Ich hatte ja keine Ahnung was mich erwartet, als ich an einem sonnigen Herbsttag den Beschluss fasste, gleich zwei Traumschleifen zu gehen. Ich hatte keine Ahnung davon, wie sehr mich gerade dieser, von dem ich Dir erzählen möchte, berührte. Wer hier im Saarland wandert, der wandert im Herzen Europas. Und wenn Du mich fragst, so habe ich dieses Herz auf der Traumschleife Grenzblickweg in Leidingen gefunden. Diese „grenzenlose“ Wanderung führt dich mal nach Frankreich, mal nach Deutschland. Wanderer und Spaziergänger begrüßen dich mal mit Bonjour und mal mit guten Tag. Diese Tour ist für jeden, der Europa und seine Diversität so liebt wie ich und davon erzähle ich Dir hier. Weiter unten findest Du dann alle Infos zur Tour sowie das Wandervideo.

Erstmal ankommen bevor es losgeht.
Beitragsinhalt
- Erstmal ankommen bevor es losgeht.
- Zwei Fenster für grenzenlose Nachbarschaft
- Zauberhafter Mischwald
- Wohin des Wegs?
- Der Saargau: unendliche Weiten
- Unmerklich wird die Grenze überschritten
- Kurze Rast am Ihner Weiher
- Zurück auf der neutralen Straße
- Ergänzende Tipps zur Wanderung
- Pro & Contra
- Fazit
- Alle Infos zur Wanderung im Überblick
- Weitere Wanderungen im Saarland, die Dich inspirieren könnten:
„Verflixt, ich habe hier kein Netz.“ Etwas nervös starre ich auf mein Handy und warte eine gefühlte Ewigkeit – doch das Navi will nicht. Es ist zwölf Uhr und ich komme gerade von der Traumschleife Vauban Steig. Ich warte noch etwas und esse zwischenzeitlich die Reste meines Mittagessens im Wagen. Um eins wollte ich erst in Leidingen sein, also ist noch Zeit. Dennoch schwindet von Minute zu Minute die Hoffnung, dass sich die Karte lädt. Mist. „Dann versuche ich es eben nach Gefühl, was soll schon schiefgehen.“ Ich packe die geleerte Dose weg, nehme noch einen letzten Schluck aus der Wasserflasche und starte meinen Corsa. Das Ziel: Immer Richtung Westen, direkt an die deutsch-französische Grenze.
Bis auf einen kleinen Umweg finde ich das rund 200 Seelen Dörfchen problemlos, bleibe gleich vor deren Einfahrt mitten auf der Landstraße stehen und staune. So etwas habe ich noch nie gesehen: Links steht das Ortsschild auf französischer Seite und rechts das deutsche Schild auf der – klar – deutschen Seite. Diese Besonderheit ist wirklich einzigartig in Deutschland! Leidingens Hauptstraße, einerseits mit dem Namen „neutrale Straße“ andererseits „Rue de la Frontière“ trennt die beiden Länder Deutschland und Frankreich – und vereint sie zugleich.
Es gibt zwei Postboten, zwei Sprachen und zwei Kirchen. Ein Dorfteil gehört zum Saarland, das andere zu Lothringen. Und wer seinen Nachbarn anrufen will muss die Landesvorwahl wählen – dabei können die Menschen, die an der Straße wohnen, direkt in ihre Wohnzimmer gucken.
Jetzt möchte ich aber wirklich nicht länger die Straße blockieren und biege hinter dem französischen Ortsschild links nach Frankreich zur Eglise (Kirche) ab. Auf einem öffentlichen und kostenlosen Parkplatz befindet sich mein Startpunkt zur Wanderung, auf die ich jetzt noch gespannter bin als zuvor.
Zwei Fenster für grenzenlose Nachbarschaft
Ich bin noch gar nicht weit gekommen und stehe noch an der Kirche, da sehe ich schon eins der beiden Grenzblickfenster. Entstanden sind die Grenzblickfenster aus der Feuerwehrkameradschaft der leidinger Einwohner, durch dessen Ergebnis ich hier auf der französischen Seite und hin zur deutschen Kirche durchblicke. Beide Fenster stehen symbolisch für grenzenlose Nachbarschaft beider Länder, erschaffen in rund 270 ehrenamtlichen Arbeitsstunden. An den Fensterteilen lese ich Geschichten, Gedichte und Gedanken zu unseren Grenzen – auch jenen in unseren Köpfen. Ein wirklich nachdenklicher Ort, der jeden berührt, der weiß, dass sich hier einst zwei Feinde gegenüber standen.

Das Grenzblickfenster auf französischer Seite

Der Schatten der Grenze

Nachdenkliche Zeilen am französischen Grenzblickfenster – ja, auf deutsch!
Zauberhafter Mischwald
Doch nun habe ich genug verweilt, endlich will ich los und tauche in den herbstlichen Dennenwald ein. Die Mittagssonne lässt die Farben nur so leuchten, teils noch sommerlich grün, teil schon herbstlich rot und braun. Nach dem geschichtsträchtigen Empfang am Fenster, schließe ich den Grenzblickweg schon jetzt in mein Herz und weiß: Dieser ist ein ganz besonderer!
Hier und da öffnet sich im Wald zur rechten und präsentiert einen weitschweifigen Postkartenausblick nach Heining. Eine entgegenkommende Spaziergängerin grüßt mich freundlich auf Bonjour, ich lächle, grüße zurück und biege kurz von Heining nach rechts in eine Buschallee ab, die mich mit übergroßen Hecken in einen nach oben offenen grünen Tunnel führt.

Ausblick auf Heining

Herbstfarbener Wald. Märchenhaft!
Wohin des Wegs?
Der schmale, erdige Weg führt mich zurück zur Hauptstraße und irritiert kurzzeitig: ich sah das korrekte Traumschleifenschild nicht. Glücklicherweise hatte ich mir die Karte vor der Tour kurz angesehen und erinnerte mich an die Kreuzung, an derer man entweder die kleine Runde gehen oder die komplette Traumschleife wandern konnte. So biege ich hier nun scharf nach links und finde das gesuchte Schild auch gleich. Geht doch!

Ist das nicht ein atemberaubender Ausblick?!
Der Saargau: unendliche Weiten
Je höher ich komme, desto imposanter drückt sich der Saargau in all seiner Schönheit aus. Wolken werfen hier und da Schatten über die so typisch sanften Hügeln, die mal mit Wald und Feld die Landschaft so unverwechselbar machen. Ein Grenzstein neben einer Sitzbank erinnert hier an den Grenzgraben, der einst beide Länder trennte – und heute nur ein Pfad seiner selbst ist.

Einladende Bank mit Aussicht über das Saartal
Ein Schwenk nach Link eröffnet mir auf dem Plateau eine unendlich grüne Wiesenlandschaft von der aus ich über die mit Wolkenschatten besprenkelte Landschaft blicke. Ein wenig ist es so, als wäre die Luft hier oben noch etwas frischer, noch reicher an Sauerstoff und lebendiger. Ich nehme mit geschlossenen Augen einen tiefen Atemzug und halte kurz inne. Hier oben lädt eine Sitzgruppe mit Tisch zum Picknick ein, was ich nur empfehlen kann. Es ist mit der schönste Ausblick auf der gesamten Tour!

Wie immer gut ausgeschildert. Hier: Die Markierung des Grenzblickwegs
Unmerklich wird die Grenze überschritten
Den nächsten Kilometer wandere ich nahezu ausschließlich auf dem weichen Wiesenweg und immer mit dem noch lauen Herbstwind in der Nase. Als ich schließlich wieder Richtung Osten biege, werden die Wege breiter und ein Landwirt verrichtet mit seinem Traktor in der Ferne seine Arbeit. Schließlich legt sich mir Asphalt unter die Füße und fast unbemerkt befinde ich mich wieder auf deutschem Boden.

Natur pur und strahlender Sonnenschein begleiten mich heute
Kurze Rast am Ihner Weiher
Ein paar Meter noch, dann weist mich das Schild wieder zurück auf ein besseres, wanderbares Wald- und Wiesenstück. Vorbei an Buschalleen und bizzaren Bäumen, wechseln sich die natürlichen Sehenswürdigkeiten immer wieder ab, bis ich schließlich, wie aus dem Nichts, vor dem menschenleeren Ihner Weiher stehe.
Drei schwarze Schwäne beäugen mich kritisch als ich näher komme und einer davon macht dicke Federn. Vorsichtshalber erhöhe ich mein Tempo etwas und beobachte, dass sich der Schwan auch schnell wieder beruhigt. Die Sonne lacht mir hier direkt ins Gesicht und das ruhige Wasser und die klare Luft sind wahre Seelenschmeichler. Fast bin ich den See umrundet, setze ich mich kurz auf eine Bank – diesen Anblick möchte ich dann doch ein wenig länger genießen.

Der Ihner Weiher bei Ihn

Das Entenhaus am Ihner Weiher – hier leben auch drei schwarze Schwäne

Wanderweg am Ihner Weiher
Zurück auf der neutralen Straße
Kaum stehe ich wieder auf, führt mich der Weg in den Wald am Ihner Bach entlang und weiter nach Ihn. Östlich der Leidinger Straße durchwandere ich einen meterhohen, einrahmenden Heckentunnel und begrüße kurz darauf friedlich auf der Wiese liegende schwarz-weiße Kühe. Bei Kilometer 12 bin ich schließlich wieder an der Kreuzung, an der ich mich vorhin fragte, wohin mich der Weg wohl führen möge. Diesmal bin ich mir sicher und fast auch ein wenig enttäuscht: Denn die Route führt nun schnurstracks geradeaus auf der asphaltierten Landstraße – entlang an der neutralen Straße und zurück nach Leidingen – schon!

Durch diesen Heckentunnel führ die Wanderung

Sehr gechillte Kühe
Ich laufe Schlangenlinien und erfreue mich am europäischen Luxus, mal in Deutschland und mal in Frankreich sein zu können – egal ob das nun kindisch ist oder nicht 😉
In Leidingen angekommen findet die Tour in ihrer Geschichte ihr historisches Ende: An der deutschen Kirche und vorbei an ihrem Friedhof, stehe ich nun andächtig vor dem zweiten Grenzblickfenster und sehe durch es die Kirche auf der französischen Seite.
„Wie schön es ist, hier zu sein. Wie schön es ist, zwischen den Ländern zu wandern. Ländern, die einst verfeindet waren und nun Freunde sind.“

Durch dieses Grenzblickfenster geht der Blick hin zur franzsöschen Kirche

Das Grenzblickfenster auf der deutschen Seite
Ergänzende Tipps zur Wanderung
- In der Nähe des Ihner Weihers sind es ca. 200 m zur Sehenswürdigkeit Sudelfels.
- Wanderroute vorher genau studieren, um an der Kreuzung nicht verwirrt zu werden.
- Für den einen gut, den anderen schlecht: Auf diesem Weg gibt es kaum Netz geschweige denn Internet.
Pro & Contra
Pro
- Sehr abwechslungsreich und lehrreich.
- Eine faszinierende Geschichte hinter der Wanderung: Hier erfährt man viel zur Entstehung des Saarlandes und „spürt“ Europa hautnah.
- Dass ein Dorf direkt zwischen der Grenze liegt ist einmalig in Deutschland.
Contra
- Während die französische Seite sehr natürlich ist, gibt es auf der deutschen leider geballt die breiten und asphaltierten Wege.
- Keine Einkehrmöglichkeiten in der Nähe

Ein hübsches Kätzchen beobachtet mich kritisch
Fazit
Die gesamte Wandertour stimmte mich im positiven Sinne nachdenklich. Schließlich war es nicht immer so selbstverständlich, nahezu unbemerkt die deutsch-französische Grenze zu überschreiten. Es ist noch nicht mal allzu lange her, als wir zwischen Deutschland und Frankreich Grenzposten hatten, ich erinnere mich noch gut daran. Diese Grenzenlosigkeit ist ein echter Luxus, auf den ich nicht mehr verzichten möchte. Nie wieder <3
Alle Infos zur Wanderung im Überblick
Weitere Wanderungen im Saarland, die Dich inspirieren könnten:
- Grenzüberschreitend wandern: Traumschleife Panoramaweg Perl
- Wanderung in Weiskirchen: Panoramen an der Traumschleife von Georgi [inkl. Video]
- Die 7 schönsten Winterwanderungen im Saarland
- Premiumwanderweg am Hofgut Imsbach: Natur satt
Ein sehr schöner Bericht, der Lust auf diesen Traumpfad macht.
Gruß
Aurora
Das freut mich. Vielen Dank!
Liebe Grüße, Bianca
sehr schöner Bericht,
bin die Tour gestern gewandert, bei nicht ganz so optimalen Wetter.
https://www.komoot.de/tour/28078968
Ingesamt eine schöne Tour, wenngleich relativ im Vergleich zu vielen anderen TS, auch im Vergleich zu den Grenz-TS PW Perl, und Schengen Grenzelos, die Schleife meiner Meinung nicht ganz mithalten kann. Für TS-Verhältnisse relativ viel Asphalt.
Das Grenzfeeling ist wie von dir schön beschrieben auf dieser TS aber deutlich präsenter als auf den anderen Grenz-TS.
Ein ähnliches Grenzfeeling hatte ich zuletzt dort:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Bayerisch_Eisenstein_/_%C5%BDelezn%C3%A1_Ruda-Al%C5%BEb%C4%9Bt%C3%ADn
(sehr schöne Gegend zum Wandern)
zum Quellheiligtum Sudelfels sind es von der Schleife laut HinweisSchild 600Meter Hinweg. Ich glaube es sind tatsächlich aber noch mehr.
Gruß Thomas
Hallo Thomas,
danke für Dein Kompliment. Und ja: Asphalt gibt´s – auf der deutschen Seite mehr als auf der französischen (die mir persönlich auch besser gefallen hat). Der Panoramaweg Perl gefällt mir auch gut, allerdings habe ich hier nicht diese Grenzerfahrung empfunden wie auf dem Grenzblickweg. Er hat mir persönlich auch nicht so gut gefallen wie der Leidinger – aber das ist oft rein subjektiv und, wie ich auch immer wieder feststelle, abhängig davon, zu welcher Jahreszeit man die Wege geht.
Ansonsten danke für den Tipp zu Eisenstein! Wenn ich mal wieder in der Gegend bin und etwas Zeit habe, merke ich mir die Ecke für eine Wanderung gerne mal vor 🙂
Viele Grüße,
Bianca
Allerdings, eine schöne Tour. Zwei Ergänzungen, eine Einkehrmöglichkeit gibt es oft in der Hütte am Ihner Weiher. Alfred Gulden, aus Saarlouis-Roden stammend,, hat das Gedicht „Die Grenze“, im deutschen Grenzblickfenster in Leidingen auf französisch, im französischen Grenzblickfenster in Leiding auf deutsch, geschrieben. Bereits 1983 stellte der Schriftsteller, Dramatiker, Lyriker, Lieder- und Filmemacher die Dokumentation „Grenzfall Leidingen“ vor. Dieser für den Saarländischen Rundfunk produzierte Film handelt von dem kleinen Dorf genau auf der deutsch-französischen Grenze – Grenzfall Leidingen!
Hallo Gerhard, danke für die wertvollen Ergänzungen! Die Hütte ist mir auch aufgefallen, doch konnte ich dazu keine Informationen im Internet finden. Ich will zum Film mal schauen, ob es ihn irgendwo noch gibt. Danke Dir!
Viele Grüße, Bianca