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Slowenien: was wirklich zählt

Dies ist der 4. Teil meines Slowenien-Tagebuchs: mit dem Zelt auf dem Alpe-Adria-Trail.


1. Tagebucheintrag: nach Schlechtem kommt immer was Gutes

2. Tagebucheintrag: Das Leben braucht mal Pause

3. Tagebucheintrag: Jeder Tag hat eine neue Chance verdient


Ich fühle mich wie ausgespuckt

Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, jemals eine so schlechte Nacht gehabt zu haben. Um vier war sie vorbei, was an mir und nicht an den Zeltnachbarn lag. Ich fühle mich, als wären meine Knochen im Körper wahllos verteilt, überall tut es weh. Vor allem mein Rücken. Ich habe nie Rückenprobleme und ordne die Schmerzen meinen beanspruchten Muskeln zu – so ein Rucksack ist eben doch schwer. Vor allem meiner.

Die Entscheidung

Das Camp Triglav liegt mir einfach nicht, sodass die Entscheidung nach Sammlung meiner Gebeine fällt: ich ziehe weiter. Spät habe ich meinen Rucksack fertig, immer noch mit mir und dem Muskelkater kämpfend. Doch dann „hau-ruck!“ Und alles ist wieder am gewohnten Platz – wo es hingehört.

Die weiße Soča

Der Wald gehört am heutigen Morgen ganz mir. Die Soča liegt rechts von mir und ist so gar nicht smaragdgrün, wie man sie erwartet: die Trockenheit lässt nur noch das Weiß der Steine erstrahlen, die eigentlich vom Wasser bedeckt sein sollten. Verrückte Welt ist das. Ich denke, es könnte so viel schöner sein. Doch was bringt´s? Lieber achte ich dann mehr auf den Duft der Nadelbäume, das Zwitschern der Vögel und das warme Licht der Sonne – das macht mich zufrieden. Sehr.

Schnell ist nicht

Die heutige Etappe möchte ich voll auskosten, schließlich sind kaum Höhenmeter zu bewältigen und da hoffe ich, etwas Gas geben zu können. Trotzdem, knifflig wird es hier und da: der Weg ist stark verwurzelt oder mit Geröll belegt, die schnelles Wandern für mich nicht möglich machen. Muss es aber auch nicht. Der Weg ist schließlich das Ziel.

Was wirklich zählt

Gedankenverloren wandere ich vor mich hin, bis mir bewusst wird, wie frei ich mich fühle. Ich kann bleiben wenn ich will, ich kann ziehen, wenn ich will. Alles was ich brauche trage ich auf dem Rücken – mehr braucht es einfach nicht. Und trotz der Vorteile: hier bin ich ein Alien. Du glaubst gar nicht, wie viel Kram die Leute mitnehmen! Monströse Zelte, bei denen es wundert, nicht noch den passenden Anhänger dabei zu haben. Kisten voll Essen und Erste-Hilfe-Sets, wie ausgerüstet für etliche Notfalllagen. Wie frei kann ein Mensch sein, der sich für alles absichert? Der Tage, Wochen, Jahre in die Zukunft plant und in Panik gerät, wenn der Plan nicht aufgeht? Leichtes Gepäck. Damit fühlt es sich gerade verdammt gut an. Nicht an morgen denken. Geil. Mir kommen die Tränen, kurz, vor Glück. Warum kann nicht jedes Leben so leicht sein?

Dann donnert es eben

Es donnert und ich nehme meine Füße aus dem kühlenden Wasser der Soča, die hier mittlerweile wieder Wasser hat und smaragdgrün im Sonnenlicht schimmert. Na, dann donnert es eben, soll es erst mal anfangen zu Regnen. Bis dahin laufe ich – wenn es soweit ist, wird mir schon was einfallen. Mindestens die Isomatte und der Schlafsack sind vorläufig schon in einer Mülltüte verpackt…

Direkt vor und hinter mir machen riesige Cumulonimbus dicke Backen – und regnen hinter den Bergen ab. Solange geleitet mir die Sonne den Weg und lässt mich staunen. Immer und immer wieder über dieses Naturwunder des smaragdgrünen Flusses.

Ankunft am Camp

Schließlich schaffe ich es wirklich: Ankunft im Camp Liza. Zwei ältere Schwäbinnen, die wie ich tapfer den Alpe-Adria-Trail wandern, treffe ich zufällig wieder – und wir gehen ein Stück gemeinsam. Im Camp angekommen, treffe ich Freunde. Freunde, mit denen ich am letzten Wochenende noch den Packrafting-Kurs machte. Es fühlt sich an, als käme ich Heim. Ein schönes Gefühl. Ich glaube, ein Zuhause gehört auch zur Freiheit dazu. Für mich. Und es donnert immer noch. Vielleicht ziehe ich mir doch mal die Regenjacke langsam an.


Zum nächsten Tagebucheintrag: Slowenien Tag 5 – Es blitzt. Es donnert. Und dann kommt der Regen

2 Kommentare
  1. 24. August 2018
    • 24. August 2018

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