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Auf zauberhaften Pfaden der wilden Orchidee

So viele Jahre meines Lebens vergingen, ohne mir dessen bewusst zu sein, welch zauberhaftes Pflanzenwesen vor meiner Haustür im Biosphärenreservat Bliesgau wächst: die wilde Orchidee. Duzende Arten siedeln hier im Saarpfalz-Kreis zwischen April und Juli auf den Trockenwiesen, und bieten im Frühsommer Naturliebhabern einen seltenen Anblick. Dieser Anblick ist so einzigartig, dass erst vor wenigen Jahren ein Orchideenpfad in Gersheim angelegt wurde, auf denen die außergewöhnlichen Pflanzen ein Stelldichein mit teils seltenen Insekten- und Vogelarten halten. Ende Mai bin ich den knapp 3 km langen, naturbelassenen Wanderweg gegangen und konnte mit meiner Kamera einige dieser Schönheiten einfangen.

Wandern auf dem Orchideenpfad Gersheim

Ein warmer Tag kündigt sich an

Es ist schon ordentlich warm als ich mir meine neuen Wandersandalen anziehe. Bei den letzten Wanderungen platzten meine Füße förmlich vor Hitze – doch das wird mir heute nicht passieren. Die Tage hatte ich viel damit verbracht, mich zu wanderbaren Sandalen umzuhören und – ZACK – wie es der Zufall so will, bekam ich von der krachneuen KEEN Kollektion ein Paar von der Marke Terradora Ethos zum Testen ins Haus. Ein schönes Bloggerinnenleben ist das manchmal 🙂 Die Socken lasse ich aus – es soll wirklich, wirklich warm werden. Der Schuh schmiegt sich an meine Füße an, ich ziehe das Gummiband entsprechend fest und nun kann es direkt losgehen. (Hinweis: Weiter unten schreibe ich im „Werbeblock“ meine Eindrücke zum Schuh – Bilder gibt´s natürlich auch.)

Ein Segen ist, diesmal nur eine kurze Autostrecke nach Gersheim fahren zu müssen. Im Nachhinein hätte ich sogar radeln können – nächstes Mal. Faul wie ich also heute bin, stelle ich die vierrädrige Knutschkugel auf den unbefestigten Parkplatz neben einem Reitplatz beim Lachenhof ab und gehe noch wenige Schritte bis zur Begrüßungs- und Infotafel des Orchideenpfades. Auf geht´s – erstmal stramm den Hügel hoch.

Orchideenpfad Schild

Offizielles Zeichen des Orchideenpfads

 

Wissen kompakt: Orchideengebiet Gersheim


Das Gebiet in Gersheim ist einzigartig.

Warum? In Deutschland gibt es etwa 60 Orchideenarten. Rund die Hälfte davon findet man hier auf kleinstem Raum. Es kommen deshalb so viele Arten vor, weil unterschiedliche Lebensräume eng miteinander verzahnt sind. So gibt es einerseits sehr trockene Standorte, wie z. B. Weinbergmauern, aber auch feuchtere Standorte, wie den Kalkquellsumpf. So finden viele Tiere und Pflanzen mit unterschiedlichen Vorlieben ihre passende Nische. Bereits seit 1957 stehen Teile des Gersheimer Orchideengebiets unter Schutz.


Orchideen und der richtige Pilz im Boden

Orchideen sind speziell an ihren Standort angepasst. Ein Versetzen in den eigenen Garten zu Hause funktioniert deshalb garantiert nicht. Es fehlt das notwendie Lebensraumumfeld und vor allem fehlt der richtige Pilz im Boden.
Erst mit ihm ist es der Orchidee möglich, Nährstoffe und Mineralien aus dem Boden aufzunehmen. Daher: Niemals Orchideen ausgraben und nach Hause nehmen!


Orchideenwiesen müssen gepflegt werden

Der Bliesgau zeigt ein buntes Mosaik aus einzigartigen Lebensräumen. Wiesen mit Orchideen und Trockenrasen werden abwechslungsreich von Büschen und Hecken unterbrochen und gegliedert. Fast immer sind die Wiesen durch Mähen oder Beweidung entstanden. Daher ist der Bliesgau auch eine „Kultur“landschaft.

Wenn eine Wiese nicht genutzt wird, wachsen Büsche und schließlich entsteht ein Wald. Viele Arten, die auf Wiesen leben, würden aber bei solch einer Entwicklung verloren gehen. Das könnte auch dem „Gersheimer Orchideengebiet“ passieren.

Um die offenen Wiesen mit ihrer typischen Tier- und Pflanzenvielfalt zu erhalten, müssen die Wiesen weiter bewirtschaftet werden. Da sich die traditionelle Landwirtschaft nicht mehr lohnt, werden heutzutage Landschaftspflegemaßnahmen durchgeführt – nicht zuletzt für unsere Orchideen!

 

Das Buch der wilden Orchideen

Auf dem Hügel angekommen studiere ich das dort ausliegende Buch der Orchideen. Als Orchideen-Neuling weiß ich nicht immer genau, was nun eine Orchidee ist und was nicht. Erst letztes Jahr habe ich mein erstes, wildes Exemplar bewusst wahrgenommen. Das Buch enthält Bilder und verrät mir auch, zu welche Zeiten bestimmte Arten blühen – das hilft. Dann horche ich auf: Eine geführte Gruppe kommt von oben herab und ich höre den Guide eine Hummel-Ragwurz erklären. Unauffällig blättere ich nach und merke mir das Bild der dort abgebildeten Orchidee. Die will ich auch sehen!

Aufgeschlaut wende ich mich von dem Buch ab und wandere den Pfad an einer hübschen Mauer entlang. Meine Augen tasten ständig auf die von mir links liegenden Wiese ab, bis der Weg einen scharfen Knick nach rechts macht und mich den Hügel weiter hinaufgeführt. Jener Pfad leitet mich direkt in eine Trockenwiese wo das Staunen größer wird: Wohin das Auge sieht, überall schauen die pinkfarbenen Köpfe der Pyramiden Hundswurz raus (ich empfinde die Phonetik des Namens gänzlich widersprüchlich zum Aussehen. Ernsthaft: Wie kann man so hübschen Blumen einen so grässlichen Namen geben?!). Eine gefühlte Ewigkeit halte ich mich hier zum Fotografieren  auf, bis es mir schließlich doch zu heiß wird. Abkühlung naht in unmittelbarer Entfernung und spendet in einem Waldabschnitt, wenige Schritte weiter, ein wenig Schatten.

Weg am Orchideenpfad Gersheim

Traumhafter, schmaler Wanderweg

 

Unter den Bäumen kann man nun wählen, geradeaus zum Kalkquellsumpf zu wandern (und auf selbem Wege wieder zurückzugehen), oder rechts zu gehen, und den Orchideenpfad um ca. 1 km abzukürzen. Aber wenn ich schon hier bin, will ich natürlich ALLES sehen – und mache mich fröhlich auf zum Kalkquellsumpf.


Bedeutung des Kalkquellsumpf

Die Flora und Fauna dieses an extensive Grünlandnutzung gebundenen Lebensraumtyps ist meist artenreich mit vielen spezialisierten gefährdeten Pflanzen- und Tierarten. Sie sind sehr selten und durch Entwässerung, Nutzungsaufgabe oder Nährstoffeinträge stark gefährdet.


Kaum geht es aus dem Waldstück raus, wandere ich wieder auf einem Wiesenpfad: rechts begleiten mich wilde Büschen und Hecken, links von mir sehe ich über die ewig weite Wiese. Hier brennt der Planet wieder man ordentlich und ich notiere innerlich, für´s nächste Mal, einen Kopfschutz einzupacken. Verdammt. Wenigstens geht´s aber den Füßen gut, die Sandalen lassen genug Luft dran, und dass ohne Sand und Steine einzusammeln.

Und dann sehe ich sie: die Orchidee mit dem (fürchterlichen *hust) Namen Hummel-Ragwurz. Direkt am Weg steht sie und steht in voller Blüte:

Orchidee Hummel-Ragwurz

Eine Hummel-Ragwurz Orchidee

Orchidee Hummel-Ragwurz

Diese Orchidee bekam ihren Namen, weil sie die Blüte einer Hummel ähnelt.

 

Erster Eindruck der Wandersandale Terradora Ethos von KEEN

Werbung | Wenige Meter weiter lohnt sich die Rast auf einer Sinnenbank mit Ausblick auf die grünen Hügeln des Bliesgaus. Bis hier her haben mich meine neuen Wandersandalen (oder ist es eher ein sehr offener Wanderschuh?) ca. eineinhalb Kilometer getragen. Eine Stunde bin ich unterwegs, was den verführerischen Fotomodellen geschuldet ist 😉 Wollen wir also mal sehen, wie sich die Sandalen bislang geschlagen haben:

  1. Anfangs war die Wiese noch etwas feucht vom Regen in der Nacht, vielleicht auch vom Morgentau. Durch die Kappe an der Schuhspitze dringt kein bisschen Wasser ein und lässt den Fuß trocken.
  2. Es ist schnell in den Schuh rein- und wieder rausgeschlüpft.
  3. Das Obermaterial ist sehr elastisch, schmiegt sich hervorragend an den Fuß (das fühlt sich echt super an!) und ist offensichtlich atmungsaktiv. Die Schlitze rechts und links lassen zudem genug Luft an den Fuß.
  4. Die Innensohle ist sehr angenehm, man spürt sie gar nicht.
  5. Die Außensohle fühlt sich dünn an – schon fast wie ein Barfußschuh. Ich mag das Gefühl, solange der Wanderweg auf solch weichen Pfaden wie den heutigen führt. Ich kann mir aber vorstellen, dass es auf Asphaltwegen, Kiesel oder Geröll, und auf längere Sicht, unangenehm werden könnte.
  6. Das Schuhprofil ist für den Sommer angemessen. Da es auf dem Orchideenpfad teilweise noch nass und steil zugleich war: Auf Wegen mit aufgeweichter Erde oder gar Schlamm würde ich einen anderen Schuh wählen. Ich würde ihn auch nicht für Flussüberquerungen nehmen wollen (gut, ist jetzt auch sehr speziell *hihi).
  7. Multifunktional: Ich will nochmal testen, wie schnell der Schuh trocknet (ich vermute recht schnell). Denn er scheint mir gerade die perfekte Lösung für Packrafting und Wandern zu sein. Das heißt, ich kann damit auf´s Wasser und muss keine Schuhe wechseln, wenn ich das Boot einpacke und zu Fuß weiter unterwegs bin. Wenn Du nicht weißt, was Packrafting ist, dann lies hier nach.
  8. Das Bindesystem sitzt wirklich hervorragend und lässt sich flexibel am Fuß einstellen. Damit das Ende der Bindung während der Wanderung nicht herumbaumelt, habe ich es in die Schnürung geklemmt.
  9. Last but not least finde ich die Farbe und den gesamten Schuh einfach schick. Er lässt sich genauso gut auch in der Stadt tragen oder auf Reisen.
  10. Ich habe ihn in meiner Schuhgröße bestellt und er passt. Aus meiner Sicht muss er nicht eine halbe Nummer größer oder kleiner, wie bei vielen anderen Modellen anderer Marken, bestellt werden.

Kurzfazit: Für 100 EUR hat man hier einen Schuh für allerlei Möglichkeiten – das kommt mir sehr entgegen, da ich viele meiner Outdoor-Sachen sportübergreifend verwende. Welche Kleidung für welche Outdoor-Sportarten, kannst Du übrigens im Beitrag Outdoor-Bekleidung: Mit diesen Tipps sparst du bares Geld nachlesen. So auch an der Stelle: Daumen hoch für diesen Schuh!

KEEN Terradora Ethos

Die Wandersandale von vorne

KEEN Terradora Ethos

So sieht der Schuh von der Seite aus

KEEN Terradora Ethos

Das Schuhprofil der Sandale

 

Aber genug pausiert, ich will heute ja wieder nach Hause und die Sonne ist erbarmungslos hier draußen auf dem Feld. Doch nun, der Abstecher zum Kalkquellsumpf ist weniger spektakulär: Ein Holzzaun verhindert (zum Glück!) das Eindringen menschlicher Lebewesen und mehr als eine Infotafel kann ich ob der Entfernung von hier aus nicht sehen. Wer ein Fernglas dabei hat, hat sicher mehr von diesem Highlight. Nun denn – auf geht´s zurück zur Gabelung – und das jetzt recht zügig.

Weiße Blume Orchideenpfad

Viele Pflanzen liegen auf dem Weg. Kennt jemand dieses weiße Blümchen?

Ein Orchester ohne Dirigent

Zurück auf dem Rundweg genieße ich wieder eine kurze Sonnenpause unter dem Schatten der Bäume. Wie soll eigentlich der Sommer erst werden, wenn der Planet schon jetzt so brennt? Oder werde ich einfach nur alt? Eigentlich möchte ich es im Schatten noch ein bisschen länger genießen, doch der Blick dort vorne lockt mich raus: Mittlerweile weiß das Auge die Trockenwiesen gut zu erkennen, und vermutet darin weitere Orchideen. Und tatsächlich: Eine meiner Lieblingsexemplare blühen hier noch – wenn auch in ihren letzten Tagen. Das Purpur Knabenkraut findet sich hier sogar relativ häufig.

Wiese am Orchideenpfad Gersheim

Eine weitläufige Trockenwiese lässt weitere Orchideen erahnen.

Orchidee Purpur Knabenkraut

Orchidee Purpur Knabenkraut

 

Noch ein Stückchen weiter steht eine Bank mit Aussicht und: Hier sehe ich den Bliesgau in all seiner Pracht! Sanfte, grüne Hügel wellen sich vor meinen Augen – das übrigens bei herrlichstem Vogelgezwitscher und Grillengezirpe. Ein Orchester ohne Dirigent. Es ist so wundervoll! Noch einen langen, tiefen Atemzug, dann geht es von hier aus langsam aber sicher bergab und immer an der Wiese entlang, über die ich gerade noch so weit in den Gau geblickt habe. Ich erreiche den Feldweg, der von hier direkt zu meinem Auto führt. Es wird Zeit: Die Sonne steht direkt über mir und es gelüstet mich nach einer schönen, kalten Dusche.

Aussicht Orchideenpfad Gersheim

Ich genieße die Aussicht hier

Aussicht Orchideenpfad Gersheim

Blick über die grünen Wiesen des Saargaus.

Fazit und Linktipps

Seit ich vorletztes Jahr vom Orchideenpfad hörte, wollte ich ihn schon gehen. Die Strecke ist leider recht kurz, doch auch das hat seine Vorteile: so können ihn auch Menschen mit wenig Kondition gehen und in den Genuss der Orchideen kommen. Für Freunde der Fotografie sind die Orchideen und den teils seltenen Insektenarten natürlich einzigartig. Auch das Wegekonzept überzeugt mich: durchgängig gibt es traumhafte, unbefestigte Pfade auf dem gesamten(!) Rundweg. Einzig empfehlen würde ich, sich entweder schon mit Orchideen auszukennen oder sich einer Führung anzuschließen – man sieht und lernt dabei noch besser. Termine kann man auf der Seite des Biosphärenzweckverbandes entnehmen. Übrigens: Orchideen gibt es auch auf der Traumschleife Panoramaweg Perl!

Alle Infos zur Wanderung im Überblick

Wandertour: Orchideenpfad Gersheim

Wanderzeitraum: 31. Mai 2018

  • Art: Rundweg
  • Startadresse: Unbefestigter Parkplatz am Lachenhof [Google-Maps]
  • Länge: 2,8 km
  • Höhenmeter: ➚ 100m | ➘ 100 m
  • gebrauchte Zeit (ohne Pause): 0:31 h
  • Schwierigkeit: mittelschwer (wg. des Aufstiegs)
  • Wanderkarte mit GPS Track und Bildern: Orchideenpfad Gersheim

Bewertung (max. 5 Sterne)

  • Beschilderung: ⋆⋆⋆⋆⋆
  • Naturerlebnis: ⋆⋆⋆⋆⋆
  • Einsamkeit: ⋆⋆⋆⋆

4 Kommentare
  1. 11. Juni 2018
    • 11. Juni 2018
  2. 24. April 2020

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