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Slowenien: Es blitzt. Es donnert. Und dann kommt der Regen

Mit dem Zelt auf dem Alpe-Adria-Trail. Dies ist der 5. Tagebucheintrag über den Plan, ohne Plan in Slowenien zu wandern.


1. Tagebucheintrag: nach Schlechtem kommt immer Gutes

2. Tagebucheintrag: Das Leben braucht mal Pause

3. Tagebucheintrag: Jeder Tag hat eine neue Chance verdient

4. Tagebucheintrag: Was wirklich zählt


Das Wetter schlägt um

Dies letzte Nacht war weitaus besser als die letzte – vielleicht auch gerade weil es die letzte nicht war. Der Muskelkater macht sich zwar weiterhin bemerkbar, doch zweifle ich heute nicht daran, weitergehen zu können. Weit geht es heute sowieso nicht: eine dicke Kaltfront kündigt sich an und wird mich vor die Herausforderung stellen, kurz vor dessen Ankunft, eine geeignete Bleibe zu finden.

Alles hat einen Grund

Ohne Kaffee und Frühstück verlasse ich das Camp Liza und freue mich bereits auf Bovec: noch vor wenigen Tagen fuhr ich hier mit dem Bus nach Kransjka Gora ab, verpasste den 7:30er aber um wenige Minuten. Heute, so wie an jenem Tag, suche ich die Bäckerei mit den unsagbar leckeren Käsegebäck auf und lasse mir dazu zwei Cappuccini schmecken. Von dieser wüsste ich heute noch nichts, wenn ich damals nicht zu spät dran gewesen wäre. Aber nun: jetzt bin ich Mensch. Jetzt geht es los.

Meine Hüttenübernachtung bei Vršič hat mich ein drittel meines Bargelds gekostet. Auch das Camp Triglav verschmähte meine Karte. Doch auch das Problem lässt sich in Bovec kurzerhand lösen, und bescherte mir so ganz nebenbei noch eine kleine Sightseeingtour durch zauberhafte Gässchen, weg von den Touristenspots.

Im Jetzt

Während ich die Tage wandere, und ohne Ziel- und Zeitvorgaben die Dinge einfach so geschehen lasse, geschieht etwas mit mir. Es fällt mir schwer es zu beschreiben, doch versuche ich es zu umschreiben:

Was wäre, wäre das JETZT ein Land. Du könntest nur da sein und nicht zeitgleich woanders. Das Land VERGANGENHEIT hast du bereits besucht und nach ZUKUNFT willst du vielleicht mal. Während des Wanderns und dem Zulassen von Dingen auf dieser Reise, wird mir das JETZT immer deutlicher. Und auch, wie sehr ich im Alltag genau das nicht hinkriege. Zu viel VERGANGENHEIT und ZUKUNFT, zu viel an „was wäre wenn“ als darauf zu vertrauen, dass es gut ist und wird. Hier und da vielleicht noch ein Impuls, wie das Weiterziehen, der aber nicht mehr sein soll als dem Glück auf die Sprünge zu helfen.

Im JETZT-Land musst du Dinge (an)nehmen wie sie sind und das macht etwas mit dir: denn ohne jegliche Vorstellungen von der ZUKUNFT oder schlechten Erfahrungen aus der VERGANGENHEIT, bist du so viel dankbarer über das, was geschieht – und somit glücklicher.

Lass es zu

Was mir vor einem Jahr noch Sorgen bereitete, sehe ich heute sehr viel entspannter. Ohne zu wissen, wo ich Nachts schlafe war undenkbar. Ich würde flunkern, wenn ich behaupte, dass mir die heutige Kaltfront im Nacken keine Sorgen bereitet. Doch sich davon leiten zu lassen ist keine Option. Nicht hier in Slowenien, nicht hier auf dem Trail. Mehr als nur ein paar Schritte wandern und dann zulassen was passiert. Im schlimmsten Fall werde ich nass – so what?

Es wird klar: ich schaffe mein Ziel nicht

Der Trail führt mich vom Soča-Tal ein Stück in einen sehr urigen Wald. Ein Bach plätschert des Wegs, der ein, zweimal auch über ihn führt. Ich habe die grobe Idee, es bis zum Camp Lazar bei Kobarid zu schaffen – noch bevor der große Regen kommt. Ich passiere den Wasserfall Virje und begutachte ihn von weitem. Der Weg führt weiter zum Wasserfall Boka, zu dem ich es allerdings nicht mehr schaffe.

Wieder geschafft

Wie aus dem Nichts stehe ich plötzlich inmitten einer großen Wiese mit Zelten. Es gibt einen schönen Holzpavillon worin Bänke und Tische stehen und der von vier blauen Hängematten umrahmt ist. Wow, das ist wirklich nett! Doch dann meldet sich die Vernunft: es ist erst halb zwölf und überhaupt ist erst die Hälfte der vorgenommenen Kilometer geschafft! Zieh weiter, Bianca!

„One/two seconds please“ höre ich plötzlich jemandem aus dem neben mir stehenden Holzhäuschen sagen, den ich vorher gar nicht wahrnahm. Dann kommt er auch schon auf mich zu und fragt, ob er mir helfen könne. „Do you have space for my tent for two nights?“ höre ich mich fragen und bekomme lächelnd geantwortet: „you can stay how long as you want.“

Schließlich

Nachdem das Zelt aufgebaut ist, liege ich samt kalten Bier in einer der blauen Hängematten. Es blitzt. Es donnert. Und dann kommt der Regen. Ab jetzt: dankbare Zwangspause.


Zum nächsten Tagebucheintrag: Slowenien Tag 6 – immer diese Entscheidungen

Special: Slowenien: 23 unveröffentlichte Bilder samt GPS-Tracks

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