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Slowenien: 10 Tage. 100 km und 1000 Erlebnisse reicher

Der 9. und somit letzte Tagebucheintrag ist das nun, denn meine Zeit in Slowenien ist leider schon vorbei. Heute geht es auf meine längste Etappe des Alpe-Adria-Trails, 22 km von Drežnica nach Tolmin. Mit großem Rucksack – und der gestrigen Krn-Besteigung noch in den Beinen. Du hast die anderen Tage verpasst? Macht nichts:


1. Tagebucheintrag: nach Schlechtem kommt immer Gutes

2. Tagebucheintrag: das Leben braucht mal Pause

3. Tagebucheintrag: Jeder Tag hat eine neue Chance verdient

4. Tagebucheintrag: Was wirklich zählt

5. Tagebucheintrag: Es blitzt. Es donnert. Und dann kommt der Regen

6. Tagebucheintrag: immer diese Entscheidungen

7. Tagebucheintrag: Wenn dein Herz sagt bleib

8. Tagebucheintrag: gib dein Ziel nicht auf


Aua

Länger als sechs kann ich heute nicht schlafen, selbst nicht, nach einer so unruhigen Nacht. Zwar ist das Apartment-Bett wirklich bequem, doch ich spüre den Krn in allen Fasern meines Körpers. „Was soll’s, du hast ja heute nur 22 km vor dir, Bianca.“ und hätte ich die Kraft, würde ich die flache Hand auf die Stirn schlagen.

Ich habe ganz vergessen zu fragen, ob Frühstück mit im Preis ist, vermute aber nicht. Doch in den Schränken steht zu meiner Freude ein italienischer Kaffeekocher, der sogleich mit meinem restlichen Kaffeepulver befüllt wird. Mein Campingmüsli braucht nur kaltes Wasser und einen frischen Apfel pflücke ich mir vom Baum und schneide ihn dazu, so wie mir mein Host Natasa gestern herzlich anbot.

Unvergessliches Drežnica

Pünktlich um 7:30 Uhr schnalle ich den Rucksack zur letzten Etappe und ziehe los: passiere dabei einen urigen Weidezaun und sehe am Ende von Drežnica ein letztes Mal zurück. Oh man, war das schön hier ?

6 km in 700 Höhenmeter – auf geht’s

Die Outdoor-App log nicht, als die Wanderetappe gleich ordentlich bergauf geht. In 6 km müssen 700 Höhenmeter bewältigt werden, und im Gegensatz zu gestern, heute mit vollständigem Gepäck. Um den Flug am Donnerstag in Ljubljana zu bekommen, muss ich heute am Mittwoch wirklich die vollen 22,4 km schaffen – einfach bekloppt, doch die Zuversicht wandert mit. Nach der Bergbesteigung gestern schaffe ich von nun alles im Leben – SO ?

Kleine Belohnung

Da ist der Aufstieg fast geschafft, geht’s noch steiler bergauf. Bis dann aus dem Nichts eine Kapelle auftaucht – mit atemberaubender Aussicht. Es ist erst 9 Uhr und die kühle Morgenluft liegt noch im Hang. Im Schatten der Kapelle sitzend, beiße ich in meinen letzten Apfel und genieße die aufgehende Sonne über dem Tal.

Ein älteres Paar mit einer nie zuvor gehörten Sprache gesellt sich zu mir, offenbar auch froh über die Sitzgelegenheit. Wir begrüßen uns, doch will ich jetzt schon weiter. Der Tag wird noch lang genug.

Von nun an geht’s nur abwärts

Jetzt wird es leichter: es geht bergab. Gemächlich, wie ich mich vorab erkundigte und das ist perfekt für heute. Muss mich quasi nur runterrollen lassen – herrlich.

Geschmeidig führt der Weg über eine schattige Waldpassage und mündet an einer offenen Weide. Links von mir stehen mächtige Berge, darunter auch der Krn – seine Hütte ist von hier erkennbar. Merklich jetzt auch: die Sonne.

Essen von den Bäumen

Auf einem butterweichen Wiesenweg geht’s im Bergpanorama abwärts zu einer Hütte, die ich rechts liegen lasse und weiter gehe. Ein paar Häuser schmücken die Asphaltstraße und an einem davon gibt es tatsächlich ein schattiges Plätzchen. Wieder kriege ich nicht viel runter, ein paar Handvoll Nüsse müssen es tun. Erst dann sehe ich den Pflaumenbaum, dessen Äste tief und schwer mit Früchten in greifbarer Nähe hängen. Ich pflücke mir ein paar davon und genieße das saftig-süße Fruchtfleisch sehr. Hmmm.

Häuschen zum Lieben

Weiter auf (leider) sehr viel Asphalt bewundere ich diese uralten Bauten: die einen würden behaupten, sie seien verfallen. Doch die mit bunten Blumentöpfen liebevoll zurechtgemachten Fensterläden und Treppen strahlen die Gebäude einen faszinierenden Charakter aus. Manche davon wurden für Touristen restauriert, ohne den alten Charme zu zerstören.

Kaum bin ich aus dem Ort draußen, tauche ich dankbar wieder in den schattigen Wald ein. Ein Bach begleitet meine Schritte, der Weg ist gut zu gehen und erlaubt mir, etwas Strecke zu machen.

Hier muss ich heute noch runter

Eine größere Wandergruppe holt mich auf. Um sie nicht mehr als nötig zu ertragen, biege ich an einer Gabelung spontan in die andere Richtung ab, die einen Aussichtspunkt ins Soča-Tal verspricht. Und tatsächlich…

Länger als für ein paar Bilder bleibe ich nicht, die Sonne wird fast unerträglich heiß. Zurück im Wald kann ich wieder Strecke machen, denn die Bäume lassen Ausblicke kaum zu und der Weg geht weiterhin sanft bergab.

Willkommene Abwechslung

Eher langweilig wird es gerade, immer nur Wald und ein und derselbe Weg ist ziemlich öde. Plötzlich höre ich wieder Stimmen von hinten näher kommen und erkenne das ältere Paar mit der noch nie gehörten Sprache. Was ein Segen ist das Gespräch jetzt (auf Englisch), das vertreibt die Zeit und Strecke wesentlich schneller. Im übrigen handelt es bei den beiden um Isländer, die viel und gerne wandern und große Sehnsucht nach einem richtigen Sommer hatten – was sie nach Slowenien führte. Ich wünsche mich gerade lieber nach Island – es wird immer heißer.

Kurze Rast

Wenige Kilometer weiter muss ich mich unbedingt setzen, da meine Füße Feuer gefangen haben mussten. Leider sind Bänke auf dem Alpe-Adria-Trail extrem rar, sodass diesmal ein Sandkasten für mich herhalten muss – immerhin im Schatten. Ich verabschiede mich von dem Paar und freue mich sehr über die gemeinsam verbrachte Zeit – wenngleich sie nur sehr kurz war.

Noch ein bisschen

Nur noch 4 Kilometer – doch die ziehen sich. Vorbei wandere ich an einem Campingplatz für Paragliderpiloten, auf dem wir vor vielen Jahren bereits zu Gast waren und wunderbare Flüge erlebten. Auch heute sind wieder viele Gleitschirme in der Luft – ich werde wehmütig. Zu selten komme ich noch zum Fliegen…

Noch ein weiteres kleines bisschen

Nur noch 2 Kilometer… der Weg will einfach kein Ende nehmen. Mehrere hundert Meter schon ohne Aussicht auf Schatten – ich brenne. So wirklich kann ich die Landschaft nicht genießen und freue mich, als mein Ziel in greifbare Nähe rückt. Dann endlich: ich bin da. Tolmin!!

10 Tage. 100 km und 1000 Erlebnisse reicher

Von hier aus sind es noch 10 Minuten bis zu meiner Dusche, einem Zielbier, einer Riesenpizza und einem Mega-Eis. Hier in Tolmin bin ich angekommen: nach 10 Tagen, auf 100 km und immer entlang der slowenischen Etappen des Alpe-Adria-Trails. Das Erlebnis-Punktekonto ist damit wieder aufgefüllt – und ich bin so unendlich dankbar ?

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14 Kommentare
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