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Slowenien: wenn dein Herz sagt bleib

7. Tagebucheintrag: Heute geht es endlich weiter auf dem Alpe-Adria-Trail. Die Kaltwetterfront ist vorbeigezogen und lässt wieder den Sommer in Slowenien zu. Wer die letzten Einträge verpasst hat, kann sie hier nachlesen:


1. Tagebucheintrag: nach Schlechtem kommt immer Gutes

2. Tagebucheintrag: das Leben braucht mal Pause

3. Tagebucheintrag: Jeder Tag hat eine neue Chance verdient

4. Tagebucheintrag: Was wirklich zählt

5. Tagebucheintrag: Es blitzt. Es donnert. Und dann kommt der Regen

6. Tagebucheintrag: immer diese Entscheidungen


Drei Grad

Ich liege bereits um sechs wach in meinem Sommerschlafsack und mir ist kalt. Trotz, dass ich mir um Mitternacht mit meiner Trinkblase und heißem Wasser noch eine Wärmflasche gebastelt habe. Ich meine, ich bin froh, dass mir das noch einfiel, ansonsten hätte ich wohl nicht mal die paar Stunden geschlafen, zu denen ich doch noch gekommen bin. Ich recke mich, setze mich, öffne das Zelt und blinzle in die fröhlich wärmende Morgensonne Sloweniens. Endlich!

Aliens, überall Aliens!

Kälte ist einfach nichts für mich. Während andere Gäste im Camp schon luftig angezogen motiviert ihre Sachen sortieren, sitze ich zusammengeknickt am Tisch und halte mich, dick in zwei Pullies eingepackt, am heißen Tee fest. Wie sooft fühle ich mich als Alien – ist mir aber auch egal. Wahrscheinlich sind alle anderen eigentlich Aliens. So!

Kurze Zeit später, die dank meiner Klüngelei wieder eine Ewigkeit dauerte, ist der Rucksack wieder aufsitzbereit. Ich verabschiede mich noch von der belgischen Gruppe, die heute eine 4-Tages Tour zum Triglav und wieder zurück machen. Ich bin neidisch, zugegeben. Doch ich entschied mich nunmal heute weiter zu gehen, damit ich spätestens am Mittwoch in Tolmin ankomme. Außerdem geht’s auch für mich heute wieder in die Berge – und überhaupt: wer weiß, was noch schönes passieren wird? Der Rucksack ist auf – los geht´s!

Willkommen an der Soča

Das erste Stück führt der Alpe-Adria-Trail wieder mal an der smaragdgrünen Soča entlang, die im Morgenlicht die 50 shades of türkis spielt. Merklich breiter ist sie geworden seit Trenta, und ruhiger auch. Der ebenso Wanderweg begegnet mir hier mit vielen weichen Wiesenabschnitten und Schotterwegen – auch mal gut, um Strecke zu machen. Viele frühere Etappen waren gesäumt von großem und kleinem Geröll, was das Wandern, gerade mit dem großen Rucksack, schwieriger machte. Aber nicht unmöglich – sonst wäre ich nicht hier!

Aufi geht’s!

Nachdem ich nach drei Stunden schon gut die Hälfte der Etappe bewältigt hatte, geht es nun bergan – doch lange nicht so steil, wie ursprünglich erwartet. Im Gegenteil: es ist ein sehr angenehmes Aufwärtslaufen – zumindest bis zu dem Teil, ab dem ich dann nur noch auf Asphalt und der Straße gehe. Wer hat sich DAS nur ausgedacht?! Schön, die Landschaft mit den saftig-grünen Wiesen und den Bergen stimmt mich dann schon milder. Um ehrlich zu sein: es sieht schon mega geil hier aus. Oh man. Aber der Asphalt schmerzt.

Ankunft in Dreznica

Bereits um 14 Uhr laufe ich in meinem Zielort ein und frage mich, ob ich mich wirklich schon sesshaft machen möchte. Dreznica heißt der Ort, der oberhalb von Koberit und unterhalb des Berges Stol liegt. Der Stol ist mir noch gut bekannt: von ihm bin auch ich schon mit dem Gleitschirm gestartet – wie ich auch heute eine ganze Schar an Paraglider-Piloten. So viele sind es, das kann ja fast nur ein Wettbewerb sein. Mein Herz klopft vor Freude, ich kriege Flugsehnsucht. Hach ❤️

Postkartenpanorama vom Feinsten

Der Ort begrüßt mich mit einem unglaublichen Charme: Zunächst ist da diese schneeweiße Kirche, die Mittig in der Bergkette zu liegen scheint. Unfassbar malerisch auch die kleinen Häuser drumherum, liebevoll verziert mit roten Geranien und anderen Blumen. Kennst Du das: Da kommst du an einen Ort an und fühlst dich gleich wie Zuhause? So geht es mir in diesem Augenblick, als ich das Ortsschild passiere. Ja, ich könnte weitergehen. Aber mein Herz will bleiben. Also bleibe ich!

Die Suche nach einer Unterkunft

Aus Mangel an Campingplätzen muss ich mir hier eine feste Bleibe suchen. Google spuckt drei zur Auswahl aus – an der ersten habe ich kein Glück. Ist zu. Dann auf zum B&B und hier klappt es schließlich: ein kleines Appartement mit Gemeinschaftsdusche und -küche ist frei, und: tataaa! Ich bin der einzige Gast. Die Hütte ist mir – YEAH! ??

Die Stille genießen

Es ist nicht nur schön, sondern auch sehr ruhig hier. Trotz dass ich alleine reise, fehlte mir das die Tage manchmal – vor allem auf Campingplätzen. So gerne wie ich draußen und im Zelt schlafe, gerne auch ganz alleine und nur für mich bin – diese Campingplätze sind dann doch das genaue Gegenteil von naturnah. Umso schöner hier gelandet zu sein.

Was kommt morgen?

Nachdem ich bei Vršič eine unvergessliche Bergwanderung machen konnte, kribbelt es mir in den Füßen, morgen den Krn zu besteigen. 5 Stunden hoch und wieder runter soll die Tour gehen und bei knapp 8 km rund 1000 hhm überwinden. Das wird taff, zumal ich am Mittwoch dann die volle 22 km nach Tolmin packen muss, um am Donnerstag früh den Bus zum Flughafen Ljubljana zu kriegen. Wie verrückt schnell die Zeit vorbei geht. Aber verdammt: Warum denke ich schon jetzt an Donnerstag? Wenn ich das Apartment verlängern kann ist morgen Gipfeltour -und alleine das zählt. Ich habe fertig!


Zum nächsten Tagebucheintrag: Slowenien Tag 8 – gib dein Ziel nicht auf (Bergwanderung auf den Krn)

11 Kommentare
  1. 29. August 2018
  2. 30. August 2018
    • 30. August 2018
      • 30. August 2018
      • 5. September 2018
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  3. 5. September 2018

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