Fortsetzung meiner Reise durch Slowenien auf dem Alpe-Adria -Trail nach dem Motto: kein Plan ist der Plan.
1. Tagebucheintrag: nach Schlechtem kommt immer Gutes!
2. Tagebucheintrag: Abseits des Weges
Beitragsinhalt
Heute morgen wache ich schon kurz vor sechs auf – nach rund 10 Stunden Schlaf. Die Energie hat mich wieder und ich fange bald an, meine Sachen zu sortieren. Der Rucksack ist unmöglich schwer, sodass ich wieder Essen raus nehme und den Kopf schüttle, weil noch fast 3 Liter Wasser übrig sind – unterwegs konnte ich mir immer Getränke beschaffen… Die nassen Sachen von vorgestern hänge ich auf, auch die Hängematte ist noch sehr klamm und daher schwer. Herrje… Das muss besser werden.
Wach werden, Tagesplan schmieden
Ich entschließe mich, zu frühstücken. Hier auf der Hütte Erjavčeva Koča habe ich für 30 EUR Halbpension – ein Träumchen, sag ich Euch. Kein Luxus, aber ein Träumchen. Mit gigantischer Aussicht auf das Pagan-Mädchen (einem Gesicht im Fels) esse ich Rühreier mit Brot und trinke dabei den weltbesten Kaffee.

Neben mir wuselt es bereits: andere HüttenschläferInnen machen sich bereit auf eine Wanderung. Hm. Ich grüble: ist es tatsächlich schon gut, wieder den Weg runter zur Soča zu nehmen, wie vorhin überlegt? Die Landschaft hier sieht traumhaft aus – was, wenn ich Schöneres verpasse? Ich entschließe mich, nach einer Wanderempfehlung zu fragen und bekomme prompt eine: von hier aus zur Slemenova Špica. „Very easy“ sagte man mir. Doch das ist hier alles relativ ?
Plan umgeworfen – auf zum Gipfel Slemenova Špica!
Schnell habe ich mein Zimmer für eine weitere Nacht klargemacht, meinen Tagesrucksack gepackt und bin nicht ohne Hängematte losgestiefelt. Die Sonne blitzt gerade hinter den steilen Felswänden hervor, zieht die Schatten der Bäume und Pflanzen lang und taucht die gegenüberliegende Felsformation in rötliches Licht. Mein Herz springt vor Freude, mein Atem stockt. Ich bin im Himmel ?


Der Aufstieg zum Gipfel
Schotter und Geröll erschweren den Aufstieg und ich bin froh, meine Wanderstöcke dabei zu haben. Meter um Meter kämpfe ich mich hoch, auch wissend, dass es bald wieder flacher wird. So ist es dann bald und zwar an einer Stelle, die mir schon wieder den Atem verschlägt. Von hier aus sehe ich auf drei Zinnen, die etliche Meter über die Landschaft hinweg ragen. Was für ein Anblick! Mein Weg führt mich von ihnen weg – den anderen Weg zu Ihnen hin kann ich wegen der Klettersteig-Passage nicht machen. Not the Problem ?


Gebrüll und Gemecker
Ich überhole einen brüllenden Italiener, der mit seinem Sohn und seiner sehr viel langsameren Frau dieselbe Strecke wählte. Wir begegnen uns aufgrund meiner Fotostopps immer wieder, bis ich irgendwann etwas schneller gehe und zumindest aus Sicht-, doch nie aus Hörweite. komme.
Um den Wanderweg handelt es sich übrigens um eine Streckenwanderung, die irgendwann an einem Gipfel endet (Wanderweg auf komoot). Rund 1,5 Stunden soll sie in die eine Richtung gehen, was ziemlich genau passt. Kurz vor dem Gipfel führt der Weg auf eine Hochebene, worauf drei meckernde Schäflein ihr Futter finden und mir den Schweiß genüsslich von den Armen schlabbern. Diese Wiese ist umrahmt von gigantischen Felsen und ich entschließe mich, hier eine Rast einzulegen. Und ja: da ist ja noch eine Hängematte! ?


Erstmal ne Runde abhängen
Zwei passende Bäume sind schnell gefunden und auch der Ausblick ist einfach atemberaubend… Einfach die Seele baumeln lassen, das ist genau das richtige jetzt.
Rund 90 Minuten später höre ich mehr und mehr Stimmen den Berg hoch kommen. Aus ist es mit der Ruhe, doch bis dahin war die Zeit gigantisch schön. Ich packe wieder alles in den Rucksack – zum Glück ist die Hängematte extrem handlich und leicht 🙂 Der restliche Weg zum Gipfel ist kurz und belohnt alle, die es geschafft haben, mit einem Ausblick, von dem man nur träumen und nie genug kriegen kann!

Nach dem obligatorischen Gipfelbucheintrag (nun ist das Saarland darin auch vertreten ?) geht´s dann auch schon wieder runter. Jetzt bin ich froh, so früh oben gewesen zu sein, denn zur Mittagszeit wandern zahlreiche Touristenvölker an. Herrje. Das ist zu dieser Zeit ein echter Nachteil hier in Slowenien, andererseits kann ich die Touris ja verstehen ?


Gib dir mal ne Pause
Wieder unten in „meiner“ Hütte angekommen genieße ich die Kulisse um mich herum beim Essen. Froh und dankbar darüber, heute früh doch nicht gleich weitergezogen zu sein – das Leben verdient auch mal ne Pause. So ein Schritt außerhalb des Plans ist immer auch für wunderbare Überraschungen gut.

Was wird morgen?
Im Augenblick denke ich ernsthaft darüber nach, den Alpe-Adria-Trail weiter zu wandern. Vielleicht klopfe ich morgen am Camp Triglav an und frage nach einem Zeltplatz. Von dort soll es auch schöne Touren geben. Wir werden sehen – und Du wirst es so bald es geht erfahren ?
Zum nächsten Tagebucheintrag: Slowenien Tag 3 – Jeder Tag hat eine neue Chance verdient