Es war ein seltener Tag. Selten, weil alles so geklappt hat wie geplant. Dennoch war die Sorge im Nacken, dass das Angioödem wieder kommt, so wie gestern. Doch nichts geschah. Bis auf einige sehr schöne Erlebnisse.
So eine ungewöhnliche Nacht, wie im Trekking-Camp des Pico Ruivo, hatte ich und werde ich vermutlich lange nicht mehr haben. Wie die Tage zuvor klingelt mein Wecker noch in der Dunkelheit. Ich will wieder früh los, um nicht zu lange in der Hitze zu wandern. Meine Zeltnachbarn neben mir sind schon wach und bereiten sich mit Stirnlampen darauf vor, die letzten Höhenmeter zum Gipfel zu besteigen. So wie einige andere übrigens auch, die in einer Stirnlampenkolonne den Berg hoch gehen. Und man kann es ihnen nicht verübeln: ich sah schon gestern den Sonnenuntergang dort oben, der Sonnenaufgang ist sicher mindestens genau so schön.
Ich bin nun allein im Camp und mach mir erstmal Kaffee und mein Müsli. Trotzdem ist Hektik fehl am Platz, diesen Ruhenoment atme ich an einer Anhöhe ein und beobachte beim Frühstück dabei, wie die Sonne über die Wolken steigt. Ich bin so erfüllt darüber, solch ein Glück zu haben und unendlich dankbar für dieses unbeschreibliche Erlebnis.
Doch als die Sonne oben ist, reiße ich mich nun doch von jenem Anblick weg und packe Zelt und Klamotten zurück in den Rucksack. Mein Wanderweg führt direkt am Trekking-Camp vorbei, was mir die Einstiegssuche (aber auch –Geschichten) erspart.
Heute wird mir zum ersten Mal so richtig klar, dass ich nicht nur alleine wandere, sondern auch alleine bin. Keine Menschenseele ist hier oben, auch wenn ich meine, ständig zwei Franzosen zu hören. Oder ist das nur das Plätschern aus der Wasserblase in meinem Rucksack? Ich bin verwirrt. Vielleicht sind es auch nur meine Schutzengel, die sich darüber ärgern, mal was arbeiten zu müssen. Ich muss kurz über mich selbst lachen und gehe weiter.
Um 11:30 Uhr ist es schon so heiß, dass ich eine Pause einlegen möchte, bevor es die steilen Stufen aufwärts geht, immer den PR1.3 entlang. Ich esse etwas an meinem winzigen Schattenplatz und bewundere eine Schwalbe, die immer und immer wieder im Sturzflug vorbei zieht, um dann zu drehen und dasselbe zu wiederholen. Die hat echt nen Vogel 😀
Es hilft nichts: Stufe um Stufe besteige ich diese Treppe, in der Hoffnung, sie möge nicht so ewig lang hochgehen. Doch hoffen darf man das eigentlich nicht, entweder geht es rauf oder eben runter. Wie gut, dass ich das erst am Ende meiner Trekking-Tour erkannt haben werde… Doch ich lasse mich nicht hetzen und auch jetzt bin ich froh, recht früh dran und somit sehr gut in der Zeit zu sein. Schließlich hat das Universum ein Einsehen und präsentiert mir auf dem Silbertablett, einen der schönsten schattigen Plätzchen, die ich bislang auf dieser Tour hatte. Die Gelegenheit ist günstig, ich lasse alles fallen und lege mich in den kühlen, weichen Rasenplatz mit Panoramablick.
Nachdem der Körper wieder auf Normaltemperatur läuft, rappel ich mich hoch und stöhne leise Schmerzschreie aus, ob des Muskelkaters. Hätte mich auch gewundert, wenn sich dieser nicht eingestellt hätte. Also dann: es geht weiter hoch, entlang von Basaltsteinwänden und Hochebenen. Eine Aussicht, wie aus Postkarten entsprungen.
Dann geht es „nur noch“ runter. Die meisten unter Euch werden Abstiege nicht mögen, mir geht es genauso. Wieder Stufen. Und noch mehr Stufen. Es zieht sich, doch hat das Universum wieder Einsicht mit mir und schickt mir Frank. Der Hesse macht eine kurze Bemerkung auf deutsch und wir kommen direkt ins Gespräch. Er ist einer solcher offenen und neugierigen Menschen, mit denen es einfach eine Freude ist, zu plaudern. Er wolle ein paar Kilometer weiter hoch, kommt später aber wieder zurück. Wir verabschieden uns wieder und die Wege trennen sich. Zumindest, bis er mich wieder einholt. Ich bin halt ein LKW 😀
Geschafft. Zwar noch nicht im Camp, dafür aber am Casa da Encumeada, indem ein kleines Café zur Rast einlädt. Frank und ich beschließen, ein letztes Bier zusammen zu trinken, bevor wir uns nie wieder sehen.
Nach einem Snack und einer kompletten Wasserbefüllung, geht es ca einen Kilometer weiter bis zum Trekking-Camp. Diesmal ist es ein beschaulicher Platz im Wald, in der Nähe eines verlassen Gebäudes. Gebäude sind toll. Sie haben meist an der Außenseite Wasserhähne. Den nutze ich, um mich mal ordentlich zu waschen. Herrlich!

Hey Bianca,
Du warst im Agust da, richtig?
Wie waren denn die Temperaturen nachts in den Bergen.
Ich rätsle welchen Schlafsack ich mitnehmen muss.
Viele Grüße
Ludwig
Ja genau, ich war im August da. Und ich hatte meinen Sommerschlafsack dabei. Es war wirklich warm.
Viele Grüße
Bianca
Hi Bianca! wir sind bei der Planung unserer Fernwanderung auf Madeira auf deinen Blog gestoßen.
Wir möchten ebenfalls mit dem Zelt die wandern aber finden unterschiedliche Informationen zum Campen auf der Insel. Kannst du aus deinen Erfahrungen uns helfen? Hast du die Erlaubnis zum Zelten online erhalten? Und vor allem für den Campingplatz auf dem Pico ruivo, hast du den Platz online reservieren können?
Wir finden online die Info, dass 2 Zelte dort stehen dürften und die Plätze sind schon belegt. ist es dann nicht mehr möglich da auch zu zelten?
(es ist erstaunlich schwer online die richtige Info zu finden, darum wollten wir einfach mal versuchen eine Erfahrene Wanderung zu fragen 🙂 )
Hi Lena,
falls du den Beitrag nicht sowieso schon gefunden hast: Hier findest du alle Trekkingplätze auf Madeira sowie auch Infos zur Online-Reservierung: https://lebedraussen.de/madeira-trekking-campingplaetze-zelt-individuelle-wanderreise/ Auch den Platz auf dem Pico Ruivo kannst du dort reservieren, es gibt aber zwei: etwas unterhalb (da stand ich) für zwei Zelte und einer weiter oben am Gipfel (schätzungsweise auch für ein oder zwei Zelte). Besser, man bucht wirklich sehr rechtzeitig, um noch Platz zu bekommen – gerade die auf dem Berg sind sicher heiß begehrt.
VG Bianca