rundreise in Südschweden

Und jetzt?
Freu Dich auf den nächsten Teil! Ich werde die Unterkunft wechseln und dann so richtig baden gehen.

Schweden Skane klettern Fledermäuse

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