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Die Felsenwaldtour in Rheinland-Pfalz – verwunschene Felsen im Nebel bei Pirmasens

Der Wecker zeigt 7:36 Uhr, als ich die Augen am Tag vor Heiligabend aufschlage. Tolle Wurst: da hast du schon frei, doch den Körper juckt´s nicht die Bohne. Der Blick aus dem Fenster zeigt das übliche Bild, wenngleich auch ohne Regen und dafür mit mehr Nebel. Moment: Nebel? Die letzten Tage kam ich kaum raus: Im Büro gab´s viel Arbeit und wenn dann doch Zeit war, goss es in Strömen oder stürmte. Doch heute ist frei und nach stundenlanger Schreibtischarbeit will der Körper eins: Bewegung. „Felsen im Nebel“, was ein schöner Gedanke sage ich zu mir. Schnell war eine Tour gefunden: Die Felsenwaldtour in Rheinland-Pfalz. Freut Euch auf diesen Erlebnisbericht! Ganz unten findet Ihr alle Infos zur Tour.

Pinterest-Grafik: Rheinland-Pfalz Felsenwaldtour

Alleine wandern. Endlich.

Ich kann nicht mehr genau sagen, wann ich zuletzt alleine wandern war. Dabei liebe ich das Fürmichsein in der Natur besonders: unendliche Ruhe und meine Gedanken, kein Ablenken oder Kompromisse. Nur mein narzisstisches Ich-Ich-Ich und all die zauberhaften Wunder um mich herum. Und seit ich mich vor einem guten Jahr entschieden habe, den Winter zu nehmen wie er kommt, liebe ich sogar Dreckswetter. Wobei hier eindeutig die Bewertung in der individuellen Definition liegt.

Die 50 Minuten Autofahrt zum Wanderparkplatz vergingen flott und ich stelle mein Auto auf einem riesigen Platz beim Forsthaus Beckenhof neben zwei weiteren Fahrzeugen ab. „Keiner da, weil sie alle das Wetter scheuen“, denke ich mir. Mein Plan scheint aufzugehen, denn auch der Himmel ist grau und Nebel wabert an den Baumkronen. Ich schnappe mir meinen Wanderrucksack und lasse mich schnell vom Dunst verschlucken.


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Die Beschilderung macht es mir leicht, auf dem Weg zu bleiben und mich voll und ganz auf die Natur einzulassen. Unglaublich still ist es hier, ich höre lediglich meine Schritte, die auf dem nassen Laubteppich weich und leise klingen. Der Weg ist schmal und in der Nase liegt der Duft von durchweichter Erde und feuchter Luft, eben so, wie man es sich an einem solchen Tag nur wünschen kann. Kein Wind streicht durch die Bäume, kein Vogel zwitschert hier sein Lied – und dennoch fühle ich mich nicht einsam. Im Gegenteil. Ich habe ja mich.

Wanderschild Felsenwald-Tour

Das offizielle Zeichen auf der Wanderung.

Zarter Nebel umhüllt farbenfrohen Fels

Es dauert nicht lange bis ich erstaunt stehen bleibe und voller Freude den geschwungenen Fels betrachte, der sich mir auftut. Umgeben von leuchtend grün-gesprenkelten Flecken steht er da, wie seit tausend Jahren. Sein farbiges Kleid fühlt sich an den Fingerspitzen kalt und sandig an, so typisch für die Bundsandsteinfelsen hier und so liebenswert. Der Nebel verstärkt sich und umhüllt nun tief die kahlen Bäume an denen ich mit glücklichem Herz vorbeigehe – stets in Begleitung weiterer, mystischer Felsformationen.

Felsenwaldtour im Nebel

Ich werde vom Nebel begleitet. Herrlich.

Steine mit Moos

Steine mit Moos dekorieren die Landschaft

Felsentor auf der Felsenwald Tour

Das Felsentor auf der Felsenwald Tour

Mystische Spuren oder alles nur Einbildung?

Den Wegweisern entsprechend biege ich rechts ab, nichtsahnend was mich nun erwartet. Ich bin auf dem Weg der kleinen Schleife, die in geballter Form die alten Riesen präsentieren. Doch halt: Was ist das? Auf dem Boden entdecke ich eine Spur – eine riesige Tatze? Verwundert gehe ich in die Knie, um mir den Abdruck genauer anzusehen. Meine Hand daneben wirkt geradezu winzig. Ist das ein Tier? Vielleicht ein Wolf oder ein Luchs? Bären wird es hier doch nicht geben, oder vielleicht doch? Ich komme wieder hoch und sehe nach, ob es weitere Spuren gibt – finde allerdings nichts. Möglicherweise doch nur eine Einbildung – aber was, wenn nicht?

Riesige Tier Tatze

Was mag das für ein Tier hier gewesen sein?

Kommst du nicht herum, so gehe hindurch

Ich beschließe, mich von der Spur nicht verängstigen zu lassen – letztendlich möchte ich den Weg genießen. Und doch wirkt nun alles noch ein Stück mystischer, verzauberter, als fehle nur noch die musikalische Untermalung, die einen gewöhnlichen Thriller zu einem der guten werden lassen. Getragen von diesem Gänsehautgefühl nähere ich mich einer weiteren Felsformation, die noch abstrakter als die vorherigen zu sein scheint. Hier gabelt sich der schmale Wanderpfad und bietet mir an, entweder drumherum zu gehen oder direkt durch. Nicht allzu dunkel sieht es darin aus und so entscheide ich mich für den schmalen Eingang und für den Weg durch diese kalten Riesen. Wahrhaft ergreifend sind diese kurzen Meter – wer sich wohl hier gerne aufhält? Ich vermeide es, nach Spuren zu suchen und erreiche dann auch schon den Ausgang dieses kleinen Naturwunders.

Bundsandsteinfelsen Pirmasens

Malerische Bundsandsteinfelsen – einfach faszinierend.

Felsformation Pirmasens

Mehrere Felsen bilden hier eine zauberhafte Architektur

Felsen Durchgang Felsenwaldtour

Durch diesen Spalt verläuft der Wanderweg

Felsspalte Felsenwald

Der Gang durch den Fels

Augen zu und durch

Hätte ich gewusst, dass der Rückweg der Schleife über breite, befestigte und unschöne Wege geht, wäre ich lieber denselben Weg über die Felsen zurückgelaufen. Doch wenigstens lässt es sich hier zügiger gehen, die ersten 5 km hatte ich fast zwei Stunden damit verbracht, mit wie mit Kinderaugen die Felsen zu erforschen und durch und durch die Atmosphäre der Natur in mich aufzunehmen. Wieder am Knotenpunkt angekommen herrscht kurze Verwirrung: Wo soll ich nun hin? Viele Schilder weisen mal in die eine, mal die andere Richtung und natürlich nehme ich kurzzeitig promt den falschen Weg – doch halt! Hier war ich schon mal. Zum Glück liegen die GPX Daten auf dem Smartphone, das ich nun kurz für die Orientierung nutze. Wenige Meter muss es dann doch zurück und schnell wieder auf den rechten Weg, der mich hinab und auf die nächste breite Wanderroute führt. Oh weh!

Stramm geht´s also voran. Stapf-stapf-stapf. Der Weg ist breit und matschig an den Feldern hier; Felsen sehe ich keine. Als ich auf die Uhr schaue wird das jedoch halb so wild, denn in nicht mal zwei Stunden wird es dunkel. Ohne meine Stirnlampe ist eine Nachtwanderung keine gute Idee und so bin ich nicht ganz undankbar über die Strecke. Dann endlich: Der Weg führt mich runter von der „Straße“ und rauf auf wanderfreundlichere Wege. Ein rot-braunes Laubmeer empfängt mich freundlich, wenngleich ich es hier nicht mehr so ganz ruhig habe wie zu Beginn. Sei´s drum – genossen wird trotzdem!

Lohnenswerte Eigenkreation

Am Eisweiher weisen mir die Schilder am selbigen entlangzugehen, da erblicke ich ein weiteres: aus mir nicht erfindlichen Gründen, führt die Felsenwaldtour an einem gut besuchten Spaziergängerweg entlang, wohingegen die anderen nach oben zeigen und schmale Pfade und – endlich! – wieder Felsen versprechen. Ein kurzer Blick auf meine GPS-Daten bestätigt mir den parallelen Verlauf dieses Pfades zur Felsenwaldtour und so hält mich jetzt nichts mehr auf dem eigentlichen Weg. Ich revolutioniere 😉 und fühle mich in der Wahl bestätigt. Zwar ist der Aufstieg ein wenig stramm, doch Fels um Fels belohnen die Entscheidung – bis ich nach dem Weiher schließlich wieder auf der offiziellen Felsenwaldtour ankomme. Alles richtig gemacht – BÄM!

Der Anstieg wird immer moderater und lässt meinen Puls wieder etwas runtergehen. Zwar werde ich von Straßengeräuschen begleitet, doch kann ich sie entlang „meiner“ Riesen gut wegschalten. So ein Wanderweg in Stadtnähe hat eben Vor- und Nachteile: einerseits gibt es gute und reichhaltige Einkehrmöglichkeiten und sie lassen sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichen, andererseits leider eben auch Lärm. „Es wird schon vorbei gehen“, sage ich mir und werde recht behalten. Am „Mordloch“, dessen Name wohl nichts mit dem Exerzierplatz an der Bushaltestelle zu tun hat (wer mir was zum Mordloch erzählen kann, gerne!) kreuze ich eine Straße, um dann wenige Meter weiter wieder in die Natur abzutauchen. Was ich jetzt noch nicht weiß: ein weiteres Highlight erwartet mich bald.

Weg am Fels

Oft begegnet: Wege entlang der Felsen

Ein Highlight jagt das andere

Hier bin ich wieder ganz für mich und auch der Nebel schwadert nach und nach wieder um die Baumwipfel. Pirmasens lasse ich mit jedem Schritt hinter mir und öffne mich weiter diesem herrlichen Wald. Felsen begleiten mich des Wegs, schon fast leuchtend vor Grün von dem Moos das sie bedeckt. So grün-gesprenkelt auf rot-braunem Grund kann auch nur die Natur dekorieren – hinzu kommt ein steter Wandel von Jahreszeit zu Jahreszeit. Wie es hier wohl bei Schnee aussieht? Oder im Hochsommer? Ich schließe kurz die Augen und lasse die Atmosphäre auf mich einwirken. Meine Schritte werden langsamer und die innere Ruhe kehrt zurück. Eine Waldallee mit hohen Nadelbäumen schenkt mir ihre volle Aufmerksamkeit – ich fühle mich allein hier unglaublich gut.

Traumhafter Waldweg

Ein traumhafter Waldweg

Bundsandsteinfels Felsenwaldtour

Malerischer Bundsandsteinfels

Aussicht auf den Fels

Links und rechts, oben und unten: über all liegen leuchtendgrüne Felsen

Gigantisch und surreal: der Kanzelfels

Dann nochmal ein steiler Anstieg und ein kurzes Luftholen zwischendrin. Ich hebe den Kopf und traue meinen Augen kaum: Was ist sehe ist ein monströser Fels, der auf einem schmalen Stein zu balancieren scheint. Surreal wirkend. Märchenhaft! Ich nähere mich diesem Gebilde und erfahre, dass es sich hierbei um den Kanzelfelsen handelt. Eine wahrhaft prächtige Formation, dessen Architektur sich auch nur die Natur ausdenken konnte. Hier stehe ich einige Minuten und genieße den Anblick, der mir überraschenderweise zuteil wurde. Dann, oh Schreck: die Zeit! In einer Stunde wird es dunkel werden und ich habe mein Gefühl verloren, wie weit es noch zum Auto ist. Ein wenig bedaure ich den Abschied, doch gehe ich in Dankbarkeit, hier gewesen zu sein.

Kanzelfels bei Pirmasens

Blick auf den Kanzelfels bei Pirmasens

Kanzelfels Felsenwaldtour

Der Kanzelfels in voller Pracht

Kanzelfels Felsformation

Atemberaubende Felsformation

Ende der Tour und Fazit

Der letzte Kilometer zieht mit den neusten Eindrücken schnell vorüber, fast unmerklich und trotz des Aufstiegs, der mich auf vom Laub bedeckten Weg wieder zum Forsthaus Beckenhof führt. Beseelt komme ich zurück auf den Parkplatz, öffne mein Auto und wechsel die Schuhe. Das war eine sehr schöne Strecke, wenngleich es auch Passagen gab, die mir nicht sehr lagen. Ob ich die Tour empfehle? Ja, in jedem Fall! Wer, so wie ich, vernarrt in Touren zwischen Felsen ist, sollte diese hier gemacht haben. Im Nachgang erfahre ich, dass die Felsenwaldtour 2017 (wiederholt?) zertifiziert wurde, was auch die brandneuen Schilder erklären. Eine Wanderkarte würde ich aber in jedem Fall mitnehmen, da es an der Kreuzung zur Verwirrung kommen kann. Infos erhaltet Ihr im Web oder Ihr nutzt einfach meine Aufzeichnung der Tour. Die offizielle Seite zum Weg findet Ihr auch auf Wandermenü Pfalz.

Alle Infos im Überblick

Wandertour: Wandermenü Pfalz – Felsenwaldtour bei Pirmasens

Wanderzeitraum: 23. Dezember 2017

Bewertung (max. 5 Sterne)

  • Beschilderung: ⋆⋆⋆⋆⋆
  • Naturerlebnis: ⋆⋆⋆⋆
  • Einsamkeit: ⋆⋆⋆

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