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Slowenien: immer diese Entscheidungen

Abgesehen vom gestrigen Übersichtspost ist das nun der 6. Tagebucheintrag über meine Trekking-Reise in Slowenien auf dem Alpe-Adria-Trail. Falls Du die letzten nachlesen möchtest:


1. Tagebucheintrag: nach Schlechtem kommt immer Gutes

2. Tagebucheintrag: das Leben braucht mal Pause

3. Tagebucheintrag: Jeder Tag hat eine neue Chance verdient

4. Tagebucheintrag: was wirklich zählt

5. Tagebucheintrag: Es blitzt. Es donnert. Und dann kommt der Regen


Wind, Gewitter und verdammt viel Regen

Als ich heute morgen in meinem Zelt aufwache, prasselt der Regen immer noch auf selbiges. Seit gestern Abend beschert uns die Kaltfront Wind, Gewitter und viel, sehr viel Regen. Der Temperatursturz ist spürbar und ich ziehe mir die Schlafsackkapuze nochmal tief über das Gesicht. Ich. Mag. Nicht. Aufstehen.

Doch ich muss: Das Prasseln und Rauschen um mich zwingt mich mit Regenjacke kraxelnd aus der Behausung, sputend bis zu dem Ort, wo ich mich erleichtern kann. Jetzt kann ich auch aufbleiben und entscheide, mir im Gemeinschafts-Loft einen Kaffee zu machen.

Frühstücksfeuer

Langsam trudeln weitere Gäste herbei und einer davon kommt auf die wundervolle Idee, das Feuer anzumachen. Ich helfe ihm dabei und gebe eine alte Visitenkarte und Quittungen in die noch jungfräuliche Flamme. Als das Feuer brennt, widme ich mich dem Kaffee, um dessen Tasse ich die kalten Finger lege und die Wärme in mich einziehen lasse.

Bleiben oder Gehen?

In diesem Augenblick weiß ich noch nicht, ob und wie es heute mit mir weitergeht. Weiter wandern? Oder bleiben? Große Lust bei Nässe das Zelt abzubauen und einzupacken macht sich nicht gerade breit.. So bleibe ich. Noch. Etwas. Es ist ja Zeit.

Ich komme mit der belgischen Gruppe ins Gespräch, von dem einem der Teilnehmer sich um das Feuer bemühte und wir ihm dafür sehr dankbar sind. Gesellig stehen wir um die wärmende Mitte, halten die Hände vor oder drehen uns wie Spanferkel um die eigene Achse. Ich hole mir Frühstück und wechsle zu Tee. Urgemütlich wird es jetzt und der Alpe-Adria-Trail rückt in weite, weite Ferne.

Die Entscheidung

Viele Stunden sitzen und stehe ich um das Feuer, unterhalte mich mit den Belgiern und linse immer wieder raus in die Wolken. Nach dem Mittagssnack macht sich der Regen rar – und hört schließlich ganz auf. Ob ich jetzt packen soll? Ich bin unschlüssig.

Irgendwie haste ich dann doch zum Zelt. Irgendwie abreisebereit – und irgendwie doch nicht. Hektik macht sich innerlich breit, doch das ist gar nicht notwendig: selbst wenn ich am Montag erst weiter wandere, bleiben mir für 1,5 Etappen immer noch drei Tage Zeit, um am Donnerstag den Flieger zu bekommen. Ich ermahne mich und entscheide, zu bleiben.

Alternativ-Programm Wasserfall

Ein Gutes hat der Regen: wenige Gehminuten vom Camp befindet sich Sloweniens größter Wasserfall Boka. Und aufgrund der erhöhten Wassermenge ist dieser mächtiger als die Tage zuvor. So packe ich die Gelegenheit am Schopfe, packe meine Kamera ein und ziehe los.

Der Aufstieg zum Boka Wasserfall

Allein der Weg dorthin ist schon märchenhaft: weiße Dolomitensteine liegen im Wald verteilt am Wegesrand und geben dem Pfad etwas mystisches. Lange brauche ich nicht bis zur Aussichtsplattform und harre dort auch deshalb länger aus, weil es gar nicht mal so viele Leute zum Boka zieht. Schlechtwetterbonus eben 😀

Verwöhnprogramm

Auf dem Rückweg komme ich wieder am Restaurant von gestern vorbei und entscheide spontan, hier wieder etwas zu essen. Die Gnocchi sollen gut sein und tatsächlich sind sie es auch mit der Gorgonzola-Sauce. Und so herrlich heiß.

Was morgen wird

Gewärmt und gestärkt spaziere ich den Weg zurück zum Camp, nicht ohne von weitem die sonnenbeschienene Spitze der Berge zu betrachten. Morgen wird das Wetter besser. Ganz bestimmt. An der Rezeption zahle ich die letzten beiden und die noch kommende Nacht und freue mich schon darauf, morgen weiterziehen zu können.


Zum nächsten Tagebucheintrag: Slowenien Tag 7 – wenn dein Herz sagt bleib

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